Sonntag, 1. Mai 2011

Blogerkenntnis

Es ist jetzt etwa ein Jahr und eine Woche her, dass ich diesen Blog angefangen habe mit Inhalt zu füllen. Anfangs schien alles für mich recht abgeklärt zu sein und ich wollte in erster Linie nur meine jahrelangen persönlichen Erfahrungen mitteilen. Dann begann ich zu sinnieren und zu philosophieren und mir Gedanken über die absurden Seiten des Trans-Lebens zu machen. Die Jahreswende wurde dann zu meiner Beziehungswende, da ich mich gegenüber meiner Frau geoutet habe und wir dabei so manche Tränen vergossen haben. Es folgte die Erkenntnis das ich mein Leben so Leben muss wie es ist - als Frau. Gefolgt von der Überzeugung dieses Leben als Frau auch ohne eine Genitalanpassung leben zu können und zu wollen.

Warum ohne GaOP? Nun, erstens weil ich die Beziehung mit meiner Partnerin nicht aufgeben will. Es tut mir schon im Herzen weh ihr überhaupt den Mann zu nehmen. Das letzte bisschen werde ich nicht auch noch opfern. Ich kann schon froh sein, dass sie meine hormonellen Veränderungen annimmt. Dafür werde ich ihr ewig dankbar sein!
Zweitens, da ich einfach schiss vor einer OP hätte. Nicht weil er da unten dann weg wäre, sondern grundsätzlich. Bislang war ich noch nie in der Situation eine OP eingehen zu müssen und so Gott will soll das auch bleiben. Ich denke ich kann mit ihm leben - zumindest unter der aktuellen Lebenssituation.
Und drittens, wäre mir die GaOP auch einfach zu teuer. Jaja ich weiß, die Kassen müssen zahlen wenn es anerkannt wird - auch die Private. D.h. solange die Private bei Abschluss nicht von vornherein Bereiche aus dem Versicherungsschutz abgelehnt hat, was dummerweise bei bekannten Vorerkrankungen die übliche Vorgehensweise ist. Ich könnte mir ehrlich gesagt viel sinnvollere Investitionen vorstellen als die in eine (zugegebenermaßen beneidenswerte) Vagina.

Ja natürlich, ich weiß nach diesen wenigen Monaten noch gar nicht wie lange unsere Beziehung noch halten wird. Immerhin sind die Belastungen für beide Seite nicht gerade gering, auch wenn es momentan mehr als zufriedenstellend läuft. Natürlich kann es sein, dass ich dann wieder alles anders sehe und die GaOP für mich doch ein Thema wäre. Und ja, ich könnte sogar versuchen in eine gesetzliche KK zu kommen die dann doch alles zahlt. Aber das will ich eigentlich gar nicht.
Ich will auch keine Anstellung mehr die mich dann zwangsläufig in der gesetzlichen KK verankern würde, nur um dann auf der "sicheren" Seite zu sein.
Ich will diese Freiheit selber über meine Erfolge oder Misserfolge entscheiden zu können. Und das geht nun mal am besten in der unabhängigen Selbständigkeit. Und glaubt mir, ich weiß wovon ich rede. Ich habe beide Seiten der Arbeitswelt schon zur genüge durchgemacht. Hier bin ich Überzeugungstäterin!
Ich will mich auch nicht festlegen müssen auf mögliche Kinder zu verzichten, auch nicht mit einem weiblichen Körper und als Frau nur weil eine Gesellschaft das Familienbild anders deutet. Für mich kann ein Papa auch eine Frau sein, solange sie in der Lage ist oder war das Kind zu zeugen.
Ich werde mich auch keinen gutachterlichen Diagnoseritualen unterziehen, nur um mein wahres Geschlecht öffentlich-rechtlich anerkennen zu lassen.
Und überhaupt, ich habe es satt mich für jede individuelle Entscheidung zu meiner persönlichen Lebensweise  und meinen persönlichen Vorstellungen rechtfertigen zu müssen.

Ich habe mir lange Gedanken über diesen bürokratischen Spießrutenlauf im Fall der Transsexualität gemacht und das ganze widert mich nur noch an. Nein, nicht im Sinne einer feigen Resignation sondern eher im Sinne einer wutentbrannten Sturköpfigkeit, diesem verdammten "Ragulierungssystem" mal so kräftig in die pseudomaskulinen Eier zu treten.

Wie sagte meine Frau einmal so schön: "Fuck the duck, bevore the duck you fuck!" 

Dabei ist sonst eigentlich alles OK. Die Hormone kommen endlich in die richtige Zusammenstellung. Mein Körper verändert sich unaufhörlich zum richtigen Bilde. Meine Psyche ist in absolut bester Verfassung. Und die Beziehung war noch nie so Harmonisch. Ich bin glücklich mit meinen Veränderungen und mit mir.

Natürlich gibt es noch Baustellen aber die wird es im Leben immer geben. Man muss sie nur zu ihrer bestimmten Zeit in Angriff nehmen und fertigstellen.

Manchmal frage ich mich nur ob es die Realität ist die sich so traumhaft vor einem auf tut? Oder ob es ein Albtraum ist der sich in der Realität vor uns widerspiegelt?




Ach ja: TheSweetBrain hat Geburtstag. Das bedeutet allerdings nicht , dass Christina auch Geburtstag hat. Und eigentlich hat Christina auch keinen eigenen Geburtstag, denn es ist der selbe den auch Christian hat. Alles andere wäre doch auch nur erfunden!

Kommentare:

  1. Wo bekommst Du denn die Hormone her? Auch goldpharma?
    Ich bin noch bei pflanzlichem - aber möchte mehr.
    Gruß!
    Frank

    AntwortenLöschen
  2. Und wie kommst Du mit den pflanzlichen klar? Bewirken sie deiner Meinung nach etwas. Solltest die auf jeden Fall nicht zu hoch dosieren. Ich habe zumindest emotional ganz gute Erfahrungen mit denen gemacht. Aber als ich dann höher dosierte spürte ich auch die negativen Seiten der Phytos.

    Es gibt ja unterschiedliche Bezugsmöglichkeiten. Eine unspektakuläre Quelle liegt in Spanien. Ich möchte den Namen allerdings nur ungern nennen da ich nicht dazu aufrufen möchte die Hormone ohne ärztliche Kontrolle einzunehmen. Aber mit den richtigen Begriffen findet man die Shops über Google recht schnell!
    Sorry für diese unklare Antwort!
    Gruß
    Christina

    AntwortenLöschen
  3. Hallo Christina,
    Ich nehme ein Dragee mit Soja-Isoflavone pro Tag - ist nicht viel, aber mir wurde schon gesagt, ich würde viel jünger aussehen. Mit Rotklee dagegen habe ich den Eindruck, dass ich den nicht so gut vertrage. Ich fühle mich jedenfalls ausgeglichener. Da ich auch verheiratet bin, habe ich ein ähnliches Problem wie Du - denn ich möchte meine Frau auch ungern verlieren. Bei einem ersten Outing war sie aber völlig contra und meinte, wenn ich das durchziehe, sei die Ehe zu Ende. Auch im Blick auf meinen Beruf habe ich Zweifel, ob ich es packe. Derzeit denke ich mir, dass die Veränderungen langsam gehen müssen: Erst mal Richtung mehr Gynäkomastie - und da gibt es bei meiner Frau Akzeptanz... - und ich kläre in den nächsten Monaten, wie es beruflich weitergehen kann...
    Was die Shops betrifft: Ich möchte halt nicht einfach Geld verschenken für nichts. Diane 35 scheint mir zu riskant (was bei t-girl Diana im FAQ zu finden ist, wäre Gel oder Pflaster besser). Außerdem bin ich mir noch nicht klar, wie weit man legal solche Medikamente aus dem Ausland bekommen kann oder ob man bei einer Bestellung schon gegen unser Arzneimittelgesetz verstößt und sich strafbar macht (was ich nicht will).
    Gruß!

    AntwortenLöschen
  4. Hi!
    Die Erfahrungen habe ich auch mit den Phytos gemacht. Ich nehme die Pflanzlichen sogar heute noch von Zeit zu Zeit um die Stimmungsschwankungen von Androcur abzumildern. Und bislang habe ich damit nur positive Erfahrungen. Aber wie gesagt, die Dosis sollte nicht zu hoch sein.

    Deine Strategie dich nur langsam zu verändern kommt mir irgendwie Bekannt vor ;-). Sei dir nur darüber im klaren dass die ganze Sache auch nach hinten los gehen kann! Ich habe mich ja auch mit meinen Veränderungen rangetastet wie weit ich bei meiner Frau gehen kann. Das ich dann aber doch wieder auf Hormone gegangen bin, war schon ein ziemliches Risiko für meine Beziehung. Ich bin froh dass meine Frau das ganze im richtigen Zusammenhang aufgenommen und verstanden hat. Sonst wäre ich heute wohl auch alleine. Ich drücke dir die Daumen das deine Strategie auf geht!!!

    Zum Arzneimittelgesetz kann ich nicht viel sagen da ich mich nie damit beschäftigt habe. Ich denke aber mal, dass innerhalb der EU schon vieles möglich ist - warum nicht auch der Verkauf von (hierzulande) rezeptpflichtigen Medikamenten. Ich weiß nur, dass eine Menge von uns dort einkaufen - zumindest so lange sie ohne ärztliche Begleitung sind.
    Diane 35 ist in der Tat nicht gerade ein unproblematisches Produkt. Solltest Du ein familiär bekanntes Thromboserisiko haben oder aber rauchen, so würde ich dir nicht unbedingt ohne ärztliche Kontrolle dieses Präparat empfehlen. Gels oder Pflaster mit Estradiol in Reinform sind da natürlich schon wesentlich besser. Ich dosiere zur Zeit 2,5mg Estradiol in Gel Form und 12,5mg Androcur pro Tag und komme damit echt gut klar. Androcur solltest Du aber nicht zulange nehmen. Es soll ja nur die männlichen Merkmale stärker zurück nehmen.
    Aber wenn Du auf Nummer sicher gehen willst, dann würde ich auf jeden Fall die Hormone über Rezept durch deinen Hausarzt versuchen zu beziehen.

    Ich wünsche Dir viel Glück!!!!

    AntwortenLöschen