Eigentlich wollte ich etwas ganz anderes schreiben, doch dann lass ich Inkas Post. Ich muss daher erst einmal Luft ablassen:
Ich wusste es schon sehr früh, mit
sechs oder sieben etwa: ich fühle und denke als Mädchen! Doch ich
brauchte Jahrzehnte um zu verstehen was es war und wie ich damit
umzugehen habe – das war keine schöne Zeit; und ist es mitunter
heute auch noch nicht. Wie vielen Menschen habe ich Sorgen und
Schmerzen bereitet, weil ich Dinge tat von denen keiner wusste, wie
sie zuzuordnen seien. Aber wie denkt wohl eine Mutter deren kleiner
Sohn immer wieder heimlich ihren Kleiderschrank plündert –
heimlich, weil ich angst davor hatte das es raus kommt, mein
ureigener und so irre klingender Gedanke ein Mädchen zu sein.
Dann waren da die Mädels auf die ich
stand. Doch wie ich immer wieder feststellte, nicht weil ich mich in
sie verliebt hatte, sondern weil ich mich in ihren Körper verliebt
hatte, den ich nicht besaß.
Wie fühlt sich wohl ein Mensch der
jemanden liebt aber feststellen muss, dass es beim anderen nicht um
seine Person geht sondern um seinen Körper?!
Von meinen eigenen Problemen möchte
ich gar nicht weiter reden: Selbstmordgedanken, übermäßiger
Alkoholkonsum, regelmäßige Flüchte aus dem Alltag und Berufsleben,
Neuanfänge, Resignation, Zusammenbrüche... . Und heute muss ich
mich mit dem sehr üblen Problem herum quälen, meine dummerweise
erworbenen männlichen Körpermerkmale los zu werden; was ja auch nur
zu einem gerade noch erträglichen Teil funktioniert.
Ich hasse die Zeit die ich in der
falschen Funktion verbracht habe. Und selbst heute noch muss ich
Rechenschaft darüber ablegen warum ich mich so verhalte wie ich mich
verhalte, und mittlerweile so lebe wie ich es für richtig erachte.
Hätte es das Internet mit seinen sehr umfangreichen Informationen
damals schon gegeben, ich hätte diesen Weg schon in der Pubertät
eingeschlagen. Ich hätte mir einen großen Teil der Probleme
erspart und anderen sicherlich auch. Ich hätte die Chance gehabt
wesentlich unauffälliger mein Leben zu gestalten, anstatt es heute
auf sehr bloßstellende Art umkrempeln zu müssen.
Doch wie mir scheint, bringt diese
ganze Aufklärerei nur den betroffenen etwas, der Rest der Welt
ignoriert es anscheinend – vor allem die, die es von ihrer Funktion
her besser wissen sollten. Anders kann ich es mir nicht erklären,
warum man ein Kind mit Gefühlen ähnlich den meinigen, in die
geschlossene Psychiatrie einweisen will – von Amtswegen! (siehe Artikel in der taz vom 19.01.2012 „Wer wollte das rosa Einhorn?“)
Da bin ich ja mal gespannt, wie sich
die offiziellen Seiten raus reden werden. Inka schreibt ja davon,
dass ein Brief an Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit
gegangen ist und dass sie selbst auch einen offenen Brief an ihn verfasst hat. Für die Sache wäre es ja schön, wenn man sie jetzt
auch politisch ausgetragen würde. Für das Kind hoffe ich es jedoch
nicht!
….. als wäre das Leben nicht schon
schwer genug....!

In diesem Fall hilft es wahrscheinlich tatsächlich nur, sich der Macht der Medien zu bedienen. Wichtig ist nur, dass die Anonymität des Kindes gewahrt bleibt und es nicht zum Spielball der Medien wird.
AntwortenLöschenAußer mir und den sieben befreundeten Transkinder-Müttern hat übrigens auch die DGTI an Klaus Wowereit geschrieben. Und er wird noch weitere Post in dieser Angelegenheit bekommen. Außerdem habe ich mich an den menschenrechtspolitischen Sprecher der Grünen im Bundestag, Volker Beck, gewandt. Es wird also versucht, mit vielen kleinen Schritten den Stein ins Rollen zu bringen und das Mädchen vor der drohenden Zwangseinweisung in die Psychiatrie und der Umpolung vom Mädchen zum Jungen zu bewahren.
Liebe Grüße
Inka
Bleibt nur zu hoffen, dass das ganze Thema sachlich ausgetragen wird und dass das Mädel wirklich anonym bleibt.
LöschenAllerdings, auch wenn die Anonymität gesichert sein sollte, wird es weiterhin ihre Person sein, um die es sich dabei dreht. Das muss zwar nicht zwangsläufig schlimm sein, wird sie aber u.U. auch nicht gänzlich unberührt lassen.
Es ist schon ärgerlich, dass solche Auseinandersetzungen überhaupt öffentlich abgehalten werden müssen. Noch viel schlimmer ist es jedoch, das es auf dem Rücken eines Kindes stattfindet. Das besorgt mich dabei am meisten! Lieben Gruß Christina
Hallo Christina, als aufmerksamer Leser Deines Blogs habe ich mir erlaubt, Dich für den "Liebste-Blog-Award" zu nominieren.
AntwortenLöschenGruß JurekP
Oh, Danke!!! :-)
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