Sonntag, 15. Januar 2012

Sonntag. Einfach nur Sonntag!

Ja es ist wieder einmal Sonntag. Doch an diesem Wochenende ist mir überhaupt nicht nach Ausruhen zu mute. Viel zu viel habe ich mir vorgenommen als dass ich auch nur ansatzweise an einen ruhigen und gelassenen Sonntag denken möchte. Immerhin hatte ich ja die letzten Wochen schon Ruhe genug; und viel zu viel gefaulenzt. Zudem bietet sich dieses Wochenende wunderbar an, um zu arbeiten - in Ruhe zu arbeiten! Meine Frau hat für dieses Wochenende die Messestandbetreuung auf der CMT-Messe in Stuttgart übernommen und mir damit die Chance gegeben, auch am Wochenende unentwegt meinen Computer zu bearbeiten. Obwohl, so wirklich unentwegt ist es natürlich wieder ein mal nicht. Das blöde ist, wenn du zuhause arbeiten kannst, wird dir auch gerne all die Hausarbeit aufgebrummt die zu erledigen ist, weil man ja nicht dumm rumsitzen sollte wenn man schon zu Hause ist. Klingt eigentlich genauso logisch wie es unlogisch ist, denn oftmals bedeutet dass für mich, dass ich genauso wenig zum Arbeiten kommen, wie an den Tagen an denen meine Frau auch hier ist. Tja, irgendwie schwebt ihr Geist halt immer irgendwo um mich herum...

Dabei ist das nicht einmal so schlimm. Viel schlimmer ist es doch, wenn man morgens aufwacht, ins Bad geht und in den Spiegel schaut und dann feststellt, dass der ganze Trott wieder von vorne anfängt. Ich weiß ja nicht wie es Euch geht, aber ich empfinde dieses alltägliche Schminken an manchen Tagen als absolut nervig. Aber was wäre wenn ich mich diesem Ritual nicht unterwerfen würde? Mich würde ein dunkler Bartansatz und die dazugehörigen noch immer ersichtlichen männlichen Gesichtszüge den ganzen Tag über erschlagen, würde ich auch nur einen einzigen kleinen Blick in den Spiegel wagen. Genau das habe ich in den letzten Wochen mehrfach versucht; der Versucht keine Männergestalt im Spiegel zu erspähen, über das offensichtliche hinweg zu sehen. Aber es gelingt mir nicht wirklich. Es sorgt eher dafür, dass ich mich innerlich verhärte, was dann irgendwann über ein Überdruckventil schlagartig nach außen getragen wird und für allerbeste Laune (vorsicht Ironie!) sorgt und unter Umständen auch zu trostloser Traurigkeit führt. Also bleibt doch wieder nur der allmorgendliche Griff in die Kosmetiktasche - genau wie an diesem Morgen.

Und nun sitze ich hier, vom Gesicht her gestylt, in gemütlichem Schlabberlook gekleidet, an einem Schreibtisch der nun endlich zur produktiven Arbeit aufruft mit einer Christina die eigentlich so gar keine Lust mehr hat zu arbeiten, da dort draußen die Sonne scheint und dazu einlädt, einen kleinen Sonntagsspaziergang zu machen - alleine dem aufgetragenen MakeUp wäre ich es schuldig. Wenn da nicht noch die aufgetragenen Hausarbeiten wären denen ich meiner Frau zuliebe (und des lieben Friedens willen) nachkommen möchte. Und wenn ich damit fertig bin ist garantiert Nachmittag und ich bin k.o. und weggearbeitet habe ich dann garantiert auch noch nichts. Man kommt eben doch zu nichts wenn man zuhause arbeiten darf, da ändern dann auch morgendliche Rituale nichts an der Situation. Na dann, einen schönen Sonntag noch!


Kommentare:

  1. Hallo Christina!

    Ein wahrlich wahres Wort von dir "... dass der ganze Trott wieder von vorne anfängt, ... ich empfinde dieses alltägliche Schminken an manchen Tagen als absolut nervig, ... aber was wäre wenn ich mich diesem Ritual nicht unterwerfen würde?"

    Dieser tägliche Trott lässt mich selber oft so sehr die biologischen Frauen beneiden. Die einfach so zum Bäcker gehen können - ohne 60 Minuten Vorarbeit zu leisten.

    Als Single (geschiedener Papa von 3 Kindern) bleibe ich am Wochenende aber schon in "Natura" - sofern ich nicht raus will und keiner auf Besuch kommt. D.h. die Haare kämmen bis halbwegs hübsch, aber Bartschatten darf mal 1-2 Tage sein. Letztlich wird's mir meine Haut auch danken, wenn sie paar Tage zum Verschnaufen hat.

    Ja - dieser Bartschatten, wohl eine der übelsten Plagen aus unserer Testo-Vorzeit.

    Und ich habe schon das Gefühl, dass ich auch ohne "Maske" bei mir bleiben kann. Ich bin Ida, und die schaut nun mal von Natur gegeben so aus. Genau das bin ich! Ich geh auch so im Wohnhaus runter die Wäsche waschen und den Müll entsorgen. Klar werden sich Mitbewohner was denken, aber ich kann doch nicht jedesmal mir (m)eine Maske aufsetzen müssen, bevor ich einen Schritt vor die Wohnungstür setze. Denn das ist mein Revier.

    Raus aus dem Haus(!) aber immer nur in Form gebracht. Notfälle mal ausgenommen: Haus brennt, 12.12.2012, ... :-)

    Klar macht Makeup und Haare dann so richtig schön, so dass ich auch in den Spiegel sagen kann "Ich mag dich". Aber vielleicht geht's vielen biologischen Frauen auch so, dass sie nur mit "Maske" sich selber hübsch finden und annehmen können.

    Ich versuche gerade, mir ein reales Bild von realen Frauen zu machen:

    der Blog "Wüst(e)s Leben"
    http://blogbybea.blogspot.com

    und der Blog "Lenerls kleine Welt"
    http://lenerlswelt.blogspot.com

    ... sind für mich gute Nachschlagewerke, wie problematisch das Leben einer hübschen Bio-Frau so sein kann.


    Sorry für die vielen Worte, ich bin aber gerade mal im Schreib- und Redeschwall so drinn :-)

    Lg, Ida

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    1. Wohl wahr, Ida! Wir hängen schon alle ziemlich stark an dieser Maskerade. Aber irgendwie will man das ja auch, ist halt "Frauenkram" und da kann und will ich auch nicht nein zu sagen - auch wenn es auf der anderen Seite immer mal wieder nervig ist. Aber wenn am Ende das Ergebnis stimmt, bin ich doch doppelt zufrieden! Wir Frauen können eben unheimlich widersprüchlich sein! ;-)

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  2. Ja, Mädels, was glaubt ihr denn? Frausein ist doch kein Zuckerschlecken - nennen wir es mal lieber Femininsein. Wir Biofrauen brauchen ab 40 auch mindestens `ne Stunde, ansonsten sehen wir aus wie Männer(fast)ohne Bart und mit mehr Haar. Wir haben rote Äderchen, zunehmend dünnes und ergrauendes Haar, auch Bartflaum (Damenbart), rasieren uns jeden 2. Tag die Beine und einiges mehr, haben tiefschwarze Ränder unter den Augen und den Fingernägeln nach durchzechten und durchgearbeiteten Nächten, dann ab Ende 40 die ersten ätzenden Altersflecken und, und, und. Das sogenannte "schöne Geschlecht" muß ab der Pubertät in Schwerstarbeit hergestellt und Anmut und Grazie in leidvoller Erfahrung erlernt werden. Warum sollte es für Euch anders sein? Es fehlt doch nur ein wenig Routine. Femininität und Lieblichkeit gibt´s für keine von uns umsonst oder geschenkt. Sie sind den Biofrauen trotz Sexus nicht angeboren. Meine Oma z. B. hat mich stundenlang dazu gezwungen, mit einem Buchstabel auf dem Kopf aufrecht und auf einer Kreidelinie durch den Raum zu stolzieren, weil sie der Meinung war, ich ginge wie ein Seemann. Das war vielleicht ein Tort und dann auch noch die Verrenkungen beim Ballett! Und heute nun, diese Unbequemlichkeit der Kledage, wenn man wirklich Alphafrau sein will (was ich mir auch nicht jeden Tag antue!). Eingequetschte Brüste, Taillen, Füße, Bäuche und Pos! Bürstenmassage gegen Zellulite und Krampfadern, puhhhh! Gott sei Dank gibt´s ja nun auch liebende PartnerInnen, die einen in natura mögen und vice versa. Mir und den anderen Frauen geht´s doch genauso wie euch.
    Wenn wir es dann schließlich geschaftt haben, und das ist mit immer mehr Geld und Mühen verbunden, uns so herauszuputzen und zu -schälen, dass wir uns mit Freude vor dem Spiegel auf die Schulter klopfen dürfen und uns zulächelnd sagen können: "Geht doch, Schatzi!", dann ist der Tag unsere Freundin. Und wenn wir nachhause kommen? Was geben wir von uns? Flüche, Schreie und Gestöhn, runter mit den Lumpen, den Schmuck auf einen Haufen geschmissen, Beine hoch: Die Füße werden massiert, die Blasen einbalsamiert, die Frisur gelöst, Wein- oder Bierflasche geköpft und endlich alles locker gelassen! Hat es sich gelohnt? Ja. Meine FreundInnen und ich sagen uns immer: In Schönheit leben und sterben ist besser als graumäusig, unbeachtet und scheintot vor sich hin zu vegetieren. Styling ist ein schönes Hobby und Spiel, dass man, wenn überhaupt, gern und gekonnt spielen sollte, denn alles andere ist sonst wirklich eine Qual. In diesem Sinne lasst uns jedes Hilfsmittelchen schamlos nutzen, das Spiel sportlich nehmen und genießen so lange wir es können, denn irgendwann schlägt die Schwerkraft und die Fältelung so gnadenlos zu, dass wir uns wahrscheinlich die Finger danach lecken werden, noch einmal so etwas wie eine elegante Erscheinung der femininen Art aus uns herauszaubern zu können. Eine schöne Woche.
    Frauen, die etwas auf sich halten - jeglicher Couleur - sind Künstlerinnen am Körper-Bau.
    MD

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    1. Na das ist ja mal beruhigend zu hören! ;-) Zwei Dinge gefallen mir an dem Kommentar besonders gut:
      1. "Frau sein ist doch kein Zuckerschlecken!"
      und
      2. "Frauen, ... sind Künstlerinnen am Körper-Bau!"
      Ich werde mein Schicksal mit Fassung tragen und nicht mehr schimpfen, versprochen! ;-)

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