Dienstag, 3. April 2012

Augen auf beim Schaulauf...


... oder: Was habe ich mit Olivia zu tun?

Fernsehtipps zum Thema Trans* sind im Grunde genommen etwas sehr praktisches. Bin ich doch nicht immer in der Lage (und habe noch weniger Lust) mich durch die Programmvorschauen der Sender zu wühlen, nur um heraus zu finden ob da demnächst eine interessante Sendung zu meinem Lebensthema läuft. Doch was ist in diesem Zusammenhang interessant? Boulevard oder Wissenschaft? Doku oder Film?

Ich denke bei jedem wird es anders sein. Ich persönlich verabscheue Boulevard und bei Filmen gehe ich noch wesentlich selektiver vor. Nicht alles was so gesendet wird halte ich auch für sehenswert – es wird eben eine Menge Schrott produziert. Teilweise frage ich mich auch, ob so manches was in der Kiste über das Thema Trans* gezeigt wird für unsere Darstellung in der Öffentlichkeit überhaupt so gut ist. So auch bei dem kurzen WDR Bericht vor einiger Zeit, in dem über eine „Düsseldorfer Transsexuelle“ berichtet wurde, die versuchte vor Gericht den Namen einer bekannten Düsseldorfer Edelmeile anerkannt zu bekommen. Ist ja toll, dass sie es ins Fernsehen geschafft hat. Aber ob dass so toll für uns ist mit so einem dämlichen Quatsch in Verbindung gebracht zu werden, steht auf einem ganz anderen Blatt. Und dann treffe ich Tage später auf einen Facebook Fernsehtipp zu einem NDR Talk mit Olivia Jones, der (Achtung Zitat) „Kultur-Transe“ Hamburgs.

Ich kenne Olivia nicht persönlich, aber das was ich von ihr kenne reicht mir eigentlich, um mit ihr nicht in eine Schublade gesteckt werden zu wollen; ich bin weder TV geil noch sonst irgendwie Darstellungssüchtig. Außerdem ist das Klischee das sie vertritt, genau das, was ich als Image schädlich für die (ernsthafte!) Transgemeinde ansehe. Fragt doch jemanden mal auf der Straße nach Transsexualität und erschreckend viele denken dabei an Mary oder Olivia Jones. Das Olivia dabei als „Kultur-Transe“ bezeichnet wird ist gar nicht so schlimm. Auch nicht, dass man sie als Transe bezeichnet denn das stellt sie ja auch in meinen Augen da. Mich stört eher, dass ihr Auftreten als Fernsehtipp zum Thema Trans* deklariert wird. Als gäbe es da nichts passenderes!

Unabhängig davon ist mir im letzten Jahr mal extrem aufgefallen, wie viele Berichte über einige von uns so ausgestrahlt wurden. Mag sein, dass ich da etwas hinterm Mond lebe, aber ich habe noch nie von so vielen verschiedenen Berichten innerhalb kürzester Zeit erfahren. Es erschlug einen ja förmlich. Sicherlich trug die Eigenwerbung einiger Facebook-Vertreter(innen) sehr dazu bei, dass ich überhaupt erst auf die Filme aufmerksam wurde. Doch alleine schon das die Medien so ein Interesse an uns fanden, verblüffte mich. Nimmt man uns jetzt endlich für voll? Oder ist es wieder einmal nur der Verkaufsfaktor, der uns so Medienwirksam macht? Ich befürchte ja fast letzteres. Waren es in den vergangenen Jahren vor allem die privaten Sender, die in Ihren Dokus Trans* als Thema entdeckten (sehr wahrscheinlich weil es so schockierend anders ist), so sind es in letzter Zeit vor allem die Öffentlich Rechtlichen, denen das Thema auf einmal besonders wichtig zu sein scheint.

O.K., es ist unfair das Engagement der Sender so abzuwerten. Und auch die Protagonisten der Berichte haben es nicht verdient in solch ein Licht gestellt zu werden. Immerhin berichtet man über uns und in manchen Sendungen auch recht vernünftig (z.B. zuletzt bei Quarks & Co.). Dennoch bleibt bei vielen Berichten (die ja irgendwie alle gleich sind) der bittere Beigeschmack, dass es hier weniger ums Erklären, Aufklären oder Informieren geht als vielmehr um die Auswahl einer medienwirksamen Story. Zeitweise hatte ich sogar irgendwie den Eindruck, dass innerhalb der Trans*-Gruppen eine Art latenter Wettbewerb herrschte, wer es denn wohl als nächstes in die Medien schaffen würde, so offen blumig stellten sie ihre Lebensgeschichte ins Netz. Natürlich gibt es hier auch Ausnahmen wie jene, die bereits seit Jahren intensiv über sich schreiben und somit einer Menge von Leuten geholfen haben, mit sich selber klar zu kommen. Aber diese Personen meine ich auch nicht. Mir geht es eher um diejenigen, die sich ins Rampenlicht stellen, ohne dass sie selber irgend etwas bewirkt haben, und davon gibt es und gab es in letzter Zeit mehr als genug.

Von Seiten der Medien ist für mich das Interesse durchaus verständlich. Wann bekommt man schon einmal eine fertig zusammengefasste Story kostenlos auf den Tisch die sich auch noch gut verkaufen lässt – zur Not auch als nichtssagenden Lückenfüller. In den wenigsten Fällen wird doch noch von Seiten der Sender selber recherchiert. Man zitiert nur noch angebliche Experten oder berichtet über das was einem vor die Kamera gestellt wird – richtig in die Materie einzutauchen kann sich doch kaum noch jemand leisten; so etwas kommt nur noch bei „wirklich wichtigen Themen“ vor. Wenn das Drehbuch fertig ist und der Darsteller geschminkt, braucht man nur noch zu drehen und das Kurioseste heraus zustellen – aufwendig sieht anders aus.

Über den tieferen Nutzen so einer Berichterstattung lässt sich hingegen unverkrampfter streiten. Man muss sich nur vor Augen halten wie wir in der Öffentlichkeit betrachtet werden. Ganz aktuell sieht und merkt man es bei der immer öffentlicher werdenden Diskussion über das zwölfjährige Berliner Mädchen und ihrem Kampf gegen die Institutionen. Ihr Thema erreicht den Kern der Trans*-Problematik mit der wir wirklich zu kämpfen haben: die Anerkennung unseres Geschlechts!

Und es wird noch etwas bei diesem Thema deutlich: wir behaupten zwar immer die gleichen Interessen zu haben, nur zeigt sich das in keiner Weise in unserem Handeln und Auftreten. Klar, wir wollen Anerkennung, nur was tun wir dafür? In unserer Welt reicht es nicht einfach nur zu sagen man ist jemand, sondern man muss es auch beweisen. Nur weil ich mich als Frau kleide, muss ich nicht zwangsläufig von meiner Umwelt so aufgenommen werden. Schon gar nicht in einer Umwelt, die eine klare Definition von männlich und weiblich verinnerlicht hat. Ab einem gewissen Punkt ist es nicht mehr damit getan, sich einfach nur als Frau zu kleiden, man muss dann auch so handeln und sich so benehmen. Ansonsten enttarnen uns die noch übrigen männlichen Merkmale schneller als es uns recht ist. Da bringt es auch wenig wenn wir weiterhin behaupten eine Frau zu sein: Die Anerkennung als Transe ist uns sicher, die als Frau nicht unbedingt.

Wenn wir also eine geschlechtliche Anerkennung haben wollen, dann müssen wir andere Punkte als Beweis anführen und diese auch hervor heben. Am besten wissenschaftliche Beweise die es ja mittlerweile in vielfacher Art gibt. Sachliche Argumente, die sowohl logisch als auch verständlich ausgeführt sind. Menschliche Vergleiche die man nicht nur verstehen sondern auch nachvollziehen kann. Wenn wir Anerkennung haben wollen, dann sollten wir die Finger von Klischees lassen die uns nur in den Dreck ziehen. Auch sollten wir es tunlichst unterlassen uns zum Affen zu machen indem wir unser Leben darstellen als sein es eine Soap und benötige auf Teufel komm raus eine hohe Einschaltquote.

Das unser Geschlecht nichts mit äußerlichen Merkmalen zu tun haben muss, sondern (nach aktuellem Stand) mehr im Kopf festzumachen ist, muss einer körperlich fixierten Gesellschaft (von der wir auch ein Teil sind!) erst einmal verständlich gemacht werden. Ihnen das einfach nur vor den Latz zu knallen, wie es einige amtliche Vertreter von uns regelmäßig machen, bringt genauso wenig, wie der Olivia Jones gleiche Auftritt in einem Boulevard Medium. Das heißt, doch es bringt etwas: es macht uns alle schlimmstenfalls zum Deppen weil es falsch verstanden wird!

Übrigens bin ich bei der Berliner Geschichte mal gespannt wer sich als erstes dem Thema annehmen wird: die Boulevard-Medien oder die seriösen Nachrichten? Im gewissen Sinn gleicht es ein wenig dem Spiel zwischen Sieg oder Niederlage. Schafft es das Thema nicht in eine seriöse Nachrichtenebene, verlieren wir wieder einmal eine gute Chance zur objektiven Aufklärung. Platziert es sich in den Boulevardmedien, wird es eine Story von vielen werden, die so oder so ähnlich irgendwo auf der Welt passiert ohne dass sich jemand intensiver damit beschäftigen wird. Ob es im Endeffekt dem Mädel helfen wird, steht hingegen auf einem ganz anderen Blatt. Rein rechtlich wird sie vorerst zumindest den kürzeren ziehen müssen. Und gesellschaftlich kommt es auf jeden einzelnen von uns an, wie unser Bild in der Öffentlichkeit betrachtet wird. Oder um es konkreter zu sagen: ob wir Menschen sind oder Patienten!

Also, Augen auf beim Schaulauf da draußen!



Freitag, 20. Januar 2012

Nur mal eben Luft raus lassen...!


Eigentlich wollte ich etwas ganz anderes schreiben, doch dann lass ich Inkas Post. Ich muss daher erst einmal Luft ablassen:

Ich wusste es schon sehr früh, mit sechs oder sieben etwa: ich fühle und denke als Mädchen! Doch ich brauchte Jahrzehnte um zu verstehen was es war und wie ich damit umzugehen habe – das war keine schöne Zeit; und ist es mitunter heute auch noch nicht. Wie vielen Menschen habe ich Sorgen und Schmerzen bereitet, weil ich Dinge tat von denen keiner wusste, wie sie zuzuordnen seien. Aber wie denkt wohl eine Mutter deren kleiner Sohn immer wieder heimlich ihren Kleiderschrank plündert – heimlich, weil ich angst davor hatte das es raus kommt, mein ureigener und so irre klingender Gedanke ein Mädchen zu sein.
Dann waren da die Mädels auf die ich stand. Doch wie ich immer wieder feststellte, nicht weil ich mich in sie verliebt hatte, sondern weil ich mich in ihren Körper verliebt hatte, den ich nicht besaß.
Wie fühlt sich wohl ein Mensch der jemanden liebt aber feststellen muss, dass es beim anderen nicht um seine Person geht sondern um seinen Körper?!
Von meinen eigenen Problemen möchte ich gar nicht weiter reden: Selbstmordgedanken, übermäßiger Alkoholkonsum, regelmäßige Flüchte aus dem Alltag und Berufsleben, Neuanfänge, Resignation, Zusammenbrüche... . Und heute muss ich mich mit dem sehr üblen Problem herum quälen, meine dummerweise erworbenen männlichen Körpermerkmale los zu werden; was ja auch nur zu einem gerade noch erträglichen Teil funktioniert.

Ich hasse die Zeit die ich in der falschen Funktion verbracht habe. Und selbst heute noch muss ich Rechenschaft darüber ablegen warum ich mich so verhalte wie ich mich verhalte, und mittlerweile so lebe wie ich es für richtig erachte. Hätte es das Internet mit seinen sehr umfangreichen Informationen damals schon gegeben, ich hätte diesen Weg schon in der Pubertät eingeschlagen. Ich hätte mir einen großen Teil der Probleme erspart und anderen sicherlich auch. Ich hätte die Chance gehabt wesentlich unauffälliger mein Leben zu gestalten, anstatt es heute auf sehr bloßstellende Art umkrempeln zu müssen.

Doch wie mir scheint, bringt diese ganze Aufklärerei nur den betroffenen etwas, der Rest der Welt ignoriert es anscheinend – vor allem die, die es von ihrer Funktion her besser wissen sollten. Anders kann ich es mir nicht erklären, warum man ein Kind mit Gefühlen ähnlich den meinigen, in die geschlossene Psychiatrie einweisen will – von Amtswegen! (siehe Artikel in der taz vom 19.01.2012 „Wer wollte das rosa Einhorn?“)

Da bin ich ja mal gespannt, wie sich die offiziellen Seiten raus reden werden. Inka schreibt ja davon, dass ein Brief an Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit gegangen ist und dass sie selbst auch einen offenen Brief an ihn verfasst hat. Für die Sache wäre es ja schön, wenn man sie jetzt auch politisch ausgetragen würde. Für das Kind hoffe ich es jedoch nicht!

….. als wäre das Leben nicht schon schwer genug....!



Sonntag, 15. Januar 2012

Sonntag. Einfach nur Sonntag!

Ja es ist wieder einmal Sonntag. Doch an diesem Wochenende ist mir überhaupt nicht nach Ausruhen zu mute. Viel zu viel habe ich mir vorgenommen als dass ich auch nur ansatzweise an einen ruhigen und gelassenen Sonntag denken möchte. Immerhin hatte ich ja die letzten Wochen schon Ruhe genug; und viel zu viel gefaulenzt. Zudem bietet sich dieses Wochenende wunderbar an, um zu arbeiten - in Ruhe zu arbeiten! Meine Frau hat für dieses Wochenende die Messestandbetreuung auf der CMT-Messe in Stuttgart übernommen und mir damit die Chance gegeben, auch am Wochenende unentwegt meinen Computer zu bearbeiten. Obwohl, so wirklich unentwegt ist es natürlich wieder ein mal nicht. Das blöde ist, wenn du zuhause arbeiten kannst, wird dir auch gerne all die Hausarbeit aufgebrummt die zu erledigen ist, weil man ja nicht dumm rumsitzen sollte wenn man schon zu Hause ist. Klingt eigentlich genauso logisch wie es unlogisch ist, denn oftmals bedeutet dass für mich, dass ich genauso wenig zum Arbeiten kommen, wie an den Tagen an denen meine Frau auch hier ist. Tja, irgendwie schwebt ihr Geist halt immer irgendwo um mich herum...

Dabei ist das nicht einmal so schlimm. Viel schlimmer ist es doch, wenn man morgens aufwacht, ins Bad geht und in den Spiegel schaut und dann feststellt, dass der ganze Trott wieder von vorne anfängt. Ich weiß ja nicht wie es Euch geht, aber ich empfinde dieses alltägliche Schminken an manchen Tagen als absolut nervig. Aber was wäre wenn ich mich diesem Ritual nicht unterwerfen würde? Mich würde ein dunkler Bartansatz und die dazugehörigen noch immer ersichtlichen männlichen Gesichtszüge den ganzen Tag über erschlagen, würde ich auch nur einen einzigen kleinen Blick in den Spiegel wagen. Genau das habe ich in den letzten Wochen mehrfach versucht; der Versucht keine Männergestalt im Spiegel zu erspähen, über das offensichtliche hinweg zu sehen. Aber es gelingt mir nicht wirklich. Es sorgt eher dafür, dass ich mich innerlich verhärte, was dann irgendwann über ein Überdruckventil schlagartig nach außen getragen wird und für allerbeste Laune (vorsicht Ironie!) sorgt und unter Umständen auch zu trostloser Traurigkeit führt. Also bleibt doch wieder nur der allmorgendliche Griff in die Kosmetiktasche - genau wie an diesem Morgen.

Und nun sitze ich hier, vom Gesicht her gestylt, in gemütlichem Schlabberlook gekleidet, an einem Schreibtisch der nun endlich zur produktiven Arbeit aufruft mit einer Christina die eigentlich so gar keine Lust mehr hat zu arbeiten, da dort draußen die Sonne scheint und dazu einlädt, einen kleinen Sonntagsspaziergang zu machen - alleine dem aufgetragenen MakeUp wäre ich es schuldig. Wenn da nicht noch die aufgetragenen Hausarbeiten wären denen ich meiner Frau zuliebe (und des lieben Friedens willen) nachkommen möchte. Und wenn ich damit fertig bin ist garantiert Nachmittag und ich bin k.o. und weggearbeitet habe ich dann garantiert auch noch nichts. Man kommt eben doch zu nichts wenn man zuhause arbeiten darf, da ändern dann auch morgendliche Rituale nichts an der Situation. Na dann, einen schönen Sonntag noch!