Freitag, 20. Januar 2012

Nur mal eben Luft raus lassen...!


Eigentlich wollte ich etwas ganz anderes schreiben, doch dann lass ich Inkas Post. Ich muss daher erst einmal Luft ablassen:

Ich wusste es schon sehr früh, mit sechs oder sieben etwa: ich fühle und denke als Mädchen! Doch ich brauchte Jahrzehnte um zu verstehen was es war und wie ich damit umzugehen habe – das war keine schöne Zeit; und ist es mitunter heute auch noch nicht. Wie vielen Menschen habe ich Sorgen und Schmerzen bereitet, weil ich Dinge tat von denen keiner wusste, wie sie zuzuordnen seien. Aber wie denkt wohl eine Mutter deren kleiner Sohn immer wieder heimlich ihren Kleiderschrank plündert – heimlich, weil ich angst davor hatte das es raus kommt, mein ureigener und so irre klingender Gedanke ein Mädchen zu sein.
Dann waren da die Mädels auf die ich stand. Doch wie ich immer wieder feststellte, nicht weil ich mich in sie verliebt hatte, sondern weil ich mich in ihren Körper verliebt hatte, den ich nicht besaß.
Wie fühlt sich wohl ein Mensch der jemanden liebt aber feststellen muss, dass es beim anderen nicht um seine Person geht sondern um seinen Körper?!
Von meinen eigenen Problemen möchte ich gar nicht weiter reden: Selbstmordgedanken, übermäßiger Alkoholkonsum, regelmäßige Flüchte aus dem Alltag und Berufsleben, Neuanfänge, Resignation, Zusammenbrüche... . Und heute muss ich mich mit dem sehr üblen Problem herum quälen, meine dummerweise erworbenen männlichen Körpermerkmale los zu werden; was ja auch nur zu einem gerade noch erträglichen Teil funktioniert.

Ich hasse die Zeit die ich in der falschen Funktion verbracht habe. Und selbst heute noch muss ich Rechenschaft darüber ablegen warum ich mich so verhalte wie ich mich verhalte, und mittlerweile so lebe wie ich es für richtig erachte. Hätte es das Internet mit seinen sehr umfangreichen Informationen damals schon gegeben, ich hätte diesen Weg schon in der Pubertät eingeschlagen. Ich hätte mir einen großen Teil der Probleme erspart und anderen sicherlich auch. Ich hätte die Chance gehabt wesentlich unauffälliger mein Leben zu gestalten, anstatt es heute auf sehr bloßstellende Art umkrempeln zu müssen.

Doch wie mir scheint, bringt diese ganze Aufklärerei nur den betroffenen etwas, der Rest der Welt ignoriert es anscheinend – vor allem die, die es von ihrer Funktion her besser wissen sollten. Anders kann ich es mir nicht erklären, warum man ein Kind mit Gefühlen ähnlich den meinigen, in die geschlossene Psychiatrie einweisen will – von Amtswegen! (siehe Artikel in der taz vom 19.01.2012 „Wer wollte das rosa Einhorn?“)

Da bin ich ja mal gespannt, wie sich die offiziellen Seiten raus reden werden. Inka schreibt ja davon, dass ein Brief an Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit gegangen ist und dass sie selbst auch einen offenen Brief an ihn verfasst hat. Für die Sache wäre es ja schön, wenn man sie jetzt auch politisch ausgetragen würde. Für das Kind hoffe ich es jedoch nicht!

….. als wäre das Leben nicht schon schwer genug....!



Sonntag, 15. Januar 2012

Sonntag. Einfach nur Sonntag!

Ja es ist wieder einmal Sonntag. Doch an diesem Wochenende ist mir überhaupt nicht nach Ausruhen zu mute. Viel zu viel habe ich mir vorgenommen als dass ich auch nur ansatzweise an einen ruhigen und gelassenen Sonntag denken möchte. Immerhin hatte ich ja die letzten Wochen schon Ruhe genug; und viel zu viel gefaulenzt. Zudem bietet sich dieses Wochenende wunderbar an, um zu arbeiten - in Ruhe zu arbeiten! Meine Frau hat für dieses Wochenende die Messestandbetreuung auf der CMT-Messe in Stuttgart übernommen und mir damit die Chance gegeben, auch am Wochenende unentwegt meinen Computer zu bearbeiten. Obwohl, so wirklich unentwegt ist es natürlich wieder ein mal nicht. Das blöde ist, wenn du zuhause arbeiten kannst, wird dir auch gerne all die Hausarbeit aufgebrummt die zu erledigen ist, weil man ja nicht dumm rumsitzen sollte wenn man schon zu Hause ist. Klingt eigentlich genauso logisch wie es unlogisch ist, denn oftmals bedeutet dass für mich, dass ich genauso wenig zum Arbeiten kommen, wie an den Tagen an denen meine Frau auch hier ist. Tja, irgendwie schwebt ihr Geist halt immer irgendwo um mich herum...

Dabei ist das nicht einmal so schlimm. Viel schlimmer ist es doch, wenn man morgens aufwacht, ins Bad geht und in den Spiegel schaut und dann feststellt, dass der ganze Trott wieder von vorne anfängt. Ich weiß ja nicht wie es Euch geht, aber ich empfinde dieses alltägliche Schminken an manchen Tagen als absolut nervig. Aber was wäre wenn ich mich diesem Ritual nicht unterwerfen würde? Mich würde ein dunkler Bartansatz und die dazugehörigen noch immer ersichtlichen männlichen Gesichtszüge den ganzen Tag über erschlagen, würde ich auch nur einen einzigen kleinen Blick in den Spiegel wagen. Genau das habe ich in den letzten Wochen mehrfach versucht; der Versucht keine Männergestalt im Spiegel zu erspähen, über das offensichtliche hinweg zu sehen. Aber es gelingt mir nicht wirklich. Es sorgt eher dafür, dass ich mich innerlich verhärte, was dann irgendwann über ein Überdruckventil schlagartig nach außen getragen wird und für allerbeste Laune (vorsicht Ironie!) sorgt und unter Umständen auch zu trostloser Traurigkeit führt. Also bleibt doch wieder nur der allmorgendliche Griff in die Kosmetiktasche - genau wie an diesem Morgen.

Und nun sitze ich hier, vom Gesicht her gestylt, in gemütlichem Schlabberlook gekleidet, an einem Schreibtisch der nun endlich zur produktiven Arbeit aufruft mit einer Christina die eigentlich so gar keine Lust mehr hat zu arbeiten, da dort draußen die Sonne scheint und dazu einlädt, einen kleinen Sonntagsspaziergang zu machen - alleine dem aufgetragenen MakeUp wäre ich es schuldig. Wenn da nicht noch die aufgetragenen Hausarbeiten wären denen ich meiner Frau zuliebe (und des lieben Friedens willen) nachkommen möchte. Und wenn ich damit fertig bin ist garantiert Nachmittag und ich bin k.o. und weggearbeitet habe ich dann garantiert auch noch nichts. Man kommt eben doch zu nichts wenn man zuhause arbeiten darf, da ändern dann auch morgendliche Rituale nichts an der Situation. Na dann, einen schönen Sonntag noch!