Donnerstag, 17. Februar 2011

Dazwischen gebloggt! Zum Artikel im Zeit-Magazin.

Eigentlich hatte ich überhaupt nicht vor so schnell wieder etwas zu schreiben. Zu viel geht mir durch den Kopf und nicht alles ist PROTrans - oder anders gesagt, meiner Ansicht nach knirscht es in der Szene irgendwo im Gebälk. Ich bin mir nicht so ganz sicher, ob es momentan der richtige Weg ist wie wir uns selbst betrachten bzw. wie wir meinen für Anerkennung kämpfen zu müssen. Da das ganze aber wie schon gesagt erst noch in meinem Kopf herum schwirrt, kann und will ich jetzt noch nicht zu viel an Worten darüber verlieren.

So und genau in dieser nachdenklichen Phase fällt mir heute durch Zufall das Zeit-Magazin in die Hände, auf dem Titelbild ein Mädel das irgendwie leicht männliche Züge aufweist. Darunter der Titel "Sie ist ein Model". Dann blättere ich neugierig die erste Seite um und stelle fest, das Mädel ist ein Kerl. Das Zeit-Magazin hat eine Fotostrecke mit Andrej Pejic einem australischen Männer- und Frauenmodel produziert und mich dabei beim ersten Durchblättern in Verzückung versetzt. Und das ganze wurde dann im Leitartikel gleich mal mit "DAS LEBENSGEFÜHL" betitelt.

Es ist eigentlich nicht mein Ding für Zeitungen oder sonstige kommerzielle Dinge zu werben, doch ich denke, dass es durchaus interessant für die eine oder andere sein könnte, sich diese Zeitung mal näher anzusehen. Kim hat auf www.mut23.de auch schon etwas dazu geschrieben. Und ich habe irgendwie den unterschwelligen Eindruck, als könnte diese Ausgabe des Magazins eine kleine Diskussionswelle auslösen.

So heißt es u.a.:

"...die Auflösung der Grenzen zwischen den Geschlechtern."

"Menschen die sich zwischen den Geschlechtern bewegen, sind die neuen Stars der Mode."

"... Mode schafft nichts aus sich selbst heraus, sondern spiegelt die Gesellschaft wieder."

"Bei vielen Stücken kann man nicht mehr zwischen Männer- und Frauenmode unterscheiden. Sie sind Unisex. Endlich. Denn dass die Mode bislang nach Geschlechtern aufgeteilt war, hat sie deutlich eingeschrenkt."

Und als Subline fungierte: "Wann ist ein Mann ein Mann? Die Mode verteilt die Rollen neu."

Jetzt gibt es ja zwei, nein genau genommen drei Möglichkeiten diesem Titelthema zu begegnen:
  1. Ignorieren - meiner Meinung nach eine gänzlich falsche Entscheidung; zumindest wenn man sich mit dem Thema grundsätzlich schon auseinander setzen muss - z.B. als Transgender jeglicher Gruppierungen.
  2. Man kann sich darüber ärgern, dass noch immer alles in schwarz-weiß dargestellt wird; eben dieses klassische Mann und Frau Bild.
  3. Oder man kann sich zumindest schon einmal darüber freuen, dass so eine, für viele Ältere recht kuriose Berichterstattung in einem konservativem Mainsteam-Umfeld veröffentlicht wird.
Ich stehe für Möglichkeit drei ein. Denn ich glaube nicht, dass wir es schaffen werden, ein überliefertes Gedankengut wie die klassische Männlich-Weiblich Thematik in den Menschen zu ändern. Die Klassifizierung kann und wird nur durch Aussterben der alten Ansichten oder aber durch allmähliche Bagatellisierung des individuellen Verhaltens eine deutliche Verbesserung bekommen können.

Und mit Bagatellisierung des Verhaltens meine ich nicht die Förderung von Dragqueens oder sonstigen Öffentlichkeitssüchtigen (Diese Typen habe ich sowieso noch nie verstanden!), sondern das ungekünzelte Umkehren vorhandener Standards. Nichts ist NORMALER als die NORMALITÄT. Ich habe ja schon letztens in Stil und Klischees darüber geschrieben. Und diese leicht verwirrende Fotostrecke im Zeit-Magazin hat so was gänzlich Normales, dass einem der geschlechtliche Unterschied gar nicht auffallen mag.

Abgesehen davon finde ich, dass der irgendwie etwas süßes an sich hat - zumindest so lange er sich weiblich gibt ;-) ! Aber naja, die Geschmäcker eben....

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