Donnerstag, 24. Februar 2011

"Typisch Frau, Typisch Mann?" Studie

Das Demoskopische Institut Allensbach hat die Gesprächskultur in Deutschland 2011 analysiert und veröffentlicht. Sie ist betitelt mit:

Typisch Frau, Typisch Mann? Kommunikationsstile zwischen Klischee und Wirklichkeit
Kommunikationsstile und -welten von Männern und Frauen


Auch wenn diese Studie nicht direkt mit unserem Lebensthema zu tun hat, kann es doch mal interessant sein, was die so meinen herausgefunden zu haben.

Hier der Link zur Website bzw. zur Studie: http://www.gespraechskultur-in-deutschland.de/studie/

Ich bin selbst erst heute morgen darauf gestoßen und hatte bislang auch noch keine Möglichkeit mich damit auseinander zu setzen. Bin mal gespannt wie sich unser Verhalten so unterscheidet!

Montag, 21. Februar 2011

Gefühle und Verstand

Gestern Abend hatte ich die Gelegenheit, mit meinem Bruder über mein erneutes Coming Out zu reden. Er war derjenige, mit dem ich vor Jahren, als ich das erste mal versucht hatte meiner inneren Stimme nachzugeben, am intensivsten über meine Transsexualität reden konnte. Aber auch er war ja mittlerweile davon überzeugt, dass das damals bei mir nur ein kleiner seelischer Ausrutscher war. Von daher war es jetzt naheliegend, ihn mal über die "neue" Situation zu informieren. Vor allem, dass ich mich meiner Frau gegenüber geoutet hatte, sollte er erfahren.

Naja, und als wir gestern für einige Minuten zusammen im Auto saßen, habe ich es dann einfach mal angerissen. Seine Reaktion war überrascht aber nicht geschockt. Er wollte natürlich auch wissen, wie meine Frau es aufgenommen hatte, und so erklärte ich es ihm kurz. Ich wollte gar keine großen Reden schwingen und so kam es, dass unser Gespräch recht normal verlief. Es war einfach so, als ob man sich über allgemeine Neuigkeiten unterhalten hätte.

Allerdings ließ er am Schluss indirekt verlauten, dass er diese Transsexualität nicht für so voll nehme. Seiner Meinung nach wären die eigentlichen Probleme tiefer im psychologischen Lebensumfeld zu suchen.

Ich habe das so hingenommen ohne weiter darauf einzugehen.  Denn solche Reaktionen bin ich ja gewohnt. Es ist eben so, dass die meisten Menschen erst einmal nur ihrem eigenen Gefühl folgen. Und demgemäß ist es schwer für sie Transsexualität zu verstehen. Und wenn ich ehrlich bin, habe ich ja auch extreme Schwierigkeiten damit gehabt die Diagnose Transsexualität einfach so anzunehmen - weil ich sie auch nicht rationell erklären konnte.

Natürlich gibt es heute einige Beweise für dieses Phänomen. Aber durch diese ganze Verwässerung durch die Medien und sogar durch die Medizin selbst, ist es schwer diese Geschlechtsproblematik vernünftig zu erklären. Alles was wir haben ist unser Gefühl und ein paar Versuche der logischen und fachlichen Darstellung.

Aber mal an die eigene Nase gepackt: Wer von Euch folgt nicht in erster Linie seinem Gefühl?

Ich lasse natürlich in erster Linie medizinische und psychologische Erklärungen zur Transsexualität zu, die am stärksten meinem eigenen Gefühl gleich kommen. Andere Erklärungen passen einfach nicht und werden von mir daher eher unbeachtet gelassen - ja sogar vehement bestritten.

Und so werden wohl die meisten Menschen ebenfalls in erster Linie ihrem Gefühl folgen. Und dabei werden sie merken, dass sie selber Transsexualität nicht fühlen können, weil sie nicht davon betroffen sind. Somit bleibt nur die Möglichkeit, Transsexualität rein logisch, rationell zu verstehen. Doch genau das ist sehr schwierig. Der Mensch ist eben ein Gefühlswesen! Die rationelle Sichtweise muss man erst einmal zulassen. Das Gefühl ist hingegen immer präsent.

Ich bin meinem Bruder überhaupt nicht böse, dass obwohl wir beide schon viel über dieses Thema geredet haben, er solch eine rein rationelle Lösung als wahrscheinlicher ansieht. Ich werde auch bestimmt kein Streitgespräch mit ihm führen, sondern einfach mein Leben so leben wie es mir richtig erscheint und nur dann das Thema erklären, wenn danach gefragt wird. Ich denke, dass ist einer der wichtigsten Punkte in der Anerkennungsfrager unserer Transsexualität.

Donnerstag, 17. Februar 2011

Dazwischen gebloggt! Zum Artikel im Zeit-Magazin.

Eigentlich hatte ich überhaupt nicht vor so schnell wieder etwas zu schreiben. Zu viel geht mir durch den Kopf und nicht alles ist PROTrans - oder anders gesagt, meiner Ansicht nach knirscht es in der Szene irgendwo im Gebälk. Ich bin mir nicht so ganz sicher, ob es momentan der richtige Weg ist wie wir uns selbst betrachten bzw. wie wir meinen für Anerkennung kämpfen zu müssen. Da das ganze aber wie schon gesagt erst noch in meinem Kopf herum schwirrt, kann und will ich jetzt noch nicht zu viel an Worten darüber verlieren.

So und genau in dieser nachdenklichen Phase fällt mir heute durch Zufall das Zeit-Magazin in die Hände, auf dem Titelbild ein Mädel das irgendwie leicht männliche Züge aufweist. Darunter der Titel "Sie ist ein Model". Dann blättere ich neugierig die erste Seite um und stelle fest, das Mädel ist ein Kerl. Das Zeit-Magazin hat eine Fotostrecke mit Andrej Pejic einem australischen Männer- und Frauenmodel produziert und mich dabei beim ersten Durchblättern in Verzückung versetzt. Und das ganze wurde dann im Leitartikel gleich mal mit "DAS LEBENSGEFÜHL" betitelt.

Es ist eigentlich nicht mein Ding für Zeitungen oder sonstige kommerzielle Dinge zu werben, doch ich denke, dass es durchaus interessant für die eine oder andere sein könnte, sich diese Zeitung mal näher anzusehen. Kim hat auf www.mut23.de auch schon etwas dazu geschrieben. Und ich habe irgendwie den unterschwelligen Eindruck, als könnte diese Ausgabe des Magazins eine kleine Diskussionswelle auslösen.

So heißt es u.a.:

"...die Auflösung der Grenzen zwischen den Geschlechtern."

"Menschen die sich zwischen den Geschlechtern bewegen, sind die neuen Stars der Mode."

"... Mode schafft nichts aus sich selbst heraus, sondern spiegelt die Gesellschaft wieder."

"Bei vielen Stücken kann man nicht mehr zwischen Männer- und Frauenmode unterscheiden. Sie sind Unisex. Endlich. Denn dass die Mode bislang nach Geschlechtern aufgeteilt war, hat sie deutlich eingeschrenkt."

Und als Subline fungierte: "Wann ist ein Mann ein Mann? Die Mode verteilt die Rollen neu."

Jetzt gibt es ja zwei, nein genau genommen drei Möglichkeiten diesem Titelthema zu begegnen:
  1. Ignorieren - meiner Meinung nach eine gänzlich falsche Entscheidung; zumindest wenn man sich mit dem Thema grundsätzlich schon auseinander setzen muss - z.B. als Transgender jeglicher Gruppierungen.
  2. Man kann sich darüber ärgern, dass noch immer alles in schwarz-weiß dargestellt wird; eben dieses klassische Mann und Frau Bild.
  3. Oder man kann sich zumindest schon einmal darüber freuen, dass so eine, für viele Ältere recht kuriose Berichterstattung in einem konservativem Mainsteam-Umfeld veröffentlicht wird.
Ich stehe für Möglichkeit drei ein. Denn ich glaube nicht, dass wir es schaffen werden, ein überliefertes Gedankengut wie die klassische Männlich-Weiblich Thematik in den Menschen zu ändern. Die Klassifizierung kann und wird nur durch Aussterben der alten Ansichten oder aber durch allmähliche Bagatellisierung des individuellen Verhaltens eine deutliche Verbesserung bekommen können.

Und mit Bagatellisierung des Verhaltens meine ich nicht die Förderung von Dragqueens oder sonstigen Öffentlichkeitssüchtigen (Diese Typen habe ich sowieso noch nie verstanden!), sondern das ungekünzelte Umkehren vorhandener Standards. Nichts ist NORMALER als die NORMALITÄT. Ich habe ja schon letztens in Stil und Klischees darüber geschrieben. Und diese leicht verwirrende Fotostrecke im Zeit-Magazin hat so was gänzlich Normales, dass einem der geschlechtliche Unterschied gar nicht auffallen mag.

Abgesehen davon finde ich, dass der irgendwie etwas süßes an sich hat - zumindest so lange er sich weiblich gibt ;-) ! Aber naja, die Geschmäcker eben....

Sonntag, 13. Februar 2011

Ich bin ein Mensch!

Auch ich bin ein Mensch,
auch ich hab' Gefühle.
Genau so wie Ihr.
Ich weiß was ich fühle.

Doch ich fall' aus der Norm,
habe andere Gedanken.
Ihr versteht sie nicht,
zählt mich zu den Kranken.

Doch das bin ich nicht,
fühl' nur anders als Ihr.
Aber das zählt für Euch nicht,
denn ich bin nicht wie Ihr.

Ihr könnt es nicht sehen
und was Ihr seht ist abstrakt.
Ihr glaubt nur an Euch selbst,
alles Fremde lehnt Ihr ab.

Da ist keine Einsicht.
Nicht mal ein Bemühen.
Kranke kann man heilen
und was fremd ist soll Verachtung spüren.

Natürlich sagt Ihr:
"Keiner soll böses über Euch denken!"
Ihr seid ja die Gönner
und wir die Verklemmten.

Daher lasst Ihr uns auch
herum stolzieren.
Zum Gespött für die andern.
Und um Euch mit Edelmut zu zieren.

Doch in Wirklichkeit
sind wir Euch nur eine Last.
Eine kleine Gruppe,
viel zu schräg und unangepasst.

Wenn Ihr uns nicht zwingt
in Eure überlieferten Gesetze,
habt Ihr Angst um Euch selbst
und die moralischen Schätze.

Und so stehe ich jetzt hier
nakt und gehemmt.
Habe Angst vor dem Leben
dass man mir nicht gönnt.

Stell mich selbst auf eine Stufe
mit geistigen Deppen,
um Anerkennung bettelnd,
nur um meine Seele zu retten.

Doch bin ich nur ein Mensch
mit wahrhaften Gefühlen.
Doch das seht Ihr nicht,
Ihr könnt es ja nicht fühlen.

Was macht Ihr blos
wenn wir doch stärker sind als Ihr denkt?
Wenn wir Euch zeigen,
wie viel Vielseitigkeit das Leben schenkt.

Habt Ihr Angst das wir siegen?
Habt Ihr Angst um Eure Macht?
Habt Ihr Angst davor,
was der Mensch aus dem Menschen macht?

Dann erlebt Ihr genau das,
was wir täglich erfahren:
Ein Leben zu leben
ohne wirklich die Anerkennung dafür zu haben!

Auch ich bin ein Mensch,
auch ich hab' Gefühle.
Genau so wie Ihr,
darum akzeptiert was ich fühle!

Hoffnungsvolles und nachdenkliches
von 
Christina

Samstag, 12. Februar 2011

Stil und Klischees


Diana hat vor einiger Zeit mal über Klischees geschrieben und irgendwie hat mich das Thema heute Morgen in seinen Bann gerissen. Es hat ja auch so etwas philosophisches – man kann Pro und Kontra gegenüber stellen und kommt doch zu keinem eindeutigen Ergebnis.

Ich habe in meinen Anfangstagen zum Beispiel nur Kleider, halb transparente Strumpfhosen und Pumps tragen wollen; mein Idealbild zur damaligen Zeit. Hosen, flache Schuhe, oder einfache Blusen gingen gar nicht, Socken waren tabu.

Heute trage ich in erster Linie Jeans, Blusen, flache sportliche Schuhe und sportliche Jacken. Und auch Socken kommen noch weit vor Strumpfhosen (im Winter trage ich eher Leggins). Kleider sind bei mir ganz out und Röcke trage ich nur ab und zu und dann auch nur wenn mir danach ist – z.B. wenn ich es mir zu Hause ganz gemütlich mache.

Mein Weiblichkeitsempfinden bleibt von alle dem nahezu unbeeinflusst. Trotzdem bewundere ich in meinen abonnierten Modeblogs vielfach die Kleider und Röcke und Pumps und Strumpfhosen etc. weil ich sie einfach toll finde. Wenn ich mir im Zusammenhang mit meinem Hobby der Schneiderei Skizzen anfertige, dann sind diese meistens mit Röcken versehen. Für mich sind diese Kleidungsstücke einfach der Inbegriff der Weiblichkeit. Auch kann ich stundenlang mit meiner Frau vor den kilometerlangen Kosmetikregalen verbringen und mit ihr jedes einzelne Produkt durchexerzieren, ohne selbst den Drang zu verspüren mich mit all den Produkten einzudecken. Mein eigenes Sammelsurium passt in eine kleine Kosmetiktasche (wenn auch bis zum Bersten gefüllt). Und ich verwende gerade mal eine einfache Abdeckcreme um meinen Bartschatten einigermaßen zu verdecken.

Bin ich nun ein Klischeemuffel oder ist es mein Stil geworden?

Klischeemuffel ist relativ. Denn es ist eine große Überwindung sich weiblich geschminkt nach draußen zu begeben und doch klar als Mann erkennbar zu sein. Ich begegne daher meinem gegenüber mit absoluter Arroganz. Was soll ich auch machen? Entweder ich lasse es zu, dass mich die Blicke der verwundert und manchmal auch entsetzt schauenden Umwelt zerfleischen oder aber ich gehe mit einer „Leck mich am Arsch“ Einstellung durch die Welt. Letzteres entspricht eher meiner Natur. Natürlich laufe ich dabei Gefahr einem Klischee zu Opfer zu fallen (dem der Transe) aber mein Gott, ich bin ja auch eine. Zwar kann ich dafür nichts, aber ich muss wohl auch vorerst damit leben. Und wenn ich für die Rechte und Anerkennung transsexueller Menschen einstehen will, wäre es doch eigentlich Kontraproduktiv wenn ich genau diesen Teil meiner Selbst verleugnen würde, oder?

Geht doch mal durch die Stadt, setzt Euch vielleicht in ein Straßenkaffee und begutachtet ganz bewusst die vorbei laufenden Menschen. Meiner Auffassung nach kommen die Personen mit den meisten Verhaltensängsten aus den Reihen der Frauen. Komisch oder? Dabei sind doch gerade aus unserer transsexuellen Sichtweise die Frauen jene Gattung, die den größten Spielraum für ein modisches und individuelles Auftreten haben. Die Akzeptanz ist doch eigentlich in der Frauenmode am höchsten! Warum dann also Verhaltensängste?

Ich denke es hängt damit zusammen, dass aufgrund des großen Spielraums auch der Klischeedruck zu nimmt. Eine Frau die revolutionär einen auffälligen Modestil aufträgt und dies mit absoluter Überzeugung tut, wird keine Probleme haben damit akzeptiert vielleicht auch sogar hofiert zu werden – egal wie ausgefallen ihr Stil auch sein sollte. Sicherlich lässt sich auch dieser Frau ein Klischee zuweisen. Aber wenn Sie ihren Stil mit Überzeugung aufträgt, wird das Urteil über sie weniger Negativ ausfallen als bei einer Frau, die die gleiche Kleidung trägt um einem Stil gerecht zu werden. Aber genau das ist der Druck der auf den meisten Frauen (vor allen wenn sie noch jünger sind) lastet: Sie tragen oft nicht ihren eigenen Stil nach außen, sondern wollen einen Klischee gerecht werden.

Vor einigen Wochen war die Berlin-Fashin-Week. Das Magazin Vogue hatte in diesem Zusammenhang ein Video publiziert, in dem Interviews mit diversen Besuchern über ihre getragene Kleidung geführt wurden. Man könnte jetzt denken, dass die allermeisten nur absolute Top Marken bzw. nur angesagte Designerkleidung getragen hätten. Aber dem war nicht so. Immer wieder fanden sich auch Frauen dazwischen, die ohne mit der Wimper zu zucken zugaben, dass das eine oder andere Teil von H&M und anderen Massenmarken war. Und das schöne war, es sah in dem gesamten Kontext alles andere als nach H&M aus.

Es lässt sich also auch Stangenware in Designerumgebungen tragen. Nur mal ganz ehrlich: Wer hat den Mut dazu?

Der Drill fängt ja schon in der Schule an – nicht nur bei Mädels. Bei Jungs wird es nur mit der Zeit einfacher, da das Klischee-Angebot recht schmalspurig ist und auch immer schmalspuriger wird, je älter man wird. Bei Frauen ist das ganz anders. Hier besteht ja schon fast ein Geltungszwang. Und wehe Du wirst dem falschen Klischee zugeordnet! Der Druck nimm mit zunehmendem Alter immer mehr zu.

So und wir, die wir ja sowieso schon mit unserem Ego zu kämpfen haben, weil wir uns anders empfinden wie wir sind, müssen uns jetzt auch noch mit dem passenden Klischee auseinander setzen, nur um allen gerecht zu werden. Scheiß System, was!

Aber irgendwie wollen wir es ja auch. Wir fühlen ja nicht nur als Frau, wir wollen ja auch Frau sein. Wobei die Betonung ganz Bewusst auf WOLLEN liegt. Gut, da stoßen wir dann wieder an die möglichen Akzeptanzgrenzen manch eines Psychologen oder Gutachters: Will ER jetzt nur so sein oder ist SIE so? Tja, das sind dann die „Geister die ich rief“ und die allgegenwertige Frage: Ist es mein Stil oder folge ich einem Klischee?

Mein persönlicher Ansporn sieht daher eher so aus:
Sei wie Du Dich fühlst und gib Dich wie Du wirklich bist. Sei ehrlich zu Dir selbst und erkenne Deine Schwächen an. Selbstverleugnung wird niemals dazu beitragen Dein Ego zu stärken. Und Schauspielerei endet auf Dauer in einer echten Lebens-Katastrophe – das haben wir ja alle (TS) schon mal mitgemacht. Aber das kontinuierliche aufarbeiten der selbst anerkannten Schwächen hilft das Ego zu stärken und seinen wahren Stil (im gewissen Sinne einen Teil der eigenen Persönlichkeit) herauszustellen. Es heißt ja so schön: Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Und Schönheit benötigt auch immer eine erkennbare Harmonie, ein inneres Gleichgewicht – sonst bröckelt das Bild ganz schnell und fällt als Trugbild in sich zusammen.

Übrigens, schaut Euch mal diverse Modeblogs an. Bei vielen Sachen packe ich mir an den Kopf, aber anscheinende gibt es Leute die so etwas tragen und auch mögen. Ich würde viele Sachen von den gezeigten niemals tragen – aber Geschmäcker sind ja bekanntlich Vielseitig!

Ich habe mich übrigens letztens dabei erwischt, wie ich mir die sportlichen Männerklamotten in einem Modehaus Newsletter angesehen habe. Nicht weil ich mich jetzt doch eher männlich sehe, sondern weil ich der Meinung bin, dass das eine oder andere Teil auch bei Frauen ganz toll aussehen könnte. Es ist halt alles eine Frage des eigenen Stils.

Und wenn mich dann doch mal jemand auf meinen „unweiblichen“ Stil anspricht, beruhige ich mich mit dem Gedanken:

Was kümmert es den Mond, wenn ihn ein Hund anbellt!“

Von Mann zu Frau zu Mann zu Frau zu...


Christina: Mein lieber Christian, ich frage mich schon seit geraumer Zeit wie es mit uns weiter gehen soll?
Christian: Wie weiter gehen soll? Wir sind doch Eins. Wir haben einen Körper, teilen uns alle Organe, für uns schlägt ein Herz und selbst unser Gehirn arbeitet für uns beide zusammen. Willst Du jetzt eine Revolution gegen mich veranstalten, oder was?
Christina: Ach Christian warum machst Du es uns nur immer so schwer? Was meinst du denn wie lange das mit uns beiden noch gut geht? Ich verlange ja nicht das Du von heute auf morgen gehst. Aber ein wenig mehr Anerkennung erwarte ich schon von Dir!
Christian: WAS? Du willst also dass ich gehe? Na das ist ja eine dankbare Einstellung. Ein Leben lang habe ich Dich in Deinem Versteck durch alle nur möglichen Situationen mitgeschleift, habe auf Dich wie ein Schießhund aufgepasst, dass Dich auch ja niemand entdeckt. Habe Probleme und Fehler auf mich genommen die teilweise überhaupt erst nur durch Deine Anwesenheit entstanden sind. Ja ich habe mich sogar für geistig verrückt ansehen lassen nur damit man uns in Ruhe lässt. Und jetzt willst Du mich einfach so abschieben?
Christina: Ja ich weiß, ohne Dich hätte ich niemals eine Chance bekommen. Aber ich muss das auch realistisch sehen, denn ohne Dich wäre ich von Anfang an frei. Du kannst da ja auch nichts dafür, aber...
Christian: Aber, aber, aber. Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen oder was. Mensch Christina schau Dich doch mal an. Du bist doch kein richtiges Mädel. Du trägst lieber Hosen als Röcke, schminkst Dich nur dezent so dass Du auch fast schon als tuntiger Mann durch kommen würdest. Und Deine illegale Frisur erst. Du traust Dich ja nicht einmal zum Friseur um Dir eine richtige Frauenfrisur machen zu lassen. Und Du meist wirklich mit dieser Art hättest Du eine Existenzberechtigung? Wach erst mal auf Süße!
Christina: Das ist gemein von Dir so negativ über mich zu sprechen. Du weißt genau, dass ich das alles nur mache um Dir die Möglichkeit zu geben, langsam los zu lassen ohne Dich zu blamieren. Ja gut, mir fehlt oft der Mut mich richtig als Frau zu geben. Aber daran trägst Du auch eine große Schuld. Ich kann nur über einen Schatten springen, nicht über zwei. Solange Du nicht dabei mitmachst bzw. Dich gegen meine Art wehrst, werde ich es nie schaffen mich richtig als Frau zu integrieren.
Christian: Blamieren, das ist ja genau das richtige Stichwort! Du willst mich nicht blamieren, dabei tust Du es schon seit dem wir Kinder waren. Wenn es überhaupt etwas gibt was mich blamiert hat, dann warst Du das mit Deinem blödsinnigen Verhalten. Und jetzt soll ich das auch noch weiter Akzeptieren, nur weil Du meinst das wir damit glücklich werden können. Das wird nicht klappen, Christina!
Christina: Was willst Du jetzt damit sagen?
Christian: Ach gar nichts.
Christina: Nein, bitte sag mir jetzt was Du damit zu Ausdruck bringen willst!
Christian: Versteh mich bitte nicht falsch, ich liebe Dich Christina. Ein großer Teil von mir ist auch ein Teil von Dir und anders herum. Aber für zwei ist hier auf Dauer kein Platz mehr!
Christina: Doch das verstehe ich, Christian. Genau das wollte ich Dir ja eigentlich auch sagen. Es passt einfach nicht mehr. Es ist nicht so, dass ich es nicht verstehe wenn Du Deine Ansprüche weiterhin gelten machen möchtest. Aber ich glaube, dass uns das nicht weiter bringen wird sondern im Gegenteil, wenn Du Dich nicht zurück ziehst könnte es mit uns beiden böse enden. Ich brauche eine ganz eigene Entfaltungsmöglichkeit um unser Leben unter Kontrolle zu bekommen. Deine extremen männlichen Einflüsse sind dabei ein großes Hindernis.
Christian: Du meinst also das es besser wäre wenn einer von uns geht?
Christina: Nein, nicht Einer, Christian. Du musst gehen!
Christian: Und wieso gerade ich? Wieso gehst Du nicht einfach und lässt mir endlich mein Leben?!
Christina: Du hast es doch vorhin schon richtig gesagt: Ich bin der Grund für Deine Krisen und Probleme, seit Kinderbeinen an. Uns ist doch beiden mittlerweile klar, dass meine weiblichen Eigenschaften einen wesentlich tiefgreifenderen Einfluss auf uns haben, als Deine männlichen. Es ist sogar noch viel schlimmer, Du versuchst mit Deinen männlichen Eigenschaften unseren Kopf in die Enge zu zwingen um Zweifel an meiner Rechtmäßigkeit zu schüren. Meinst Du wirklich, dass Du uns damit weiter bringst? Glaubst Du wirklich, dass wir uns besser fühlen, wenn ich mich zurück ziehe?
Christian: Wieso sprichst Du jetzt bei Dir nur von zurückziehen, verlangst aber von mir ich solle gehen?
Christina: Nein, entschuldige bitte. Ich habe mich da vorhin falsch ausgedrückt. Ich denke es wird nicht möglich sein, dass einer von uns geht. Denn wir sind beide eins und wir sind beide in diesem Körper vereint. Es wird wohl nicht möglich sein, dass jemand von uns gänzlich verschwindet. Aber es muss sich einer von uns zurück nehmen. Und dieser eine wirst Du wohl sein müssen!
Christian: Aber Du könntest Dich doch endlich auch mal zurück nehmen und mich leben lassen. Hast Dich ja schon genug in alles eingemischt.
Christina: Und was hat es gebracht? Du bist daran fast verzweifelt. Hast sogar angefangen uns beide aufzugeben. Meinst Du wirklich, dass das der richtige Weg wäre? Außerdem sind Mädchen schon genetisch überlebensfähiger als Jungen. ;-)
Christian: Jaja, mach Dich nur lustig über mich. Zum Glück sprechen die körperlichen Veranlagungen ja auch noch ein Wörtchen mit, bei der ganzen Sache. Oder willst Du die auch noch in die Flucht schlagen? Hast ja auch schon angefangen mich als Idioten hin zu stellen in dem Du uns Brüste wachsen gelassen hast und meine Testosterone unterdrückst mit deinen Östrogenen.
Christina: Na komm schon alter Knurrkopf, jetzt sein nicht so eingeschnappt. Du siehst doch selber, dass es keine Argumente dagegen gibt. Wir müssen uns schon einig werden.
Christian: Und Du meinst, dass es uns dann besser gehen wird?
Christina: Ich meine gar nichts. Ich zähle nur eins und eins zusammen. Und das Ergebnis entspricht auch dem was ich fühle, und was Du auch fühlst, wenn Du mal ehrlich zu Dir selbst bist.
Christian: Ja, Du wirst vermutlich recht haben. Aber es ist für mich auch nicht so einfach auf einmal alle Zügel los zu lassen. Bislang habe ich die ganze Verantwortung getragen. Und jetzt soll ich mich auf einmal aus allem raus halten. Das ist gar nicht so leicht.
Christina: Das glaube ich Dir. Aber ich denke, dass ich auch weiterhin noch Deine Hilfe und Deinen Rat brauchen werde. Du wirst also nicht in den Ruhestand entlassen ;-). Immerhin hast Du wesentlich mehr Lebenserfahrung als ich und das kann uns beiden nur zugute kommen. Und wie gesagt, ein Teil von Dir ist auch ein Teil von mir. Das macht unsere Persönlichkeit aus!
Christian: Oh Fräulein, ich hoffe, dass das mal alles gut gehen wird. Denk bitte daran, dass Du die Verantwortung für uns beide jetzt übernimmst!
Christina: Ich bin mir der Verantwortung bewusst. Sei aber auch bitte nicht böse wenn es mal alles nicht so reibungslos klappt wie wir uns das vorgestellt haben. Ich muss mich ja auch erst so richtig in diese Situation rein leben.
Christian: Meinst Du, Du schaffst das?
Christina:: Ich denke Du solltest mir mal vertrauen!

Anmerkung der Redaktion:
Ich bin zufällig Zeuge dieses Gesprächs geworden und habe die Gelegenheit genutzt, wenigstens einen Teil dieser sehr lange Diskussion mit zuschreiben. Interne Quellen reden davon, dass diese Auseinandersetzung bereits seit vielen Jahren geführt wird. Genauere Angaben hierzu gab es von offizieller Stelle jedoch nicht.

Dienstag, 8. Februar 2011

Giftige Mischung

Ich glaube, ich habe noch nie so viele Tränen innerhalb eines guten Montss vergossen, wie in den letzten Wochen. Angefangen beim Neujahrsbesuch im Kino, fortgeführt beim Coming Out gegenüber meiner Frau und an weiteren Tagen nach diesem einschneidenden Ereignis. Und ganz aktuell gestern.

Manchmal hatte ich schon angst depressiv zu werden weil mir alles über den Kopf wachsen könnte. Doch da war immer auch dieser Hoffnungsschimmer den ich ganz stark fühlte und der mir zeigte, dass ich selbst erst einiges verarbeiten muss. Genauso wie meine Frau alles erst einmal verarbeiten muss. Das braucht Zeit und dafür braucht man auch Ruhe. Das Gehirn verarbeitet ja alles im Unterbewusstsein, in den Momenten, in denen es nicht von äußerlichen Einflüssen vereinnahmt wird: also z.B. in der Nacht beim Schlafen.

Es war daher nur gut, dass ich mir die letzten zwei Wochen eine Auszeit genommen habe. Das Wetter hat ja ebenfalls seinen Teil dazu beigetragen. Also konnte die Gärtnerin die Zeit für sich nutzen und etwas in sich selber gehen. Nach all dem seelischen Stress war das echt notwendig geworden. Außerdem brauchten meine Frau und ich auch die Zeit um uns gemeinsam zu finden. Trotz vieler Tränen waren es wunderbare zwei Wochen. Und ich denke, ein wichtiger Höhepunkt war gestern:

Ich hatte zum Wochenende eigentlich keinen so tiefen Schlaf. Vermutlich lag es am Wetter. Seit dem ich weniger männliche Hormone und mehr weibliche besitze, bin ich wesentlich Wetterfühliger. Und da es ja doch wieder um einiges wärmer geworden ist, brachte mich dieser Umschwung wohl um meinen Schlaf.

Am Sonntag lag ich als schon um sechs wieder wach im Bett, neben mir meine Frau noch immer tief im Schlaf versunken. Es sollte eigentlich ein gemütlicher und verschmuster Morgen werden, da ich schon am nächsten Tag wieder in Richtung Ruhrgebiet fahren sollte um meiner Arbeit nachzugehen (bei schönem Wetter denken die meisten gleich an Sommer und wollen das man sofort den Garten auf Vordermann bringt, auch wenn es erst Anfang Februar ist und somit noch Winter). Doch ich fühlte mich so gar nicht nach Schmusen. Mir ging viel zu viel im Kopf rum. Das merkte dann auch meine Frau und fragte mich noch halb verschlafen, warum ich schon wach sei. Ich versuchte es ihr zu erklären, doch meine Gemütslage war nicht gerade auf verständliche Erklärungen eingestellt und somit verschmolzen meine Erklärungsversuche mit bitteren Tränen der Hilflosigkeit.

Einige Tage zuvor hatte ich mich seit langer langer Zeit mal wieder mit Religion auseinander gesetzt. Grund war ein Forenbeitrag, der nicht nur mich sondern auch Andere sehr verletzt hat. Ich hatte eine stink Wut im Bauch wie man in einem christlichen Forum Menschen beleidigen kann weil sie so sind wie wir: Transsexuell. Es fiel mir nicht schwer in kürzester Zeit all mein Bibelwissen zu bündeln um sie diesen Unmenschen entgegen zu bringen. Und so wie die erste Reaktion zeigte, wurden meine Argumente auch von anderen aufgenommen. Doch so richtig zufrieden war ich noch nicht. Wieso sind gerade in Religionen die meisten Extremisten zu finden? Wieso sind so viele Gläubige gegen Menschen die anders sind? Toleranz und Nächstenliebe sind doch Hauptbestandteile der allermeisten Glaubensansichten - doch in den wenigsten Religionsorganisationen werden diese Tugenden gepflegt.

Ich habe das am eigenen Leib mitgemacht. Meine gesamte Familie waren Zeugen Jehovas. Ich habe diese Glaubensansichten quasi mit der Muttermilch aufgenommen. Und es hat mein Leben sehr beeinflusst. Bislang dachte ich immer, es wäre gar nicht so schlimm gewesen als Zeuge herangewachsen zu sein. Ich habe schon als Kind gelernt vor Menschen zu reden, musste schon als Schüler regelmäßig kleine biblische Vorträge (5min Länge) ausarbeiten und vortragen und  habe intensiv die Bibel gelesen und studiert und kennen mich heute mehr als viele andere Menschen mit diesem Thema aus. Vom Prinzip ist daran nichts schlechtes zu finden denn ich empfand das alles nicht schlimmer als Schule. Freizeit hatte ich bis auf einige Stunden in der Woche genau so wie alle anderen. Gut Geburtstage gab es nicht. Auch nicht Weihnachten, Ostern, Karneval/Fasching und was weiß ich was es noch alles gibt. Aber was man nicht kennt, vermisst man nicht - oder nicht so sehr.
Ich bin allerdings sehr früh schon über die Moralgesetze dieser Organisation gestolpert. Eigentlich sind die Moralvorgaben ganz normale biblische Vorgaben, sollten also Theoretisch von jedem bibeltreuen Menschen so angewendet werden. Wenn man aber als junger Erwachsener von 19, 20 Jahren vor ein Komitee (internes Gericht aus einigen Gemeindevorstehern) gerufen wird, weil man Sex hatte (was dummerweise raus gekommen ist), dann grenzt das schon an eine Entwürdigung. Aber das war einem dickköpfigen Mann wie mir damals ziemlich egal. Klar tat es weh, aber indirekt konnten die mich alle Mal, denn ich hatte mein eigenes Gewissen und nicht das von ihnen.

Doch mit der Zeit stieß ich immer wieder an die logischen Grenzen dieser Religionsgemeinschaft. Ein Punkt war meine Transsexualität. Gut, direkt gegen Transsexuelle haben die zu meiner aktiven Zeit nicht so sehr geredet, da das Thema in diesen Kreisen noch nicht so offen aufgetreten ist. Aber gegen Homosexualität hatte man dafür so einiges; das hat sich auch bis heute nicht geändert. Ich habe alleine seit dem Jahr 2000 eine Menge Zeugen Jehovas direkt und indirekt kennen gelernt, die schwul oder lesbisch waren. Und auch öffentliche Bekenntnisse zu dieser Orientierung gab es mitsamt den dazugehörigen Ächtungen und Rausschmisse. Und Transsexualität wird ja auch gerne mit Homosexualität gleich gesetzt, was ja bekanntlich eine schwere Sünde ist.

Das war die Zeit in der ich anfing, den gesamten Religionskram zu prüfen. Ich setzte mich mit vielen der großen Religionen auseinander mit dem Ergebnis, dass ich heute eine Gegnerin jeglicher Religion bin. Allerdings darf man hier jetzt nicht Glauben und Religion in einen Topf werfen, denn ich bin davon überzeugt, dass der Glaube Lebensnotwendig und gut ist. Religionen sind für mich hingegen einzig und allein menschliche Versuche Machtzentren zu manifestieren um sich über Andere zu stellen. Wenn es Teufelszeug gibt, dann sind es Religionen!

So und was war jetzt meine tränenreiche Erkenntniss, quasi meine giftige Mischung?

Als kleiner Junge wurde mir schon sehr früh von allen Seiten der Familie gesagt: "Du wirst in diesem System nicht mehr zur Schule gehen müssen!". Hintergrund ist die Tatsache, dass Zeugen Jehovas eine Endzeitreligion sind. Sie glauben an einen Eingriff Gottes in dieses "satanische" Weltsystem um diese Welt (das irdische Weltsystem: Länder, Staaten, Politik, falsche Religionen, etc.) zu vernichten und im Anschluss die Erde unter eine göttliche Herrschaft zu stellen (Theokratie) - bei den Zeugen "das Paradies auf Erden" genannt. Wobei "Paradies" auch genau so in seiner utopischen Form verstanden wird. Meine Familie wollte damit zum Ausdruck bringen, Du brauchst dich nicht um deine Zukunft zu sorgen, bald kommt Gott und wir leben alle Zusammen in einem friede-freude-eierkuchen Paradies in dem es keine Ungerechtigkeit, keine Krankheiten und keinen Tod mehr geben wird. Tolle Hoffnung, oder!?!
Dann kam ich aber doch in die Schule. Und da Gottes Wege ja unergründbar sind, gab es dafür natürlich eine passende Ausrede. "Aber in die höhere Schule musst Du höchstwahrscheinlich nicht mehr und ins Berufsleben sowieso nicht...". Tolle Verarschung was.

Doch was sich jetzt selten bescheuert und absolut zum kaputt lachen anhört, ist für einen kleinen Jungen, der sich als Mädchen fühlt eine absolut giftige Mischung. Denn solche absurden Ansichten lassen das Kind denken: "Ich bin Pervers oder zumindest Abnormal/Krank. Doch bald kommt das Paradies und es wird alles in Ordnung sein!"

Doch Sex zu haben ohne verheiratet zu sein war eine Sache. Aber als Junge/Mann eine Frau "sein zu wollen" und so zu leben, ist eine ganz andere Sache. Jede von uns kennt ja dieses grundsätzliche gesellschaftliche Problem aus eigener Erfahrung. Gepaart mit religiösen Verurteilungen und absurden Prophezeiungen, eingebläut bereits in Kindesalter,  hat solch eine Lehre einen verheerenden Einfluss auf ein ganzes Leben.

Ich habe mich immer gefragt, warum ich damals bei meiner Therapie doch wieder abgesprungen bin und versucht habe den Mann zu stehen? Was wäre  gewesen wenn ich nicht so erzogen worden wäre? Hätte ich dann schon viel früher meinem wahren Leben die Möglichkeit zur Entfaltung gegeben? Sicherlich, es ist müßig sich heute darüber den Kopf zu zerbrechen, denn so wie es gelaufen ist ist es nun mal auch gelaufen. Aber gestern Morgen hat es bei mir Klick gemacht. Ich habe seit Anbeginn mein wahres ICH nicht zugelassen, da eine "perfekte" Hilfe, ein Heilsversprechen für alle Probleme in meinem Kopf, versprochen worden war. Dabei war das Thema Transsexualität nicht das Einzige, dass in mir so beeinflusst wurde: ich habe mir nie viel Mühe gegeben in der Schule da ich ja sowieso nie arbeiten müsste. Ich habe mich nie intensiv um meine berufliche Situation gekümmert da der Beruf bei solch einer Perspektive eh egal ist. Altersvorsorge war mit dieser Hoffnung sowieso überflüssig. Und und und......

Ich kann von Glück sagen, dass ich doch einiges hin bekommen habe - intuitiv und mit dickem widerspenstigem Kopf. Vieles jedoch auch erst in den letzten sieben Jahren seit dem ich meine Frau kenne. Sie war als Katholikin der "Stein des Anstoßes" dafür, dass ein Großteil meiner Familie ihren Glauben überprüften und sich aus dieser Religion zurückgezogen haben, ja sogar Gegner geworden sind.

Doch mir wurde an diesem Sonnat morgen bewusst, dass ich durch diesen Irrglauben einen bislang größten Teil meines Lebens versaubeutelt habe. Und das tut weh, sehr weh! Rein intuitiv habe ich mich schon sehr früh gegen alles gewährt - der besagte dicke Kopf eben. Aber logisch konnte ich die Sachen nicht wirklich zusammen bringen. Dies ist nun aber passiert. Unter tränen, mit viel Wut und viel Trauer.

Ich habe es gestern Morgen meiner Frau doch noch erklären können. Sie traf es ähnlich hart wie mich. Aber jetzt versteht sie auch, warum ich für mich so zögerlich und qualvoll mit meiner Transsexualität herausgekommen bin. Zwar weiß sie nicht ob sie damit leben kann bzw. bis zu welchem Grad sie mich aushält aber sie möchte bei mir bleiben. Sie sagt, sie versteht mich jetzt meine Verzweiflung und möchte mir helfen.

Ich selbst bin mir ja jetzt schon seit einiger Zeit bewusst was ich will. Und wenn ich davon rede einen Mittelweg zu gehen, dann bedeutet das, dass ich keine GaOP will. Aber ich will und werde meine Frau leben, bewusst, für alle sichtbar und ganz nach meinem persönlichen Geschmack. Leben heißt schließlich auch Verantwortung tragen. Und die werde ich tragen, mit vollem Körpereinsatz! Zur Not auch durch alle Instanzen!

Ich habe zwar noch nie so viele Tränen in einem guten Monat vergossen, doch es waren allesamt gute Tränen. Und ich muss auch sagen, ich bin froh diese Gefühle in mir auf diese Weise zu spüren. Es tut gut Gefühle zeigen zu können!

Donnerstag, 3. Februar 2011

Neulich in der Badewanne

Während ich mich am Fußende unserer zwar großen aber doch eigentlich normalen Badewanne mit dem Regler des Ablaufes im Rücken herum quälte, lag meine Frau lässig und anscheinend sehr bequem am anderen Ende und starrte derweil auf meine Beine. Natürlich vielen mir trotz meiner sehr gewöhnungsbedürftigen Lage die kritische Blicke von ihr auf, denn mit der Zeit entwickelt Frau ja einen gewissen Sinn für diese Art des Gaffens. Da ich aber zu meiner "neuen" Person keine Worte mehr verlieren wollte, ließ ich sie gaffen und wartete ab, wie ihre weitere Reaktion wohl ausfallen würde. Oder sollte es etwa bei der Fleischbeschau bleiben?

Doch dann fing sie an: "Schaaatz!?! Du könntest die doch eigentlich mal wieder wachsen lassen!".

Ich musste sofort grinsen und gab zurück: "Au ja, waxen lassen wäre echt ne tolle Idee!", und betrachtete derweil ebenfalls skeptisch den aus dem Wasser herausragenden Teil meine epilierten Beine. Waxen wäre bestimmt noch eine Spur sauberer als dieses mühselige Epilieren.

"Neeein, nicht Waxen, ich meine Wachsen. Du könntest die Haare mal wieder wachsen lassen!".

"Ja, natürlich. Das hatte ich auch so verstanden.", dachte ich nur, "Aber wenn für mich eine Sache nicht mehr in Frage kommt, dann sind das Affenhaare." Ich grinste also weiter, jetzt jedoch nicht mehr so neckisch wie zuvor. Ich wollte ja auch nicht mehr darüber reden. Aber ich verstand schon was sie meinte: ein wenig mehr Mann wäre ihr schon lieber. Arme Prinzessin!

Es verging keine Minute, da verspürte ich schon wieder diese Blicke auf meiner Haut. Diesmal betrachtete sie meinen Oberkörper. "Na, kommt da jetzt was?", fragte ich mich.

Und siehe da, es kam was von ihr: "Da könntest Du auch mal was dran machen!" und deutete mit ihrem Kopf auf meine Oberweite. "OK", dachte ich, "da musst Du jetzt durch! Was wohl jetzt kommt".

Ich gab völlig naiv zurück: "Wieso? Was denn?". "Na deine Titten, das sieht ja mittlerweile richtig ekelig aus!". "Ekelig?" gab ich zurück, "wieso ekelig?"
"Na, die sind ja schon fast so groß wie meine." gab sie empört von sich. Und wer hätte es anders gedacht, ich konnte mir mal wieder das grinsen nicht verkneifen. Denn irgendwie machte mich das stolz.

Obwohl? Sollt sie jetzt etwa neidisch werden? Ein wenig Angst kam in mir auf, denn verstehen konnte ich sie auch hierbei: ihr Mann mutiert zur Frau und übertrumpft sie nachher noch im Erscheinungsbild. Ich glaube ich würde bei so etwas den Glauben an mich selber verlieren. Ich musste sofort Worte der Milderung finden.

Allerdings hatte ich keine Chance, sie schoss unbarmherzig nach: "Und da unten könnte auch mal wieder mehr laufen!".

Das hatte gesessen! Was sollte ich dazu noch sagen. Ihr Mann war ihr abhanden gekommen und sie versucht noch den letzten Rest Hoffnung zu sammeln um ihn zurück zu bekommen. Ob sie damit wirklich gerechnet hat? Ich weiß es nicht. Zumindest waren es ehrliche Worte, die sie mir einschenkte.

Während sie sich schon abtrocknete, versuchte ich noch einen letzten Punkteausgleich zu erzielen: "Das ist gemein," kam es aus mir mit leicht eingeschüchterter Stimme hervor, " dass Du mich immer so nieder machen musst. Immerhin hast Du mich schon mit kleinen Brüsten kennen gelernt." In diesem Moment hatte ich genau das Bild vor Augen, als ich das erste Mal mit entblößtem Oberkörper vor ihr stand und mich bemühte meine selbstgezüchteten Brüste möglichst nach Muskeln aussehen zu lassen, damit es ihr nicht so stark auffallen würde. Man hatte ich damals eine Angst das sie meinen Körper ablehnen könnte. Aber das war damals. Damals dachte ich auch noch, ich würde doch wieder meinen Mann stehen können. Und heute freue ich mich über jeden Millimeter, über jede auf und ab Bewegung beim gehen, über jedes Kribbeln und jedes Gefühl das diese beiden Begleiterinnen in meinem Körper leiten. Und auf die soll ich verzichten? Niemals! Nur über meine Leiche.

Ich dachte schon, dass nach diesem kleinen Wortgefecht wieder Krisenstimmung im Hause eingeläutet worden sei, doch pustekuchen. Als ich das Bad einige Minuten nach meiner Faru verließ, deckte diese bereits gut gelaunt den Tisch und sagte nur: "Schatz, entschuldige bitte. Ich wollte dich nicht nieder machen!" Und ehe ich Antworten konnte legte sie nach: "Beile dich bitte, ich habe riesigen kohldampf. Was willst Du zum Essen trinken?"

Was sollte ich dazu noch sagen? --  Genau, gar nichts. Mit einem grinsen gab ich zurück: "Egal, das selbe was Du trinkst!"

Und die Moral von der Geschichte:
Es gab keine Gewinnerin und keine Verliererin. Aber dafür gab es Verständnis auf beiden Seiten. Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als das es so bleibt!!!!!!!!

Mittwoch, 2. Februar 2011

Einfach Süüüss!!!! Küssen kann man nicht alleine

Wie geht es weiter?

Diese Frage wird sich sicherlich jede von uns in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen stellen. Ich stellte sie mir heute Morgen nachdem ich die Küche aufgeräumt und meine Frau mit einem Kuss an der Tür verabschiedet hatte. Danach mache ich gewöhnlich den Rechner an und sehe nach was es neues gibt an Nachrichten, Mails und Postings. Dabei ärgere ich mich zur Zeit darüber, dass ich so viele Fashion-Blogs abonniert habe, die mir kontinuierlich den Google-Reader zumüllen - ich glaube hier habe ich es echt übertrieben mit den Abos. Außerdem bin ich auf ein Posting gestoßen, dass mich etwas traurig und nachdenklich zugleich macht. Und da ich die Gedankengänge hinter diesem Posting recht gut nachvollziehen kann, kam mir wieder diese eine Frage in den Sinn: Wie geht es weiter? ----------

Am meisten Beschäftigt hat mich die Tage das Urteil vom Bundesverfassungsgericht; darüber habe ich ja schon etwas (und meiner Meinung nach auch genug) geschrieben. Aber auch an dem Urteil klebt die Frage: Wie geht es weiter?
Die Richter haben festgelegt, dass (ich halte es ganz kurz und einfach) eine Personenstandsänderung (männlich - weiblich) nicht an der Verpflichtung zu einer Genitaloperation (kastration, unfruchtbarkeit) festgemacht werden darf. Somit sind grundlegende Teile des TSG als "nicht anwendbar" erklärt worden. Welche konkreten Folgen das haben kann, können wir bislang nur spekulieren. Es dürfte aber durchaus der Fall sein, dass die Vorgehensweisen der weiterhin rechtlich vorgeschriebenen Gutachter, strengeren regeln unterzogen werden. Was bedeuten wird, dass wir uns noch mehr anstrengen müssen, ein möglichst perfektes weibliches Lebensbild abzugeben. Diese Tatsache darf nicht unterschätzt werden und bedeutet einen gewaltigen Druck in einer Lebenssituation die sowieso schon knapp am Limit fährt.
Des weiteren hat das BVerfG in seiner Urteilserklärung mehrfach darauf hingewiesen, dass der Gesetzgeber auch die Möglichkeit hat, das gesamte TSG zu ändern bzw. es den neuen medizinischen Erkenntnissen anzupassen. Doch die Frage ist: durch Wen? Wer wird als Fachberater herangezogen? Die Gleichen, die auch schon für das aktuelle Gesetz verantwortlich waren? Was wird da raus kommen? Es wäre naiv zu glauben, nur weil das höchste deutsche Gericht eine halbwegs gerechtes Urteil gefällt hat käme ein neuer Gesetzestext ebenfalls in solch eine Gunst. Die meisten Gesetze, die nicht direktes öffentliches Interesse erwecken (und das TSG ist solch ein Gesetz) werden in kleinen Gremien, Arbeitsgruppen oder was weiß ich wie man sie nennt, erarbeitet. Sollte es hier wieder zu menschenrechtsverletzenden (oder sagen wir einfach: unmenschlichen) Gesetzestexten kommen, bedarf es erst wieder eines höchst richterlichen Urteils um diesen korrigieren zu lassen - und sowas kann Jahre dauern. Besser wäre es, wenn wir als Betroffene mit zu Rate gezogen würden, was die Erstellung eines neuen Gesetzes anbelangt. Nur bräuchten wir dafür repräsentative Vertreter, die eine wirkliche Ahnung von der Materie haben. Und diese Vertreter sind dummerweise schwer zu finden, das müssen wir ehrlicher Weise mal zugeben!

Also, wie geht es weiter?

In diesem Urteil liegt viel Unbekanntes begraben: viele Chancen und auch viel Risiko. Das Risiko ist, das es so bleibt wie es ist. Wir uns also anstrengen müssen unsere Seele möglichst Gewinnbringend zu verkaufen und der Gesellschaft genüge zu tun. Aber auch die Chance für Gerechtigkeit und Menschlichkeit zu kämpfen, für eine ordentliche Anerkennung unseres ganz individuellen Lebens lässt sich in diesem Urteil finden.

Es geht aber auch noch weiter. Wenn wir uns schon für ein neues vernünftiges TSG einsetzen würden, könnten wir gleich weiter gehen denn 2013 soll DSM-5 veröffentlicht werden und 2014 ICD-11. Da diese beiden "Beurteilungsstandards" sehr großen Einfluss auf den Umgang mit Transsexualität in Europa haben, wäre das, sofern von uns gewünscht, ein Pflichtthema mit dem wir uns auseinander setzen müssten. Hier gibt es auf alle Fälle eine Menge richtig zu stellen und zu klären!

Aber auch hier stellt sich wieder die Frage: Wie soll das laufen? Wie soll man das machen? Also, wie geht es weiter?

Jede von uns weiß, dass es schon enorme Kraft kostet sein eigenes Leben in diesem Systemwust aufrecht zu erhalten. Und es gibt ja auch noch genug Fälle, in denen die ganze Sache ein trauriges und frühes Ende findet. Es ist also nur logisch, dass man nicht von jeder/m erwarten kann und darf, sich für die gesamte Leidensgemeinschaft einzusetzen. Und selbst diejenigen unter uns, die den Großteil der Probleme bereits erfolgreich und sogar zufriedenstellend überwunden haben, können nicht in die Pflicht genommen werden für die noch Kommenden zu kämpfen. Denn sie haben es sich jetzt erst recht verdient ihr Leben nun endlich genießen zu können. Pflicht- und Schuldzuweisungen wären also absolut fehl am Platz.
Es ist meiner Meinung nach eher eine Frage der Gemeinschaft und der ganz individuellen Einsatzbereitschaft. Die eine kann mehr, die andere weniger jede von uns hat ihre eigenen Stärken. Außerdem ist es auch nicht alleine erforderlich nur auf "politischem Weg" zu kämpfen. Vielmehr ist der öffentliche Kampf, der Kampf in der Gesellschaft, sei es als Blog, sei es als Independet-Magazin, sei es als Comedy oder ironische Satire (solche Idee habe ich heute morgen in einem Kommentar zum anfangs erwähnten Posting gelesen und finde sie genial!!!!), wichtig. Einfach nur um Aufsehen zu erregen und zu zeigen, wie wir wirklich sind und wie wir behandelt werden.

Ich denke hier muss sich jede von uns ihre eigenen Gedanken zu machen und abwägen sie tun kann und will. Und wer die Fähigkeit, die Kraft und letztendlich auch den Mut hat politisch aktiv zu werden, der sollte sich nicht aufhalten lassen. Denn in Bezug auf politische Einflussnahme haben wir ein richtig großes Defizit!

Und? Wie geht es weiter?

Ich für meinen Teil möchte mich engagieren und werde dies auch tun. Ich bin mir zwar noch nicht so ganz darüber im klaren ob ich es in einer Gruppe (Verein, Verband, etc.) tun werde oder auf eigene Faust. Fakt ist nur, dass ich mich seit über zehn Jahren mit der Gesamtproblematik zum Thema TS auseinander setze. Ich habe mich teilweise den Vorgaben unterworfen und später wieder resigniert. Habe versucht gegen mein Umfeld und anschießend mich selber zu kämpfen nur um dem Ansehen gerecht zu werden. Und ich weiß, dass es nicht nur mir so gegangen ist, sondern noch vielen anderen so geht und auch weiterhin so gehen wird, wenn sich nichts ändert. Für mich war 2009 das Jahr in dem mir klar wurde, dass ich etwas ändern muss. 2011 begann damit, dass ich mir selbst einstehen konnte einen Weg zwischen den Geschlechtern gehen zu wollen. Und nun? Wie sollte es anders weiter gehen? Mein Therapeut (nein sorry: Mein Coach ;-)) sagte mir vor zwei Wochen, dass TS ein Thema fürs gesamte Leben bleiben wird, egal wie ich es auch angehen werde. Und wenn ich schon nicht darum herum komme mich damit zu beschäftigen, dann kann ich es doch auch gleich in aller Öffentlichkeit machen. Und diese Überzeugung wächst in mir von tag zu Tag mehr!

Übrigens, beim Lesen des BVerfG-Urteils hatte ich den Eindruck, dass unser gesamtes System auf der Kippe steht. Denn dieses Urteil hat das Zeug dazu, grundlegende gesellschaftliche, vermeintlich moralische, religiöse, ja sogar im gewissen Sinne auch evolutionäre Grundsätze auf den Kopf zu stellen, wenn davon die Rede ist, dass man es nicht ausschließen kann, dass nach dem Urteil auch hier in Deutschland anerkannte Männer Babys bekommen können und anerkannte Frauen Babys zeugen können. Dumme Sache, denn unsere Gesellschaft lebt global in einer zwei Geschlechter Regelung. Diese lässt sich jedoch mit den neuesten Erkenntnissen über das mögliche Geschlechtsempfinden des Menschen so nicht weiter aufrecht erhalten. Das hier versucht werden wird, trotzdem alles erdenkliche zu tun um dieser Tradition gerecht zu werden, dürfte halbwegs verständlich sein. Von daher ist ein Kampf für die Anerkennung und die Rechte Transsexueller nicht nur ein Kampf in eigener Sache. Es geht quasi auch um das Bild des Menschen. Aber bevor ich jetzt hier auch noch philosophisch werde, widme ich mich besser meinen häuslichen Aufgaben. ;-)