Samstag, 6. August 2011

Got Monsters

Freitag, 5. August 2011

Lernen los zu lassen.

In einem Zimmer im Haus meiner Eltern steht ein großer schwarzer Verstärker-Turm - 2x 200 Watt geballte Röhren-Power die ausreichen würde ein mittleres OpenAir mit Gitarrenklängen zu beschallen ohne dabei auf eine zusätzliche Beschallungstechnik zurückgreifen zu müssen. Der Turm steht dort schon seit einiger Jahren ohne das jemand darauf spielt. Und das nicht nur weil mittlerweile die Röhren nicht mehr so gut klingen und unbedingt ausgewechselt werden müssten, sondern auch weil ich überhaupt keine Lust mehr habe damit Krach zu machen. OK, manches Mal überkommt es mich doch und ich würde die Kiste gerne mal wieder anschmeißen. Doch wozu? Einen Verstärker dieser Art spielt man nicht bei Zimmerlautstärke und schon gar nicht ohne Begleitung. Gut, die passenden Begleitinstrumente stehen auch noch irgendwo im Haus herum: Das Schlagzeug und die große alte Hammond-Orgel im Keller, ein Klavier im Dachgeschoss und diverse Verstärker für Keyboard und Gesang in den ehemaligen Jugendzimmern. Sie stehen allesamt nur noch rum obwohl sie noch voll funktionstüchtig sind, einzig auf dem Klavier und je nach Lust und Laune auf der Hammond spiele ich noch wenn mir danach ist. Und selbst die Gitarren die ich in meiner Wohnung stehen habe werden nur sehr selten und dann auch oft nur lustlos bespielt. Eigentlich ein Jammer wenn man bedenkt wie intensiv meine Geschwister und ich dieses Hobby einst betrieben haben. Und nun? Nur noch Stille und Lustlosigkeit weil keiner von uns mehr die Zeit und die Muße hat sich der Musik zu widmen.

Voriges Jahr kam mein Bruder auf die Idee die Hammond verkaufen zu wollen. Doch als wir dann zusammen im Keller vor dem tollen Instrument standen und es mal wieder anspielten, konnten wir es nicht übers Herz bringen dieses Gerät abzugeben. Und das obwohl es in dem Keller eigentlich komplett deplatziert ist; bei einem Gospelchor oder in einem Konzertsaal oder zumindest in einem großen Wohnzimmer wäre dieses erhabene Instrument sicherlich besser aufgehoben als in diesem kleinen Heizungskeller der einstmals unser Proberaum war.

Mein Gott was haben wir Geld in dieses Hobby gesteckt. Meinen Verstärker kaufte ich mir von der Versicherungssumme die ich ausgezahlt bekam als mir jemand meinen Wagen zu Schrott fuhr. Den dicken Bass-Verstärker meines Bruders finanzierte ich für ihn weil er selbst noch kein Geld verdiente und er ja mit seinem Instrument mit meiner Anlage mithalten musste. Und auch die anderen Instrumente haben wir uns von dem Geld gekauft das wir eigentlich besser als Rücklage für zukünftige Investitionen verwendet hätten. Wenn ich bedenke, das alleine die Hammond von sechs bulligen Möbelpackern in unseren Keller geschleppt wurde weil uns nicht klar war wie groß dieses Ding tatsächlich ist. Eine Bekannte sagte uns nur wir könnten für kleines Geld eine Hammond-Orgel bekommen und wir dachten bei dem Preis natürlich an ein Hammond-Keyboard und willigten ein. Doch was wir bekamen lässt Helmut Zerletts TV-Orgel richtig klein aussehen. Überhaupt meinten wir es müsste immer alles in Bühnenqualität und -größe sein. Aber wir waren ja auch davon überzeugt mit unserer Musik etwas erreichen zu können. Gut, das haben wir (zumindest aus unserer Sicht) dann auch geschafft. Aber dann kam der große Bruch und wir verloren mit einem Mal die Lust an der Musik. Und heute stehen die Errungenschaften dieser Zeit noch immer verloren in längst unbelebten Räumen im Haus unserer Eltern oder verstreut in Kisten und Koffern in unseren Wohnungen. Doch sie zu verkaufen oder anderweitig weg zu geben, schaffen wir einfach nicht.

Dabei ist das alles überhaupt nicht mehr zweckmäßig und selbst wenn wir heute noch Musik machen würden, ich würde mir so einen großen Verstärker nicht mehr kaufen - kleine Amps klingen genauso gut und lassen sich auch bei Zimmerlautstärke spielen, und selbst auf der Bühne werden sie selten lauter gespielt weil ja doch alles nochmals abgenommen und verstärkt wird. 'Los lassen' wäre hier eigentlich die richtige Parole. Doch wie macht man das?

Im letzten Post habe ich im Dialog zwischen Christian und Christina auch den Punkt des 'los lassen' angeschnitten, weil ich mich von den ganzen Trans Themen überfordert fühle. Ich war sogar fast so weit mich von allem abzumelden was ich zu diesem Thema abonniert habe oder beigetreten bin. Facebook ekelte mich sogar besonders stark an weil es einem keine Zeit zum verschnaufen lässt. Immer wieder hat irgend jemand irgend etwas gepostet wovon ich meinte es lesen zu müssen oder einen Kommentar abgeben zu müssen. Es war einfach zu viel. Und je mehr ich mich damit beschäftigt habe stellte ich auch fest, dass vieles von dem was mir dort mitgeteilt wurde nicht nur überflüssig war sondern vielfach auch extrem negativ auf mich einwirkte. Es ist in etwa so als wenn mich dieser ganze Kram nichts mehr angehen würde. Doch als ich dann kurz davor war alles zu beenden, konnte ich es nicht. Es kam die Angst auf, Kontakte und Anschluss zu verlieren die ich mir als Christina in der letzten Zeit aufgebaut hatte. Und das zu Recht, denn Christina hat es nach vielen Jahren endlich geschafft zu sich zu stehen. Und wenn ich eins will, dann ist es das Leben von Christina auch wenn Christian dabei immer eine gravierende Rolle mitspielen wird.

Wenn ich, wie jetzt gerade, beim schreiben meine MP3-Sammlung abspiele, kommt bei mir regelmäßig der Wunsch auf wieder Musik zu machen. Es wäre heute wohl nicht mehr in erster Linie der harte Sound wie damals als Gary Moore oder Eddy van Halen meine großen Vorbilder waren - mich zieht es schon seit längerem mehr zu jazzigen und souligen Rythmen und kräftigem Groove zum jammen..... . Aber dafür brauche ich keinen Bühnenverstärker oder eine Orgel die ein ganzes Zimmer in Anspruch nimmt. Die Vergangenheit spielt einfach keine Rolle mehr, sie ist nur noch eine schöne Erinnerung bei der ich mich darüber freue sie nicht professionell gegangen zu sein.

Und beim Thema Transsexualität ist es ähnlich. Ich muss mit dem Sinnsuchen und Horten von Informationen aufhören sonst reißt es mich nach unten. Die Differenz zwischen der Geschlechtlichkeit von Christian und Christina ist keine Frage mehr des 'Warum' und 'Wie umsetzbar?', sondern es ist eine verstandene Realität geworden: Ich bin wie ich bin. Und ganz wichtig: Ich komme damit klar und es gefällt mir!

Ich glaube es war Svenja die mal geschrieben hat "Trans ist nicht mein Hobby". Wie wahr diese Aussage doch ist!

Es ist zwar nicht so, dass mich die Schicksale anderer unberührt lassen und auch mein Wunsch anderen zu Helfen ist weiterhin sehr stark vorhanden. Doch sehe ich ein großes Problem in meinem etwas anderen Lebenswunsch. Ich gehöre, wenn man den ursprünglichen Sinn zu Grunde legt, nicht zur Gruppe Transsexueller, sondern zu jenen die ursprünglich als Transgender bezeichnet wurden. Natürlich, diese Begriffe sind mittlerweile vereinheitlicht und kaum jemand kennt den ursprünglichen Unterschied noch, was ich einerseits verstehe aber andererseits auch sehr schade finde. Denn es besteht schon ein großer Unterschied zwischen jenen die eine geschlechtsangleichende OP in Erwägung ziehen und jenen die das für sich ausschließen , wie ich es tue. Nicht unbedingt in der Art wie wir leben, sondern eher in Bezug auf die Gesprächsthemen und Zukunftsziele. Für mich spielen GaOP Themen nicht nur keine Rolle, sondern sie nerven mich mittlerweile auch. Nicht das man mich falsch versteht, ich habe große Hochachtung vor all jenen die diesen Weg für sich gehen müssen und ihn auch schaffen umzusetzen. Aber für mich spielt das alles keine Rolle, ich will und muss mich mit dem Thema GaOP nicht auseinander setzen - es ist eben nicht mein Thema. Doch genau dieses Thema ist es, dass in Trans-Foren und Gruppen eine zielgebende Rolle spielt. Und daher werde ich mich zukünftig aus diesen Gruppen ausklinken.

Das ich meinen Verstärker noch nicht verkauft habe liegt sicherlich auch daran, dass ich heute nicht mehr das Geld dafür bekommen würde was ich ursprünglich investiert habe. Und da dieses robusten bühnentaugliche Geräte auch mit zunehmendem Alter eigentlich nicht so schnell kaputt geht (wenn man mal vom Verschleiß der Röhren absieht) könnte ich ihn auch noch spielen wenn ich mich dazu entschließen sollte irgendwann mal einer OldieCover-Band beizutreten - was hoffentlich nie passieren wird!!!!

Ich werde auch meine noch teilweise vorhandene Vergangenheit als Christian nicht vollständig ablegen, denn ohne ihn würde Christina nicht leben. Aber ich werde meine Sinnsuche zur Geschlechtsdifferenz beenden. Vielleicht bin ich nicht einmal richtig Transgender und vielleicht gibt es für das was ich für mich gewählt habe auch keinen eindeutigen Begriff (wenn man mal von sehr fragwürdigen Begriff "Shemale" absieht). Wie schnell und wie stark ich meinen Körper noch verändern werde weiß ich nicht. Mit dem was ich allerdings schon jetzt erreicht habe bin ich sehr zufrieden. Und dieses zwischengeschlechtliche Auftreten gefällt mir mehr als gut. Es unterstreicht meine provokative Persönlichkeit und meine anarchistische Einstellung - ich war schon immer gerne eine Einzelgängerin und möchte es auch bleiben. Von daher sind andere Ziele in meinem Leben wesentlich wichtiger geworden als die Erörterung des Für und Wider von Trans*. Ich habe auch Angst mich früher oder später in Widersprüchen zu verwickeln oder anzuecken, nur weil meine Einstellung zu diesem Thema etwas anders aussieht und ich ein anderes (vielleicht eigenwilligeres) Leben bevorzuge. Man sollte eben nur über das reden, wovon man eine Ahnung hat oder was einen interessiert. Ob der Blog "The-sweet-brain - Dein Kopf muss mit" dabei weiterhin die richtige Plattform sein wird ist mir noch nicht so ganz klar, aber ich denke eher nicht. Es wird eben Zeit los zu lassen...!