Samstag, 12. Februar 2011

Von Mann zu Frau zu Mann zu Frau zu...


Christina: Mein lieber Christian, ich frage mich schon seit geraumer Zeit wie es mit uns weiter gehen soll?
Christian: Wie weiter gehen soll? Wir sind doch Eins. Wir haben einen Körper, teilen uns alle Organe, für uns schlägt ein Herz und selbst unser Gehirn arbeitet für uns beide zusammen. Willst Du jetzt eine Revolution gegen mich veranstalten, oder was?
Christina: Ach Christian warum machst Du es uns nur immer so schwer? Was meinst du denn wie lange das mit uns beiden noch gut geht? Ich verlange ja nicht das Du von heute auf morgen gehst. Aber ein wenig mehr Anerkennung erwarte ich schon von Dir!
Christian: WAS? Du willst also dass ich gehe? Na das ist ja eine dankbare Einstellung. Ein Leben lang habe ich Dich in Deinem Versteck durch alle nur möglichen Situationen mitgeschleift, habe auf Dich wie ein Schießhund aufgepasst, dass Dich auch ja niemand entdeckt. Habe Probleme und Fehler auf mich genommen die teilweise überhaupt erst nur durch Deine Anwesenheit entstanden sind. Ja ich habe mich sogar für geistig verrückt ansehen lassen nur damit man uns in Ruhe lässt. Und jetzt willst Du mich einfach so abschieben?
Christina: Ja ich weiß, ohne Dich hätte ich niemals eine Chance bekommen. Aber ich muss das auch realistisch sehen, denn ohne Dich wäre ich von Anfang an frei. Du kannst da ja auch nichts dafür, aber...
Christian: Aber, aber, aber. Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen oder was. Mensch Christina schau Dich doch mal an. Du bist doch kein richtiges Mädel. Du trägst lieber Hosen als Röcke, schminkst Dich nur dezent so dass Du auch fast schon als tuntiger Mann durch kommen würdest. Und Deine illegale Frisur erst. Du traust Dich ja nicht einmal zum Friseur um Dir eine richtige Frauenfrisur machen zu lassen. Und Du meist wirklich mit dieser Art hättest Du eine Existenzberechtigung? Wach erst mal auf Süße!
Christina: Das ist gemein von Dir so negativ über mich zu sprechen. Du weißt genau, dass ich das alles nur mache um Dir die Möglichkeit zu geben, langsam los zu lassen ohne Dich zu blamieren. Ja gut, mir fehlt oft der Mut mich richtig als Frau zu geben. Aber daran trägst Du auch eine große Schuld. Ich kann nur über einen Schatten springen, nicht über zwei. Solange Du nicht dabei mitmachst bzw. Dich gegen meine Art wehrst, werde ich es nie schaffen mich richtig als Frau zu integrieren.
Christian: Blamieren, das ist ja genau das richtige Stichwort! Du willst mich nicht blamieren, dabei tust Du es schon seit dem wir Kinder waren. Wenn es überhaupt etwas gibt was mich blamiert hat, dann warst Du das mit Deinem blödsinnigen Verhalten. Und jetzt soll ich das auch noch weiter Akzeptieren, nur weil Du meinst das wir damit glücklich werden können. Das wird nicht klappen, Christina!
Christina: Was willst Du jetzt damit sagen?
Christian: Ach gar nichts.
Christina: Nein, bitte sag mir jetzt was Du damit zu Ausdruck bringen willst!
Christian: Versteh mich bitte nicht falsch, ich liebe Dich Christina. Ein großer Teil von mir ist auch ein Teil von Dir und anders herum. Aber für zwei ist hier auf Dauer kein Platz mehr!
Christina: Doch das verstehe ich, Christian. Genau das wollte ich Dir ja eigentlich auch sagen. Es passt einfach nicht mehr. Es ist nicht so, dass ich es nicht verstehe wenn Du Deine Ansprüche weiterhin gelten machen möchtest. Aber ich glaube, dass uns das nicht weiter bringen wird sondern im Gegenteil, wenn Du Dich nicht zurück ziehst könnte es mit uns beiden böse enden. Ich brauche eine ganz eigene Entfaltungsmöglichkeit um unser Leben unter Kontrolle zu bekommen. Deine extremen männlichen Einflüsse sind dabei ein großes Hindernis.
Christian: Du meinst also das es besser wäre wenn einer von uns geht?
Christina: Nein, nicht Einer, Christian. Du musst gehen!
Christian: Und wieso gerade ich? Wieso gehst Du nicht einfach und lässt mir endlich mein Leben?!
Christina: Du hast es doch vorhin schon richtig gesagt: Ich bin der Grund für Deine Krisen und Probleme, seit Kinderbeinen an. Uns ist doch beiden mittlerweile klar, dass meine weiblichen Eigenschaften einen wesentlich tiefgreifenderen Einfluss auf uns haben, als Deine männlichen. Es ist sogar noch viel schlimmer, Du versuchst mit Deinen männlichen Eigenschaften unseren Kopf in die Enge zu zwingen um Zweifel an meiner Rechtmäßigkeit zu schüren. Meinst Du wirklich, dass Du uns damit weiter bringst? Glaubst Du wirklich, dass wir uns besser fühlen, wenn ich mich zurück ziehe?
Christian: Wieso sprichst Du jetzt bei Dir nur von zurückziehen, verlangst aber von mir ich solle gehen?
Christina: Nein, entschuldige bitte. Ich habe mich da vorhin falsch ausgedrückt. Ich denke es wird nicht möglich sein, dass einer von uns geht. Denn wir sind beide eins und wir sind beide in diesem Körper vereint. Es wird wohl nicht möglich sein, dass jemand von uns gänzlich verschwindet. Aber es muss sich einer von uns zurück nehmen. Und dieser eine wirst Du wohl sein müssen!
Christian: Aber Du könntest Dich doch endlich auch mal zurück nehmen und mich leben lassen. Hast Dich ja schon genug in alles eingemischt.
Christina: Und was hat es gebracht? Du bist daran fast verzweifelt. Hast sogar angefangen uns beide aufzugeben. Meinst Du wirklich, dass das der richtige Weg wäre? Außerdem sind Mädchen schon genetisch überlebensfähiger als Jungen. ;-)
Christian: Jaja, mach Dich nur lustig über mich. Zum Glück sprechen die körperlichen Veranlagungen ja auch noch ein Wörtchen mit, bei der ganzen Sache. Oder willst Du die auch noch in die Flucht schlagen? Hast ja auch schon angefangen mich als Idioten hin zu stellen in dem Du uns Brüste wachsen gelassen hast und meine Testosterone unterdrückst mit deinen Östrogenen.
Christina: Na komm schon alter Knurrkopf, jetzt sein nicht so eingeschnappt. Du siehst doch selber, dass es keine Argumente dagegen gibt. Wir müssen uns schon einig werden.
Christian: Und Du meinst, dass es uns dann besser gehen wird?
Christina: Ich meine gar nichts. Ich zähle nur eins und eins zusammen. Und das Ergebnis entspricht auch dem was ich fühle, und was Du auch fühlst, wenn Du mal ehrlich zu Dir selbst bist.
Christian: Ja, Du wirst vermutlich recht haben. Aber es ist für mich auch nicht so einfach auf einmal alle Zügel los zu lassen. Bislang habe ich die ganze Verantwortung getragen. Und jetzt soll ich mich auf einmal aus allem raus halten. Das ist gar nicht so leicht.
Christina: Das glaube ich Dir. Aber ich denke, dass ich auch weiterhin noch Deine Hilfe und Deinen Rat brauchen werde. Du wirst also nicht in den Ruhestand entlassen ;-). Immerhin hast Du wesentlich mehr Lebenserfahrung als ich und das kann uns beiden nur zugute kommen. Und wie gesagt, ein Teil von Dir ist auch ein Teil von mir. Das macht unsere Persönlichkeit aus!
Christian: Oh Fräulein, ich hoffe, dass das mal alles gut gehen wird. Denk bitte daran, dass Du die Verantwortung für uns beide jetzt übernimmst!
Christina: Ich bin mir der Verantwortung bewusst. Sei aber auch bitte nicht böse wenn es mal alles nicht so reibungslos klappt wie wir uns das vorgestellt haben. Ich muss mich ja auch erst so richtig in diese Situation rein leben.
Christian: Meinst Du, Du schaffst das?
Christina:: Ich denke Du solltest mir mal vertrauen!

Anmerkung der Redaktion:
Ich bin zufällig Zeuge dieses Gesprächs geworden und habe die Gelegenheit genutzt, wenigstens einen Teil dieser sehr lange Diskussion mit zuschreiben. Interne Quellen reden davon, dass diese Auseinandersetzung bereits seit vielen Jahren geführt wird. Genauere Angaben hierzu gab es von offizieller Stelle jedoch nicht.

Kommentare:

  1. Liebe Christina, dieser Dialog kommt mir auf beeindruckendes Weise bekannt vor und ich möchte dir Danken, das du es geschafft hast es in einer solch schönen Weise nieder zu schreiben..

    LG, Pam

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  2. Hi Pam,

    es freut mich das der Dialog Dir gefällt!

    Ich ertappe mich immer wieder dabei solche Dialoge zu führen. Manchmal ist es lustig und manchmal auch nur nervig. Ich glaube ich könnte Bücher damit füllen.

    PS: Es ist schön einen Kommentar aus Essen zu bekommen - Die Heimat lässt Grüßen! :-)

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