Montag, 17. Januar 2011

Plan B? Es gibt keinen Plan B!

Der heutige Tag hat mich schon etwas nervös gemacht. Nein nicht weil heute Montag ist ;-). Vielmehr weil ich ja heute nach langer Zeit mal wieder zu meinem Therapeuten gegangen bin. Nein Angst hatte ich keine, denn ich denke, dass mir faktisch alles klar ist in Bezug auf mich selbst. Auch in Bezug auf meine Partnerin und dem gesamten familiären Umfeld. Aber mit der aktuellen Situation umzugehen und was noch schlimmer ist, mit den ungewissen Dingen in der Zukunft zurecht zu kommen, das hat mich doch die letzten Wochen ganz schön aus dem Ruder laufen lassen.

Nun habe ich die letzten Tage ja intensiv genutzt mir alle möglichen Informationen zum eigenen Umgang mit dieser lebensvereinnahmenden Transsexualität zu besorgen. Vor allem was die Anpassungs- und Veränderungsmöglichkeiten anbelangt war ich sehr wissbegierig. Ich habe es ja schon einmal erklärt, dass, wenn ich nur mit dem Finger schnippen müsste um auch in einem weiblichen Körper leben zu können, ich nicht mit der Wimper zucken würde. Da würde ich sehr wahrscheinlich auch harte Kollateralschäden für in kauf nehmen. Aber einen Übergang im Sinne des TSG sehe ich für meine Person mal milde ausgedrückt, für nicht akzeptabel! Ich weiß, dass dies einige von Euch anders sehen bzw. es auch anders gemacht haben weil sie es für den einzigen Weg halten schnell zu ihrem Ziel zu gelangen. Aber jeder muss den Weg schließlich für sich selber suchen. Und ich für mich werde diesen Weg nicht so gehen.

Ich habe eine ganze Menge an Informationen gefunden, die meine eigene Gefühlswelt sehr stark wieder spiegeln und mit denen ich mich auch sehr gut identifizieren kann. Darunter auch die schriftlich festgehaltenen Vorträge von Walter H. Greiner (sowohl auf der Homepage von Jula als auch auf Genderwunderland zu finden: http://www.julaonline.de - http://www.genderwunderland.de/).

Damit will ich allerdings nicht sagen, dass ich eine GaOP für mich gänzlich ausschließe. Doch bevor ich an diesen Punkt komme an dem ich darüber eine Entscheidung fällen muss, muss ich erst einmal einen Weg finden mit meiner Entwicklungsphase klar zu kommen und diese auch in meiner Umwelt zu implementieren. Ich bin nicht bereit einen harten Cut für alle durchzuführen auch wenn dies mit sicherlich langwierigen Durchsetzungsphasen verbunden sein wird. Und ja, es wird sicherlich auch eine Menge Kraft kosten diesen Weg zu gehen aber in mir sagt mir etwas, dass es nicht anders funktionieren wird. Es ist die gleiche treibende Kraft die mir sagt, dass ich meine Weiblichkeit nicht weiter zurückhalten darf. Das hört sich jetzt vielleicht irgendwie ein wenig esoterisch an, ist aber für mich das einzige Ergebnis das ich akzeptieren und zuzulassen bereit bin und deren Vorstellung darüber mich positiv in die Zukunft blicken lässt. Ja irgendwie auch ein wenig mit Freude verbunden ist.

Ob das jetzt eine Spielart von Masochismus darstellt kann ich nicht beantworten ;-) und so sehe ich es auch überhaupt nicht. Ich habe nur in den vielen letzten Monaten und auch den vorangegangenen Jahren festgestellt, dass mein Umfeld nur sehr oberflächlich meine herbeigeführten Veränderungen bemerkt hat. Und das obwohl ich schon sehr weit gegangen bin mit der Einnahme von Hormonen und dem Tragen von eindeutig weiblicher Kleidung. Doch selbst meine Frau hielt ja mein gesamtes Verhalten vor meinem Coming-Out noch für normal, wenn auch etwas weiblich. Erst mit dem klaren Bekenntnis zur Transsexualität begannen die wirklich harten Probleme.
 Und der Hauptgrund dafür ist das falsche und vor allem mangelnde Verständnis für die "perverse Krankheit". Ab diesem Zeitpunkt stellte man mich erst einmal mit Irren und Perversen auf eine Stufe. Vorher war ich die halbwegs normalste Person der Welt. Und diese Art und Weise Menschen ab zu stempeln ist für MICH das eigentlich bekloppteste schlecht hin!

Auch meinem Therapeuten habe ich das so mitgeteilt. Er versteht zwar was ich meine, hält allerdings das Risiko solch einen Weg gehen zu können ohne Blessuren davon zu tragen, für sehr sehr unwahrscheinlich. Allerdings gab er auch zu bedenken, dass jeder andere gewählte Weg zu ähnlichen Blessuren führen kann, wenn dieser nicht zu einem passt. Wunden würden auf jeden Fall davon getragen, die Frage ist nur welche man besser erträgt. Und sein wir mal ehrlich, was gibt es schlimmeres als gegen seine eigene innere Stimme an zu kämpfen? Das haben wir Betroffenen doch ursprünglich alles schon einmal leidvoll mitgemacht.

Also werde ich diesen Weg so weiter gehen wie ich ihn mir vorgenommen habe. Und ein Plan B kommt dabei nicht vor - wozu auch, man lebt schließlich nur einmal ;-) !

Ach ja, eins ist mir auch mal wieder klar geworden: Ich werde solch eine Lebensweg-Entscheidung nicht noch einmal ohne meinen Therapeuten planen und ausführen. Also mein Appell an all diejenigen, die vor ähnlichen Problemen stehen wie ich sie hier zum Besten gegeben habe:

Sucht Euch einen erfahrenen Therapeuten und lernt aus den Erfahrungen anderer, damit Ihr nicht die gleichen Fehler macht! Es ist bei keiner von uns alles nur Friede-Freude-Eierkuchen auch wenn es manchmal den Anschein erweckt. Und auch wenn wir mal aus dem Gröbsten raus sind, es ist und bleibt ein Lebensthema auf Lebenszeit!

Mit dieser Erkenntnis bin ich selbstverständlich noch nicht über den Berg aber es ist ein wichtiger Schritt nach vorne. Und da will ich schließlich auch erst einmal hin: nach vorne!

Einen RIESEN DANK nochmal an alle die mir beigestanden und mich mit weiterführenden Informationsquellen gefüttert haben!!!!!!!!!!!!!!

LG Christina

1 Kommentar:

  1. Hallo Christina,
    den für dich richtigen Weg zu finden ist nicht einfach. Das kenne ich von mir selbst und wie du auch gemerkt hast, braucht es dazu auch Zeit. Nimm sie dir und übereile nichts, aber verfolge deine Suche konsequent weiter und lass dich nicht beirren. Ein verständnisvoller Therapeut oder Therapeutin ist da sehr hilfreich.
    Ich wünsche dir, daß du den für dich richtigen Weg finden wirst.
    LG Michaela

    AntwortenLöschen