Freitag, 2. Dezember 2011

Die Illusion, dein Freund und Gegenspieler

Was wären wir wohl ohne Illusionen?

All zu gerne stellen wir die Illusion in unserer festgefahrenen Gesellschaft als ein dummes Phantasieren dar, als etwas was mehr von der Realität und der angeblichen Leistungsfähigkeit ablenkt, als sie zu fördern. Nur bei anerkannten "Größen" lassen wir eine Illusion noch zu, wenn es darum geht ihnen die Fähigkeit zuzusprechen womöglich "in die Zukunft schauen" zu können. Als Illusionäre werden diese Personen dann bezeichnet, jedoch auch hier nicht ohne dabei unterschwellig eine kritische Wertung mitzugeben. Im Gegensatz zum einfachen Bürger. Wird diesem so ein denken doch schon von vornherein eher als Hirngespinst oder einfach nur als Spinnerei ausgelegt. Dabei hat die Illusion weder mit dem Einen noch mit dem Anderen konkret etwas zu tun. Sie ist vielmehr eine Vorstellungskraft die uns mehr oder weniger in die Lage versetzt Dinge "mit anderen Augen" zu sehen. Ob die Illusion dabei positiv oder negativ ist hängt stark von den Gegebenheiten in denen wir sie anwenden ab und nicht mit dem grundsätzlichen Vorhandensein.

Was wären wir als Transgender wohl ohne die Fähigkeit zur Illusion?

Mit einem Schmunzeln gesagt: Wir wären wohl weniger schillernd Bunt.
Aber nun mal im ernst, hätten wir die Fähigkeit zur Illusion nicht, würden wir die Vorstellung in Gestalt eines anderen Geschlechts leben zu können sicherlich schnell beiseite schieben. Zu konträr erscheint solch ein Vorhaben mit dem tatsächlich erlebten und gelebten Umfeld zu sein. Erst die Illusion ermöglicht es uns einen "Blick in die Zukunft" schmeißen zu können und dabei auch einen Blick in eine Welt der Phantasien mit einfließen zu lassen. Wir vermischen dabei Bewusst das erwähnte augenscheinlich positive mit dem augenscheinlich negativen. Ob es letztendlich für uns gut oder schlecht ist, entscheidet nicht die Tatsache das wir so denken, sondern wie wir in der Realität damit umgehen. Ein Beispiel: Die meisten MzF Transgender werden aufgrund ihrer vorangegangenen Entwicklung ein Problem damit haben, männliche Gesichtszüge kaschiert zu bekommen. Wenn es schlecht läuft werden wir bei diesen Versuchen als Kunstprodukt identifiziert und wenn es ganz schlecht Läuft erkennt man auch weiterhin den geborenen Mann unter der Maskerade. Nur in wenigen Fällen gelingt uns ein einigermaßen gutes Passing was aber nicht bedeutet, dass wir damit immer und bei jedem als Frau durchgehen. Vom Grunde her wären all diese Tatsachen ein Grund zur Resignation. Doch hier spielt die Illusion eine wichtige Rolle zu Gunsten unseres Egos mit: ein kleines Lob zum Aussehen von der einen oder anderen vertrauten Person, eine Gewisse Selbstzufriedenheit mit sich selbst, und schon sehen wir diese Person im Spiegel mit anderen Augen, eben ganz klar als Frau. Natürlich bezieht sich das Ganze nicht nur auf unser Gesicht sondern auch auf unser gesamtes Auftreten, aber egal wie wir uns Ansehen unsere Illusionsfähigkeit spielt dabei immer eine ganz wichtige Rolle.


Doch was ist wenn unsere Illusionsfähigkeit mal nicht so ausgeprägt funktioniert, wenn rationelle Denkweisen ihr in die Quere kommen?

Mir geht das in letzter Zeit so. Nein nicht das ich es jetzt bedauere meinen Weg endlich gegangen zu sein, auch rationell betrachtet ist es das einzig Vernünftige was ich machen konnte. Doch ich merke auch immer wieder, dass ich keine reine Frau bin sondern eine Transgender. Und ich merke, dass meine Kompromissbereitschaft in meiner Partnerschaft und im Familienumfeld auf ihre natürlichen Grenzen stößt. Bislang war es mir wichtig für mich einen "inneren Frieden" zu finden, Hormone und die Anpassung meines Auftretens sind ein wichtiger Teil dieses Vorhabens. Was jedoch Familie und Partnerschaft angeht, wollte ich einen möglichst gleitenden und reibungsfreien Weg gehen. Ich gestand meiner Frau zu mich weiterhin als ihren Mann zu bezeichnen, äußerte mich gegenüber meiner Familie kaum zum Thema Trans und wenn dann nur wenn ich gefragt wurde, und versuchte mich im Arbeitsleben möglichst Geschlechtsneutral zu verhalten.

Es fing an damit, dass es im Bett nicht mehr so klappte. Klar, Androcur hat eben so seine Wirkung.... . Was für mich zu erst eine absolutes Freudenerlebnis war, änderte sich mit der Zeit zu einem kleinen Problem, wollte ich doch weiterhin Sex mit meiner Frau haben. Frei abgewandelt nach Wilhelm Busch gesagt: also lautet der Beschluss, dass der Mensch was ändern muss! Ich reduzierte also Androcur bis das Problem gelöst schien, mit dem Ergebnis, dass die Dosierung so gering war, dass ich es auch Absetzen konnte. Was ich dann auch vor einigen Wochen tat. Doch nun traten die möglichen Begleiterscheinungen von Estrogengaben in Erscheinung: das Untier erwacht zum Leben (Sorry für diese merkwürdige Umschreibung aber auch ich habe meine Schamgrenze)! Und diese Tatsache ist alles andere als toll, war ich doch froh dieses Gebilde abgeschaltet bekommen zu haben. Jetzt stehe ich wieder vor der Entscheidung entweder Androcur erneut in minimaler Dosis einzunehmen oder aber die Estradiolgaben drastisch zu erhöhen. Meine Illusion einen Mittelweg zu gehen hat hier einen kräftigen Dämpfer bekommen. Kann es sein das der Mittelweg hier nicht funktioniert?

Nächstes Problem, Familie und Beruf: Ich habe ja schon darüber berichtet, dass sich mein Betrieb im Haus meiner Eltern befindet. Das hat den Vorteil, das ich einen großen Teil der Infrastruktur der Familie mit benutzen kann und den Nachteil, dass ich während der Zeit meiner Anwesenheit in ständigem Kontakt zu ihnen stehe. Da ich berufsbedingt auf ein MakeUp verzichten kann und muss, stehe ich den größten Teil meines Arbeitstages ungeschminkt im Leben. Zwar sieht man mir eine weibliche Veränderung an, doch so richtig ernst genommen wird das von niemandem, auch nicht von meiner Familie. Zwangsläufig kommt es dann hin und wieder zu Reibungspunkten zwischen meiner Familie und mir, wenn wir uns über Kleidung, Kleidungsstile oder aber MakeUp unterhalten. Meine Mutter weiß zwar von meinem "Problem" akzeptiert es aber nicht, wohl auch deshalb, weil sie mich die überwiegende Zeit nur in Baustellenklamotten sieht. Hier müsste ich sehr wahrscheinlich eine klare Frau abgeben damit man mich auch nur ansatzweise ernst nimmt, doch unter den aktuellen Bedingungen ist dies ganz und gar nicht umsetzbar, als Landschaftsgärtnerin werde ich die erwünschte Wirkung wohl nur über einen sehr langen Zeitraum hin bekommen. Auch hier schwindet meine Illusion mit jedem Tag den ich dort verbringen muss. Ein gleitender Übergang scheint hier nur mit sehr viel Toleranz und Durchhaltevermögen verbunden zu sein.

Das gravierendstes Problem liegt jedoch in der Beziehung: Ich verändere mich - deutlich! Was jetzt wahrscheinlich erst einmal als sehr positiv angesehen werden kann, ist für meine Frau das genaue Gegenteil. Sie sieht immer mehr eine Partnerin in mir und das verunsichert sie; und nicht nur sie. Ich kann zwar ohne Probleme mit dieser wunderbaren Vorstellung einer lesbischen Beziehung umgehen, nur sie kann dies anscheinend überhaupt nicht. Das heißt, ich bin mir nicht sicher ob sie es nicht doch kann wenn wir es schaffen gegen die gesellschaftlichen Grenzen anzuschwimmen. Doch gleicht dieses Vorhaben einer OP am offenen Herzen und es stellt sich die Frage: was ist wenn es nicht klappt? Unabhängig von allem ist: ich werde ihr so oder so Schmerzen zufügen und das zerreißt mir das Herz. Das perverse bei all dem ist, das wir uns beide besser denn je verstehen, in allen Bereichen. Nur scheinen da für beide Seiten unüberwindbare Grenzen zu existieren die unsere weitere Zukunft in Frage stellen: ich kann und will nicht zurück und sie wüsste auch das dies für uns beide nicht gut wäre. Und sie hat ein Problem mit einer Frau an ihrer Seite. Natürlich, wir arbeiten daran eine gemeinsame Zukunft zu erhalten, doch dies ist schwer. Meine Kompromissbereitschaft ihr gegenüber schwindet mit jedem Tag mehr. Wenn sie von mir als ihren Mann spricht, schmerzt mich das sehr, wohlweislich, dass ich ihr diese Freiheit zugestehe. Meine Illusion als Frau leben zu können wird so mit jeder Kleinigkeit in Frage gestellt; nicht nur von meiner Partnerin und meinem Umfeld, sondern auch von mir selbst.

Es kann noch so phantastisch sein sich im Spiegel zu sehen und sich selbst zu erkennen, doch das alles bringt nichts wenn der Alltag alles in einem anderen Licht erscheinen lässt. Diese hin und hergerissenheit nennt man in der Psychologie Kognitive Dissonanz, noch so eine interessante Problematik die man erst einmal verstehen muss. Es heißt, dass solch eine Kognitive Dissonanz das Denken und Handeln beeinflusst und manches mal auch zu anscheinend widersprüchlichem Verhalten führt. Vielleicht ist der von mir gewählte Mittelweg genau so ein Resultat dieser Dissonanz. Aber wenn ich so zurück denke würde ich es entweder genau so noch einmal angehen oder aber alles von vornherein anders machen. Letzteres würde mein gesamtes gelebtes Leben in Frage stellen und ich hätte schon als Kind zu meiner Weiblichkeit stehen müssen - ein sinnloser Gedanke. Es wird wohl nicht funktionieren diesen Weg ohne Kompromisse für sich und andere zu gehen. Da kann ich dann nur hoffen das uns die Fähigkeit zur Illusion nicht verloren geht. Was wäre schon eine Welt ohne uns schillernd bunte Wesen! ;-)


Montag, 24. Oktober 2011

Meine Seele hat kein Geschlecht

Teil 1 von 4


Teil 2 von 4


Teil 3 von 4


Teil 4 von 4



Samstag, 1. Oktober 2011

Der schuldige Beweis:

Vor knapp einem Jahr habe ich ja mal groß getönt, dass ich mich mit meiner damals neu erworbenen Nähmaschine nun ans Schneidern wagen würde. Seitdem ist einige Zeit vergangen und in der Tat habe ich es, trotz notorischem Zeitdefizit geschafft, mein Geschick in handwerklichen Dingen auch hier unter Beweis zu stellen. Das erste was ich nähte war eine Schürze für meinen Vater der, wie Männer eben so sind, es grundsätzlich ablehnte eine Schürze zu tragen da diese erstens viel zu klein für ihn seien und er zweitens als Mann saudämlich damit aussehen würde. Also bekam er von mir eine gaaaanz große Schürze in extra robuster Ausführung verpasst, damit er diese Argumente nicht wieder anwenden kann. Außerdem sieht diese Schürze jetzt auch absolut männlich aus, so das er nun keine Angst mehr haben muss sich zum Deppen zu machen. Leider kann ich Euch kein Foto von diesem männlichen Prachtexemplar (ich meine die Schürze, nicht meinen Vater ;-) ) zeigen, da er sich vehement weigert in diesem Outfit fotografieren zu werden. Naja, vielleicht erwische ich ja noch irgendwann eine gute Situation und werde ihn unauffällig beim kochen oder backen ablichten können...

Meine nächsten Nähschritte waren hingegen etwas einfacher und bezogen sich mehr auf die Ausbesserung und Reparatur einzelner Kleidungsstücke, was nicht gerade sehr repräsentativ ist und deswegen auch nicht als Fotobeweis herhalten kann.

Ach ja, meine Frau und Partnerin wollte unbedingt neue Kissenbezüge für unser Sofa haben, und so nähte ich sie ihr kurzerhand. Doch oh je, jetzt hat sie Kissenbezüge aber noch immer keine passenden Kissen zu ausfüllen, daher muss auch diese Beweislast erst einmal zur Seite geschoben werden.

Also kommen wir zu meinem bislang größten Highlight, dem Cocktail-Kleid. Eigentlich sollte es ein Kleid für meine Frau werden und so suchten wir gemeinsam nach einem passenden Schnitt aus dem Burda Sortiment.Und da die Idee zum Kleid im Frühjahr aufkam, entschieden wir uns für ein luftiges Sommer-Cocktail-Kleid. Da es mein erstes komplettes Kleidungsstück sein würde und es auch mein erster Versuch mit einem vorgegebenen Schnitt werden sollte, entschied ich mich für einen sehr günstigen Stoff, der zufälligerweise zum damaligen Zeitpunkt im Angebot war. Meiner Frau sagte dieser leichte Stoff mit seinem Muster zwar nicht so zu aber in Anbetracht der Prototyp-Situation und der Tatsache, dass sie womöglich dieses Kleid sowieso nur auf der heimischen Terrasse tragen könnte, akzeptierte sie meine Auswahl.

Im Nachhinein betrachtet wäre solch ein Kleid locker an einem ausgiebigen Arbeitstag fertigzustellen. Da ich aber beruflich sehr eingespannt war und mich auch erst mit den Vorgaben eines fertigen Schnittes auseinander setzen musste, wurde dieses Projekt zu einer Langzeitbeschäftigung über mehrere Monate (mit entsprechenden Pausen zwischen den einzelnen Arbeitsschritten). Mitten im verregneten Sommer war es dann soweit und das Kleid war endlich fertig. Doch leider war das Wetter alles andere als passend für solch ein Kleid und so blieb es nach einer ersten Wäsche mehrere Wochen am Grunde unseres Bügelbergs liegen und geriet fast schon in Vergessenheit.
Nachdem ich mich dann endlich durch den Wäscheberg gebügelt hatte und das Kleid bereit gewesen war aufgetragen zu werden, fehlte meiner Partnerin die Gelegenheit und die Lust es zu tragen. Und so lag es nun im Schrank und wurde von einem Kleidungsstück nach dem Anderem überlagert bis es gänzlich aus dem Auge verschwand.
Doch dann passierte mir beim abermaligen Bügeln ein kleines Missgeschick und es fielen beim Einräumen einiger Blusen einige Kleidungsstücke aus dem Regal, darunter auch das Cocktail-Kleid. Und da war es dann wieder, mein Musterstück und Prototyp auf den ich so stolz war. Ich fragte mich, ob es mir wohl auch passen würde, immerhin bin ich locker einen Kopf größer als meine Partnerin, dafür haben wir aber obenherum in etwa die gleichen Maße. Vielleicht wäre es etwas kürzer als bei ihr aber sonst müsste es eigentlich passen. Um diese Frage zu klären blieb nur eine Lösung übrig: anziehen!

Und was soll ich Euch sagen, ich habe mich verliebt. Nicht nur das ich es selber gemacht habe und es mir sogar passt. Auch wenn es an mir eher wie ein Mini-Kleid wirkt, es steht mir gut und trägt sich auch wunderbar (trotz billigem Stoff!). Leider ist das Foto etwas unscharf geworden, das habe ich erst im Nachhinein am Rechner festgestellt. Und auch die Pose ist nicht wirklich anschaulich da ich obenherum doch etwas eingeklemmt wirke (was aber nur auf dem Bild so wirkt), hier werde ich mit einem neuen Bild noch nachbessern müssen. Aber als Beweis dürfte es trotzdem tauglich sein. Und wenn ich das nächste Mal wieder zu Hause bin, werde ich versuchen ein besseres Foto zu schießen, bis dahin soll dieses hier ausreichen.


Ich kann Euch nur sagen, es ist ein schönes Gefühl etwas selber gemacht zu haben. Das wusste ich zwar auch schon vorher aber in Bezug auf ein Kleidungsstück ist es noch einmal etwas anderes. Ich werde auf jeden Fall am Ball bleiben, habe mir die nächsten Projekte schon ausgedruckt und muss sie mir nur noch zusammen kleben und den passenden Stoff bestellen. Und dann kann die kalte Jahreszeit kommen, ich habe genug zum nähen! :-)

Freitag, 5. August 2011

Lernen los zu lassen.

In einem Zimmer im Haus meiner Eltern steht ein großer schwarzer Verstärker-Turm - 2x 200 Watt geballte Röhren-Power die ausreichen würde ein mittleres OpenAir mit Gitarrenklängen zu beschallen ohne dabei auf eine zusätzliche Beschallungstechnik zurückgreifen zu müssen. Der Turm steht dort schon seit einiger Jahren ohne das jemand darauf spielt. Und das nicht nur weil mittlerweile die Röhren nicht mehr so gut klingen und unbedingt ausgewechselt werden müssten, sondern auch weil ich überhaupt keine Lust mehr habe damit Krach zu machen. OK, manches Mal überkommt es mich doch und ich würde die Kiste gerne mal wieder anschmeißen. Doch wozu? Einen Verstärker dieser Art spielt man nicht bei Zimmerlautstärke und schon gar nicht ohne Begleitung. Gut, die passenden Begleitinstrumente stehen auch noch irgendwo im Haus herum: Das Schlagzeug und die große alte Hammond-Orgel im Keller, ein Klavier im Dachgeschoss und diverse Verstärker für Keyboard und Gesang in den ehemaligen Jugendzimmern. Sie stehen allesamt nur noch rum obwohl sie noch voll funktionstüchtig sind, einzig auf dem Klavier und je nach Lust und Laune auf der Hammond spiele ich noch wenn mir danach ist. Und selbst die Gitarren die ich in meiner Wohnung stehen habe werden nur sehr selten und dann auch oft nur lustlos bespielt. Eigentlich ein Jammer wenn man bedenkt wie intensiv meine Geschwister und ich dieses Hobby einst betrieben haben. Und nun? Nur noch Stille und Lustlosigkeit weil keiner von uns mehr die Zeit und die Muße hat sich der Musik zu widmen.

Voriges Jahr kam mein Bruder auf die Idee die Hammond verkaufen zu wollen. Doch als wir dann zusammen im Keller vor dem tollen Instrument standen und es mal wieder anspielten, konnten wir es nicht übers Herz bringen dieses Gerät abzugeben. Und das obwohl es in dem Keller eigentlich komplett deplatziert ist; bei einem Gospelchor oder in einem Konzertsaal oder zumindest in einem großen Wohnzimmer wäre dieses erhabene Instrument sicherlich besser aufgehoben als in diesem kleinen Heizungskeller der einstmals unser Proberaum war.

Mein Gott was haben wir Geld in dieses Hobby gesteckt. Meinen Verstärker kaufte ich mir von der Versicherungssumme die ich ausgezahlt bekam als mir jemand meinen Wagen zu Schrott fuhr. Den dicken Bass-Verstärker meines Bruders finanzierte ich für ihn weil er selbst noch kein Geld verdiente und er ja mit seinem Instrument mit meiner Anlage mithalten musste. Und auch die anderen Instrumente haben wir uns von dem Geld gekauft das wir eigentlich besser als Rücklage für zukünftige Investitionen verwendet hätten. Wenn ich bedenke, das alleine die Hammond von sechs bulligen Möbelpackern in unseren Keller geschleppt wurde weil uns nicht klar war wie groß dieses Ding tatsächlich ist. Eine Bekannte sagte uns nur wir könnten für kleines Geld eine Hammond-Orgel bekommen und wir dachten bei dem Preis natürlich an ein Hammond-Keyboard und willigten ein. Doch was wir bekamen lässt Helmut Zerletts TV-Orgel richtig klein aussehen. Überhaupt meinten wir es müsste immer alles in Bühnenqualität und -größe sein. Aber wir waren ja auch davon überzeugt mit unserer Musik etwas erreichen zu können. Gut, das haben wir (zumindest aus unserer Sicht) dann auch geschafft. Aber dann kam der große Bruch und wir verloren mit einem Mal die Lust an der Musik. Und heute stehen die Errungenschaften dieser Zeit noch immer verloren in längst unbelebten Räumen im Haus unserer Eltern oder verstreut in Kisten und Koffern in unseren Wohnungen. Doch sie zu verkaufen oder anderweitig weg zu geben, schaffen wir einfach nicht.

Dabei ist das alles überhaupt nicht mehr zweckmäßig und selbst wenn wir heute noch Musik machen würden, ich würde mir so einen großen Verstärker nicht mehr kaufen - kleine Amps klingen genauso gut und lassen sich auch bei Zimmerlautstärke spielen, und selbst auf der Bühne werden sie selten lauter gespielt weil ja doch alles nochmals abgenommen und verstärkt wird. 'Los lassen' wäre hier eigentlich die richtige Parole. Doch wie macht man das?

Im letzten Post habe ich im Dialog zwischen Christian und Christina auch den Punkt des 'los lassen' angeschnitten, weil ich mich von den ganzen Trans Themen überfordert fühle. Ich war sogar fast so weit mich von allem abzumelden was ich zu diesem Thema abonniert habe oder beigetreten bin. Facebook ekelte mich sogar besonders stark an weil es einem keine Zeit zum verschnaufen lässt. Immer wieder hat irgend jemand irgend etwas gepostet wovon ich meinte es lesen zu müssen oder einen Kommentar abgeben zu müssen. Es war einfach zu viel. Und je mehr ich mich damit beschäftigt habe stellte ich auch fest, dass vieles von dem was mir dort mitgeteilt wurde nicht nur überflüssig war sondern vielfach auch extrem negativ auf mich einwirkte. Es ist in etwa so als wenn mich dieser ganze Kram nichts mehr angehen würde. Doch als ich dann kurz davor war alles zu beenden, konnte ich es nicht. Es kam die Angst auf, Kontakte und Anschluss zu verlieren die ich mir als Christina in der letzten Zeit aufgebaut hatte. Und das zu Recht, denn Christina hat es nach vielen Jahren endlich geschafft zu sich zu stehen. Und wenn ich eins will, dann ist es das Leben von Christina auch wenn Christian dabei immer eine gravierende Rolle mitspielen wird.

Wenn ich, wie jetzt gerade, beim schreiben meine MP3-Sammlung abspiele, kommt bei mir regelmäßig der Wunsch auf wieder Musik zu machen. Es wäre heute wohl nicht mehr in erster Linie der harte Sound wie damals als Gary Moore oder Eddy van Halen meine großen Vorbilder waren - mich zieht es schon seit längerem mehr zu jazzigen und souligen Rythmen und kräftigem Groove zum jammen..... . Aber dafür brauche ich keinen Bühnenverstärker oder eine Orgel die ein ganzes Zimmer in Anspruch nimmt. Die Vergangenheit spielt einfach keine Rolle mehr, sie ist nur noch eine schöne Erinnerung bei der ich mich darüber freue sie nicht professionell gegangen zu sein.

Und beim Thema Transsexualität ist es ähnlich. Ich muss mit dem Sinnsuchen und Horten von Informationen aufhören sonst reißt es mich nach unten. Die Differenz zwischen der Geschlechtlichkeit von Christian und Christina ist keine Frage mehr des 'Warum' und 'Wie umsetzbar?', sondern es ist eine verstandene Realität geworden: Ich bin wie ich bin. Und ganz wichtig: Ich komme damit klar und es gefällt mir!

Ich glaube es war Svenja die mal geschrieben hat "Trans ist nicht mein Hobby". Wie wahr diese Aussage doch ist!

Es ist zwar nicht so, dass mich die Schicksale anderer unberührt lassen und auch mein Wunsch anderen zu Helfen ist weiterhin sehr stark vorhanden. Doch sehe ich ein großes Problem in meinem etwas anderen Lebenswunsch. Ich gehöre, wenn man den ursprünglichen Sinn zu Grunde legt, nicht zur Gruppe Transsexueller, sondern zu jenen die ursprünglich als Transgender bezeichnet wurden. Natürlich, diese Begriffe sind mittlerweile vereinheitlicht und kaum jemand kennt den ursprünglichen Unterschied noch, was ich einerseits verstehe aber andererseits auch sehr schade finde. Denn es besteht schon ein großer Unterschied zwischen jenen die eine geschlechtsangleichende OP in Erwägung ziehen und jenen die das für sich ausschließen , wie ich es tue. Nicht unbedingt in der Art wie wir leben, sondern eher in Bezug auf die Gesprächsthemen und Zukunftsziele. Für mich spielen GaOP Themen nicht nur keine Rolle, sondern sie nerven mich mittlerweile auch. Nicht das man mich falsch versteht, ich habe große Hochachtung vor all jenen die diesen Weg für sich gehen müssen und ihn auch schaffen umzusetzen. Aber für mich spielt das alles keine Rolle, ich will und muss mich mit dem Thema GaOP nicht auseinander setzen - es ist eben nicht mein Thema. Doch genau dieses Thema ist es, dass in Trans-Foren und Gruppen eine zielgebende Rolle spielt. Und daher werde ich mich zukünftig aus diesen Gruppen ausklinken.

Das ich meinen Verstärker noch nicht verkauft habe liegt sicherlich auch daran, dass ich heute nicht mehr das Geld dafür bekommen würde was ich ursprünglich investiert habe. Und da dieses robusten bühnentaugliche Geräte auch mit zunehmendem Alter eigentlich nicht so schnell kaputt geht (wenn man mal vom Verschleiß der Röhren absieht) könnte ich ihn auch noch spielen wenn ich mich dazu entschließen sollte irgendwann mal einer OldieCover-Band beizutreten - was hoffentlich nie passieren wird!!!!

Ich werde auch meine noch teilweise vorhandene Vergangenheit als Christian nicht vollständig ablegen, denn ohne ihn würde Christina nicht leben. Aber ich werde meine Sinnsuche zur Geschlechtsdifferenz beenden. Vielleicht bin ich nicht einmal richtig Transgender und vielleicht gibt es für das was ich für mich gewählt habe auch keinen eindeutigen Begriff (wenn man mal von sehr fragwürdigen Begriff "Shemale" absieht). Wie schnell und wie stark ich meinen Körper noch verändern werde weiß ich nicht. Mit dem was ich allerdings schon jetzt erreicht habe bin ich sehr zufrieden. Und dieses zwischengeschlechtliche Auftreten gefällt mir mehr als gut. Es unterstreicht meine provokative Persönlichkeit und meine anarchistische Einstellung - ich war schon immer gerne eine Einzelgängerin und möchte es auch bleiben. Von daher sind andere Ziele in meinem Leben wesentlich wichtiger geworden als die Erörterung des Für und Wider von Trans*. Ich habe auch Angst mich früher oder später in Widersprüchen zu verwickeln oder anzuecken, nur weil meine Einstellung zu diesem Thema etwas anders aussieht und ich ein anderes (vielleicht eigenwilligeres) Leben bevorzuge. Man sollte eben nur über das reden, wovon man eine Ahnung hat oder was einen interessiert. Ob der Blog "The-sweet-brain - Dein Kopf muss mit" dabei weiterhin die richtige Plattform sein wird ist mir noch nicht so ganz klar, aber ich denke eher nicht. Es wird eben Zeit los zu lassen...!

Donnerstag, 21. Juli 2011

Von Mann zu Frau - Wie geht´s weiter?

Christian: Was ist los mit Dir Christina? Du machst so einen niedergedrückten Eindruck.
Christina: Mhh, das kann ich Dir gar nicht so sagen, Christian. Eigentlich mache ich mir nur mal wieder so meine Gedanken.
Christian: Und was für Gedanken?
Christina: Kritische Gedanken?!
Christian: Aha!? Kritische Gedanken also. Worüber denn?
Christina: Na so über alles und ganz besonders über mich und uns. Letztens hat mir jemand auf Facebook innerhalb einer Trans*-Gruppe die Frage gestellt, wann ich meine GaOP hatte und ...
Christian: Ach ja, das habe ich auch gelesen.
Christina: ... ja? Und, was ging Dir dabei durch den Kopf?
Christian: Na, typisch Transen eben!
Christina: Hää?
Christian: Naja, das es eben eine typische Frage unter Transen ist. Zu Anfang dreht sich alles nur um das Thema "Ich will/muss als Frau leben", dann kommt der Punkt wo nur noch über Hormone, Kosmetik und Passing diskutiert wird und letztendlich steht dann das Thema GaOp an. Und für die Hardliner bleibt anscheinend zum Schluss nur noch das Thema "Anerkennung". So quasi der letzte Strohhalm an den sie sich klammern können um überhaupt noch etwas sagen zu können. Typisch Transen eben!
Christina: Was willst Du mir denn jetzt damit sagen? Du kannst Dir doch gar nicht vorstellen wie schwierig dieser Weg für uns ist. Zu Anfang muss man schließlich erst einmal kapieren was mit einem los ist. Dann kommt der schwierige Spagat seine äußere Erscheinung zu ändern und anzupassen und wenn man dann alles gemacht hat steht immer noch die gesellschaftliche Akzeptanz im Raum....
Christian: ... jajaja, iss schon klar, hast Du mir ja schon tausendmal erklärt. Ich habe damit ja auch kein Problem, ihr seid halt wie ihr seid. Aber Du scheinst damit ja ein Problem zu haben, sonst hättest Du das  Thema nicht angeschnitten. Was waren denn Deine ersten Gedanken zur Facebook Frage?
Christina: Mhh. weiß nicht. War schon etwas komisch so etwas gefragt zu werden. Ich meine, ich will ja selber keine GaOp. Irgendwie konnte ich mich daher mit dieser Frage auch gar nicht identifizieren. Sie war einfach so... na so fehl am Platz ... und sie war auch etwas abwertend, finde ich...
Christian: Abwertend? Wieso das? Es ist doch nur eine Frage und keine Unterstellung.
Christina: Doch, es ist eine Unterstellung. Es ist die Unterstellung, dass es einen festen Weg gibt den wir zu gehen haben. Eine neugierige Frage wäre gewesen: "Hast Du vor Dich einer geschlechtsangleichenden Operation zu unterziehen?" oder "Hast Du eine GaOp machen lassen und wenn ja wo?"
Christian: Aha?!?! Ich sehe die Frage dann aber eher als ein Kompliment an. Anscheinend ist dein Auftreten, oder wie Du es sagen würdest Dein Passing, so gut, dass angenommen wird Du hättest schon alles hinter Dir.
Christina: Hinter mir? Was habe ich hinter mir, was kann man bei Transsexualität hinter sich lassen? Ich bin mitten drin und wäre es auch nach einer OP. Eine Endlösung gibt es für uns nicht nur einen Weg den wir beschreiten können und der mehr oder weniger "normal" ausfallen kann. Aber das scheinen viele von uns einfach zu vergessen, sonst würden nicht so blöde Fragen gestellt werden!
Christian: Ich sag´s ja: Transen eben!
Christina: Lass Deinen Sarkasmus, Christian.
Christian: Was heißt hier Sarkasmus? Du siehst es doch selber so, sonst würdest Du Dich nicht so darüber aufregen. Hast Du Dir nicht die ganzen Fragen schon bis zum Erbrechen selber gestellt. Und manches mal hatte ich den Eindruck, dass Dich diese ganze Lebenssinn-Suche im wahrsten Sinne des Wortes zum kotzen hätte bringen können, so sehr hat es Dich mitgenommen. Du willst keine OP, na gut. Aber ich habe Dich auch schon dabei erwischt wie Du an dieser "Gewissheit" gezweifelt hast oder sie zumindest in Frage stelltest. Es ist eben ein typisches Thema für Euch. "Normale" Menschen würden über solche Fragen eh nicht nachdenken wollen - warum auch.
Christina: Mich ärgert nicht die Tatsache, dass wir uns gegenseitig helfen und Mut zusprechen wollen - dass ist eher ein starkes Zeichen von Hilfsbereitschaft und Mitgefühl unter uns. Mich ärgert der Opportunismus der oft bei all den aufopferungsvollen Hilfestellungen mit eingebracht wird. Die allermeisten sind selber nicht bereit ein drittes oder viertes Geschlecht zuzulassen. Und vielfach kommt auch die unterschwellige Behauptung zum Vorschein, dass nur wirklich TS ist wer auch den "ganzen" Weg geht. Wobei sich hier sehr kritisch und mit Recht die Frage stellen lässt: Wie sieht der "ganze" Weg aus? Nur GaOp und Personenstands- bzw. Namensänderung oder muss auch eine Stimmband-OP bzw. logopädische Stimmbildung, Brustvergrößerung oder sonstige schönheitschirurgische Maßnahme mit eingebaut werden? Wo beginnt dieser Weg und noch schlimmer, wo soll er enden?
Christian: Jetzt wirst Du aber fast schon polemisch. Du unterstellst hiermit ja, dass viele von Euch nur einem Bild hinterher laufen und keine objektive Lebensverbesserung im Sinn haben. Das wäre aber eine sehr harte Unterstellung für die Du keine Beweise hast.
Christina: Das ist ja der Grund warum ich mich so niedergedrückt fühle. Ich komme damit einfach nicht klar! Ich habe für mich eigentlich einen sehr ausgeglichenen Punkt gefunden: Mein Körper ist weiblich geworden nur der Bart stört noch. Und Theoretisch könnte jetzt alles so bleiben wie es ist. Ich fühle mich als Christina genau so wie als Christian da wir beide eins sind. Auch mein Passing gefällt mir sehr gut, ich kann mich voll und ganz damit identifizieren. Wie gesagt, nur der Bart stört noch aber dagegen werde ich ja noch was machen. Nur alles andere will ich nicht. Nicht nur weil ich Angst von einer OP hätte, sondern auch weil ich diese als nicht notwendig ansehe. Das Risiko-Nutzen-Verhältnis ist mir viel zu groß. Und was die Namens- oder auch Personenstandsänderung betrifft, so habe ich keine Lust mich anderen gegenüber rechtfertigen zu müssen. Oder um es kurz zu machen: Mir hängt der gesamte Rechtfertigungsdruck darüber Wer man ist, was man ist und wie man ist zum hals raus. Ist Dir mal aufgefallen, dass wir mittlerweile einen riesengroßen Teil unserer Zeit mit Nachdenken über das Thema Transsexualität verbringen! Das kann doch nicht sein, oder? Wo bleibt das Leben?
Christian: Womöglich ist für viele Transsexualität "das Leben", weil es sie lange verfolgte ohne dass sie wussten was es war. Und heute beschäftigt es sie, weil sie darin eine existenzielle Identifikation sehen, auch wenn sie sie sich eigentlich als Frauen ansehen. Aber es ist eben eine Erklärung für ihr Verhalten, so wie bei Dir!.
Christina: Und was ist mit dem Rest? Ziele, Ideen, Träume? Was ist damit, verschwinden sie unter der Erkenntnis Transsexuell zu sein? Spielen all diese Faktoren keine Rolle mehr? Oder ist die Tatsache sein wahres Geschlecht anzuerkennen schon die Erfüllung all dieser Zukunftsphantasien und -ziele?
Christian: Das kann ich Dir nicht sagen. Aber es sind auch wohl eher lebensphilosophische Fragen die Du hier aufwirfst, für die es womöglich auch keine konkrete Antwort geben wird, es sei denn Du findest sie für Dich selber! Sieh es mal so, ein unklares Kapitel ist dann abgeschlossen, wenn alle relevanten Fragen beantwortet wurden. Womöglich hast Du Deine für Dich wichtige Fragen bereits beantwortet und solltest jetzt los lassen. Was die Fragen zu oder über andere angeht sollte nicht Dein Problem sein. Eure Transsexualität scheint genauso komplex zu sein wie die Gesellschaft ist in der ihr lebt. Letztendlich spiegelt auch Ihr nur die Gesellschaft wieder, wenn auch in einem etwas abgeschlosseneren Kreis. Nenn´ uns Christina oder Christian, es spielt doch eigentlich keine Rolle denn wir fühlen beide das selbe. Lass uns unser Leben optimistisch und lebensfroh leben und nicht pessimistisch und kriesengeschüttelt. Du hast Deine Zufriedenheit gefunden, dann lebe sie und lass die Suche nach Antworten über Dinge die Dich nicht betreffen sondern nur irritieren. Helfen wirst Du eh nicht können!
Christina: Meinst Du, dass ich diesen Punkt schon erreicht habe?
Christian: Ich weiß nicht. Das kannst Du nur für Dich selber klären. Fakt ist, dass Du Dich angegriffen fühlst obwohl es Dich eigentlich kalt lassen müsste. Entweder Du hast Dich Deinen inneren Fragen noch nicht ganz und konsequent genug gestellt oder Du bist fertig mit dem Thema. Hierüber solltest Du noch einmal intensiv nachdenken.
Christina: Vielleicht hast Du ja recht. Ich werde mal intensiv darüber nachdenken!


Mittwoch, 15. Juni 2011

Nur "Zufrieden sein" reicht nicht mehr!

Im gewissen Sinne ist das was ich jetzt schreibe eine persönliche Revision meiner eigenen Einstellung; meiner geglaubten Überzeugung.

Bislang war ich davon überzeugt alleine durch die für mich gefühlsmäßig wichtigen Veränderung an meiner Person im physischen und die Anpassung meines Denkens (also der psychischer Ebene) die Zufriedenheit zu erlangen, die ich benötige um mit meiner Transsexualität zurecht zu kommen.

Und in der Tat, durch die hormonellen Einflüsse hat sich mein Leben wesentlich verbessert. Ich kann mich mit meinem Körper endlich indentifizieren - wenn auch noch nicht zu 100%. Aber ich bin stolz auf meinen mittlerweile klar erkennbaren weiblichen Körper, meine Gefühlswelt hat endlich auch eine Grundlage bekommen und der nahezu gänzlich verschwundene männliche Geschlechtstrieb  hat eine Ruhe in mein Leben gebracht die ich nie mehr vermissen möchte. Eigentlich alles in allem kein Grund auch nur ansatzweise deprimiert zu sein.

Aber auch wenn ich immer gesagt habe ich möchte nicht weiter gehen als bis zu meiner persönlichen Zufriedenheit, so ist dieses Gefühl der Zufriedenheit trotz immenser Fortschritte doch wieder etwas weiter in die Ferne gerückt. Es scheint mir ein wenig so zu sein, dass je mehr ich an Erfolgen für mich erziele, die Zufriedenheitsschwelle sich ebenfalls verschiebt - und zwar nach hinten!

Wo ich noch vor Wochen stolz wie eine Aschenputtel war wenn ich mich im Spiegel als klar weiblich erkannt habe und die Leute mich verwundert angeschaut haben. So fällt es mir heute immer schwieriger in meinem Spiegelbild eine Frau zu entdecken. Und auch in der Öffentlichkeit habe ich den Eindruck nicht mehr so wahrgenommen zu werden. Und das alles, obwohl ich wesentlich intensiver mit Schminken und Kleidungsauswahl beschäftigt bin als vorher. Aber da sind diese Kleinigkeiten, von denen ich immer gedacht hatte sie würden nur verbissenen Spießern auffallen, die mich in letzter Zeit nur all zu oft resignieren lassen.

Da wäre zum einen der Bart, der sich zwar gut abdecken lässt, den ich aber trotz liberaler Einstellung zu ihm immer noch sehe. Ich neige sogar schon dazu mich zu Fragen, ob eine Laserbehandlung da wirklich eine Verbesserung sein könnte. Immerhin und zudem hat mein Gesicht unter diesem Bart ja auch noch (zumindest für mich) männliche Züge.
Dann kommen meine Haare. Einfach nur wachsen lassen und ggf. Spitzen schneiden reicht wohl auch nicht. Ich muss meine Frisur ändern, aber wie...? Der Wirbel zeigt gerade am Hinterkopf so klassisch männliche Strukturen und ich habe den Eindruck, je mehr ich sie wachsen lasse umso männlicher wirkt es.
Weiter geht es mit meinem Oberkörper und den Armen. Viel zu viel Muskeln am Oberarm. Zu viel Haare (wenn auch kurz rasiert) auf den Unterarmen. Und zu wenig Oberweite und das, obwohl ich schon bei Körbchengröße B angelangt bin. Aber bei einem 85er Unterbrustumfang und einer Größe von 186cm fallen diese kleinen Dinger nur bescheiden auf.
Mein Verhalten scheint für mich auch noch mit viel zu viel männlichen Allüren behaftet zu sein. Das liegt wohl auch an meinem Job der mich auf der Baustelle nicht wirklich weiblicher werden lässt - wie auch....
Und meine Stimme erst. Neulich saß ich in der Bahn, halbwegs mit meinem Outfit zufrieden, da spricht mich ganz unerwartet mein Sitznachbar an und ich antworte erschrocken im tiefsten Wortlaut. Der hat vielleicht Augen gemacht. Und nicht nur der. Anscheinend war mein Passing bis dahin relativ gut angekommen. Nur dieser kleine ungezügelte Lapsus machte mit nur einem Wort alles zunichte. Ich war so stinkig auf mich, dass ich am liebsten laut geflucht hätte. Aber dann viel mir ein, dass solch ein rausgehauenes Fluchen weder die Situation verbessern würde noch mein Passing optimieren könnte sondern einfach nur typisch Mann gewesen wäre. Also hielt ich tief verärgert über mich selbst die klappe und versuchte zu retten was zu retten war.
Aber solche tiefstimmigen Verhauer passieren mir in letzter zeit immer wieder und das nervt nicht nur, nein es nimmt mir sogar oft den letzten Mut den ich aufgebracht habe um mich überhaupt zu präsentieren.

Bei all der Auflistung merke ich so langsam, dass es doch nicht genug ist einfach nur seine Zufriedenheitsgrenze zu erlangen. Ich will mehr. Nein, ich brauche mehr um mich RICHTIG zu fühlen!

Mein Kleidungsstil ist bislang ja eher Androgyn. OK, der allermeiste Teil den ich so auftrage ich schon aus der Frauenabteilung. Nur noch selten (bis auf meine Arbeitsklamotten) trage ich für Männer geschneiderte Sachen. Aber mein Stil ist doch irgendwie burschikos, bestehend aus Jeans, Shirts und Tops, Sneakers und lockeren Hemdblusen. Also alles was viele Frauen aber auch Männer tragen. Doch obwohl diese Sachen überwiegend für Frauen gemacht sind, machen sie mich nicht so weiblich wie ich es gerne hätte. Da fehlt noch etwas nur weiß ich nicht was. Natürlich könnte ich jetzt auf Kleider und Röcke umsteigen, aber da habe ich einfach noch nicht das richtige gefunden.

Das Dumme ist, dass eine biologische Frau auch mal "coole" klamotten tragen kann ohne gleich als Mann angesehen zu werden. Aber eine Trans-Frau kann das nicht. Wir müssen wesentlich klischeeorientierter in die Klamottenkiste greifen als unsere beneidenswerten Kolleginnen, nur um auch als Frau angenommen zu werden. Wenn ich ehrlich sein darf, passt mir dass aber überhaupt nicht. Und ich komme damit auch nicht so klar denn meine persönliche Wunschgestalt ist eben diese burschikose Art und nicht die Vollweib-Version. OK, es wird sicherlich auch Mittelwege geben die es mir ermöglichen werden das eine mit dem Anderen zu verbinden. Nur fehlt mir dazu einfach die Zeit und auch etwas das Geld um diese ganzen Varianten aus dem Blauen heraus einfach auszuprobieren.

Ja und nun sitze ich hier und komme zu der bitteren Erkenntnis: Ich werde wohl weiter gehen müssen als ich es mir bislang zugestanden habe. Nur Hormone und ein wenig angepasstes Outfit reichen nicht um mit sich zufrieden zu sein. Die Frau will mehr weil sie mehr benötigt. Für mich ist das momentan ein echter Kampf da es mir zeigt das unsere Situation noch viel komplexer ist als ich es mir trotz jahrelanger Auseinandersetzung vorgestellt habe. Vielleicht bin ich aber auch nur eine ganz naive Spätzünderin, ich weiß es nicht.

Wenn Du denkst,
dass Du denkst,
denkst Du doch nur ob Du denkst
aber denken tust Du nie!


... so kommt es mir auch oft vor!

Mittwoch, 1. Juni 2011

Glücklich sein, wenn Du es bist!

Letztens habe ich die Vermutung gelesen, dass wir (TS) dazu neigen uns übertrieben darzustellen und unser Auftreten über ein vernünftiges Normalmaß hinaus in Szene zu setzen. Ja dass wir mit dieser übertriebenen Art der optischen Präsentation selbst dazu beitragen, dass wir gerade in der Anfangszeit von unseren engen Vertrauten und Familienangehörigen abgewertet werden bzw. gemieden und sogar geächtet werden.

Aber, kann das sein? Sind wir oftmals auch selber daran Schuld, dass man uns abstoßend, peinlich oder einfach nur als geistig Krank empfindet?

Obige Vermutung kam übrigens aus unseren eigenen Reihen und in diesem Fall sogar nicht einmal von mir. Aber wenn ich ehrlich sein darf, es hätte von mir kommen können. Nicht zuletzt aufgrund meiner eigenen Erfahrungen in den letzten Woche.

Wie im letzten Post ja beschrieben, quälten mich in der letzten Zeit sehr starke Zukunftsängste, da ich nicht weiß, wie sich mein weiteres Leben im lang ersehnten Körper wohl entwickeln wird.
Werde ich meinen Job weiter ausführen können? Und wenn nein, wovon soll ich dann leben?
Werden meine Zukunftsträume und -ideen sich in Luft auflösen oder wird es einen Weg geben, diese auch im "neuen Leben" zu verwirklichen.
Und nicht zuletzt die wichtigste Frage derzeit überhaupt: Wird meine Beziehung all diese Veränderungen durchstehen und wenn ja, welche Opfer müssen dafür erbracht werden?

Als ich vor einigen Woche nach längerer Abwesenheit wieder nach Hause zu meiner Frau kam, schienen die Antworten zu den aufgestellten Fragen nicht gut auszufallen. Es schien sich ein dicker Abgrund zwischen mir und meiner Frau aufgetan zu haben. Ein Abgrund, der womöglich nicht einmal den Bau einer Verbindungsbrücke zulassen würde. Harmonie und Einheit schienen ausgeschlossen. Zwar gab es auf beiden Seiten eine kleinen Baum der Hoffnung, doch schien dieser viel zu klein und zu labil zu sein um den Abgrund zu überwinden. Das Schlimme war, wir beide sahen uns in der Opferrolle: Ich, weil ich mich in einer Beziehung befand, die keine zweite Frau zulassen würde. Und Sie, weil ich anscheinend doch angefangen hatte mich auf eine Art zu verändern obwohl ich ihr immer gesagt hatte ich bliebe der gleiche Mensch trotz meiner optischen Veränderungen.

Es hat knapp eine Woche gedauert bis wir uns beide wieder einigermaßen gefunden hatten. Eine Woche mit Tränen, Selbstvorwürfen und Selbstzweifeln und letztendlich auch viel intensiver Gespräche. Und die Erkenntnisse, die wir beide davon getragen haben, sind durchweg Positiv!

Der Grund für unsere Resignationshaltung war mein übertriebener Wunsch einem möglichst exakten Transidenten-Entwicklungsweg nachzukommen. Es war nicht die Kleidung oder das Schminken, sondern es war ein absolut überzogener Versuch auch die noch letzten männlichen Erscheinungsformen wie Gestik, Stimme oder Körperhaltung dem gängigen Frauenbild anzupassen. Doch was dabei heraus kam war wohl eher ein peinliches und sehr tuntiges Abbild einer billigen Transe. Im Nachhinein ist mir absolut klar, warum meine Frau so reagiert hat wie sie es tat. Ich hatte mich auf eine Art und Weise versucht zu verändern, die mich selber schon immer angewidert hatte. Die Person die ihr jetzt gegenüber stand war nicht mehr Ich-Selbst. Doch was noch wesentlich schlimmere war, ich habe es gar nicht bemerkt. Wie konnte es soweit kommen?

Meine einzige Erklärung dafür ist, dass ich die Wochen vorher einem sehr großen Stress und Druck ausgesetzt war der mir für eine Zeit lang die Fähigkeit nahm, mich selber zu fühlen. Alles was ich tat war nur noch einem reinen logischen Ablauf unterworfen. Und das ganze wurde auch noch damit untermauert, dass ich mich in dieser Zeit der Gefühlsarmut sehr viel mit Trans- und Frauen-Themen auseinander gesetzt hatte in der Hoffnung, mir damit etwas gutes zu tun - quasi als seelentröstendes Bonbon. Nicht, dass das Auseinandersetzen mit diesen Themen negativ einzuordnen sei. Aber es wurde in meinem Fall zu einem Strohhalm an den ich mich in dieser trostlosen Zeit klammerte.

Nur, jeder Mensch muss seinen eigenen Weg gehen und sein eigenes Glück finden. Das Blicken auf Andere kann zwar motivierend sein und auch zum erlangen von Erfahrungen führen. Aber es führt ab einem gewissen Punkt auch dazu den Blick für sich selbst zu verlieren und Selbstzweifel zu bekommen oder sogar in mutlosen Neid zu verfallen.

Jetzt wo ich wieder mehr Zeit mit meiner Frau verbringe und ich auch die Möglichkeiten habe mich mit mir selbst auseinander zusetzen, merken wir beide dass es nicht gut ist, wenn in einer ohnehin problematischen Zeit der Veränderungen auch noch Faktoren wie Arbeitsstress, längere Abwesenheit oder ähnliches auf uns zukommen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, man kann immer nur eine Baustelle nach der anderen abarbeiten. Alles auf einmal führt früher oder später zum absoluten Chaos.

Ich habe versucht die finanzielle Absicherung durch meine gewerbliche Selbständigkeit im Ruhrgebiet mitsamt dem festen Kundenstamm und die beruflichen Interessen meiner Frau und die damit verbundene Ansiedlung in Baden-Württemberg unter einen Hut zu bekommen. Das ich dabei den größeren Stress auf mich genommen habe, wollte ich mir nie eingestehen. Doch genau dieser Kompromiss hat unsere Beziehung an einen Punkt gebracht, der existenziell zu sein scheint - gerade auch im Zusammenhang mit meiner transidenten Situation. Und so geht es nicht weiter!

Für mich stehen die Konsequenzen fest:
Ich werde meine gewerbliche Tätigkeit im Ruhrgebiet zurückfahren um zusehen mich auch arbeitstechnisch in der heimischen Region anzusiedeln. Auf welche Art und Weise, kann ich noch nicht so ganz sagen - nur ein paar Ideen schwirren mir schon im Kopf herum. Natürlich ist dass nicht einfach und mit Risiken verbunden - gerade als transidente Frau. Aber es wird nicht anders funktionieren.

Ich versuche es mal positiv zu sehen, denn immerhin ist es nicht das erste Mal, dass ich einen Neuanfang wage. Bislang hat es immer geklappt, warum sollte dass jetzt nicht auch noch einmal funktionieren.

Auch wenn so manche Zukunftsfragen weiterhin im Raum stehen bleiben, ich werde das positive Denken nicht aufgeben - auch wenn ich zeitweise immer mal recht kritisch die Lage betrachte. Wichtig ist nur, dass ich eine Baustelle nach der anderen abarbeite, und die erste heißt ganz klar: "Partnerschaft"!

Übrigens, nachdem meine Frau und ich wieder zueinander gefunden haben, habe ich auch gemerkt, dass sie meine Veränderungen akzeptiert und wohl auch damit leben möchte. Einer ihrer wichtigsten Sätze war: "Ich bin glücklich, wenn Du es bist!"

Mittwoch, 18. Mai 2011

Titten, Bart und Muskelschwund...

Zum Abschluss einer Sitzung bei meinem Psycho-Coach habe ich ihn letztens mal gefragt, wie er mich sieht: als Mann oder als Frau?

Er grinste, überlegte kurz und sagte dann "Androgyn!".

War das jetzt eine Kränkung für meine Seele? Nein eigentlich nicht, denn Androgyn ist vollkommen ok. Alles andere hätte ich ihm sowieso nicht abgenommen. Nur wenn er "als Mann" gesagt hätte, wäre ich sehr wahrscheinlich zerbrochen.

Eine Woche später dann, bei einer weiteren Sitzung, sprachen wir meine Frage noch einmal an. Dabei erklärte er mir, dass er mich absolut als transsexuelle Frau sieht. Dass aber mein Aussehen nicht sofort darauf schließen lassen würde. Ich empfand seine Aussage jetzt sogar als Kompliment, denn es ist genau das, was ich beabsichtige.

Sagen wir es so, in der Pubertät (also der Zeit in der sich der Körper verändert und die Psyche hinterher kommen muss) fängt ein Mädchen auch nicht gleich an Mutters Klamotten in der Öffentlichkeit aufzutragen. Oftmals ist es ihnen sogar peinlich und sie haben Angst zu fraulich zu wirken. Bei mir ist das nicht anders. Ich erfreue mich über die Veränderungen meines Körpers und merke, dass sie mir gut tun und meinen Körper und mein Empfinden zusammen bringen. Aber für diese Phase benötige ich Zeit. Zeit mit diesen (zwar viel zu langsamen) aber doch letztendlich auch sehr schnellen Veränderungen mitzuhalten. Das ich zur Zeit ein androgynes Auftreten habe, gibt mir die Chance mich in aller Ruhe auf mein "neues" Leben einzustellen.

Dabei ist mein Leben ja gar nicht so neu. Denn nicht ich verändere mich, sondern nur mein Äußeres. Ich selbst bin und bleibe die alte Person die ich auch vorher schon war. Allerdings mit wesentlich weniger Komplexen und Ängsten.

Meine Frau wird mich sicherlich niemals als Partnerin ansehen. Und ob sie mich jemals als Frau bezeichnen wird wage ich stark zu bezweifeln. Aber das wäre OK, so lange sie mich so leben lässt, wie ich bin. Und wenn nicht... darüber möchte ich momentan nicht nachdenken müssen...!

Es gibt allerdings auch weniger praktische Veränderungen an meinem Körper. Da ich einen körperlich anstrengenden Beruf ausübe, bin ich eigentlich auf Ausdauer und Kraft angewiesen. Gut, ein Muskelprotz war ich noch nie sondern eher im Gegenteil. Aber dennoch konnte ich immer gut mit anpacken und arbeiten. Doch so langsam habe ich in meinem Beruf so einige Schwierigkeiten, denn die Muskeln verschwinden dank Androcur und Co. mit merklichen Begleiterscheinungen. Das ist zwar ästhetisch klar von Vorteil, bringt mich in meinem Job aber zeitweise in arge Bedrängnis.

Auch die psychische Belastung aufgrund meiner Veränderungen beeinflussen mein Berufsleben nicht gerade positiv. Mir ist bewusst, was ich meiner Frau antue und es tut mir im Herzen weh. Nicht selten brechen wir beide in Tränen zusammen weil wir Angst vor der Zukunft haben. Sie ist der Meinung nicht mit einer Frau zusammen leben zu können, möchte mich aber auch nicht verlieren. Ich weiß, dass es in der männlichen Rolle definitiv nicht weiter geht, kann auch nachvollziehen wie es für sie ist, möchte sie aber auch ebenfalls nicht verlieren. Es klingt wie ein Teufelskreis. Und bei diesem ganzen wahnsinnigen Theater muss ich mich auch noch um meine Kunden, die Baustellenplanungen, Angebote und Entwürfe kümmern. Ich bin ja soweit froh, dass ich den Schritt Personal einzustellen bislang nicht eingegangen bin, denn sonst wäre der Verantwortungsdruck noch größer. Aber zeitweise fühle ich mich auch ohne diese Verantwortung überhaupt nicht mehr in der Lage mich intensiv um meinen kleinen Betrieb zu kümmern. Dann kommen Existenzängste auf, die die ganze Sache auch nicht gerade verbessern. Trans ist schon ein Fluch!

Und meine Zukunftsträume und -planungen scheinen sich bei all dem Durcheinander auch so langsam in Luft aufzulösen. Habe ich noch vor einiger Zeit davon geträumt mit meiner Frau irgendwann in den landwirtschaftlichen Betrieb meines Onkels mit einzusteigen oder evtl auch selber einen kleinen Hof zu kaufen, so ist mit der aktuellen Lage alles in Frage gestellt. Und ich stelle mir die Frage: Ist das leben als Frau all diese Opfer wert? -----------

Und als skurrilen Abschluss dann der Blick in den Spiegel mit der klaren Erkenntnis: Ich hasse dieses männliche Erscheinungsbild!
Der Bart muss weg, die Titten könnten ruhig noch etwas wachsen und ein wenig weiblichen Speck könnte ich auch gerne noch zulegen (nur ein wenig! ;-) ).

Mich macht die ganze Situation momentan ziemlich fertig. Ich muss dringend zusehen meine Perspektiven zu sortieren und Ziele festzulegen. Und, ich werde nicht aufhören zu kämpfen - für alles was für mich von großem Wert ist!

Mein Psycho-Coach bewertet meine Einstellung und meine Vorgehensweise als gute Strategie. Mein Wunsch mit langsamen Veränderungen und Schritten in meine Rolle "einzusteigen" hat sicherlich auch ihre Vorteile. Nur muss man dabei aufpassen, sich nicht von äußeren Einflüssen zu stark unter Druck setzen zu lassen. Und im Alltagsstress ist es gar nicht so einfach sich über seine genaue Position im klaren zu sein. Zu schnell kommen Eindrücke auf einen zu, die die eigene weibliche Darstellung in Frage stellen oder auch die Angst vor Übertreibungen schüren. Ich Frage mich dann auch, ob es wirklich so wichtig ist möglichst schnell meinen weiblichen Wünschen gerecht zu werden. Immerhin habe ich es schon so lange in der männlichen Rolle ausgehalten das es ich es doch jetzt nicht übers Knie brechen muss, oder doch?

Naja, Kopf hoch Christina, lass Dich nicht unter kriegen! Die Hoffnung stirbt zuletzt. Und wenn Dir das Wasser bis zum Hals steht, hilft immer noch langsames schlürfen - das hat in der Vergangenheit bei Problemen geklappt und wird es wohl auch in der Zukunft. Letztendlich bist Du ja doch eine Optimistin!


Mittwoch, 4. Mai 2011

Güldene Epilieraufsätze!

Wenn ich so richtig K.O. bin und den Eindruck habe mir eine kleine Auszeit genehmigen zu müssen, dann passiert es nicht all zu selten, dass ich mich in die Badewanne begebe. Und bei dieser sehr entspannenden Gelegenheit ist es auch meist ein willkommener Anlass sich der überflüssigen und äußerst unschön anzusehenden Körperbehaarung zu entledigen.

Seit geraumer Zeit verwende ich dafür einen Wet/Dry-Epilierer der bei mir allerdings vorwiegend Wet eingesetzt wird. Im August letzten Jahres legte ich mir dieses schöne kleine Akku-Gerät der Firma Panasonic (ES-WD 72) zu. Es lässt sich praktisch in einer kleinen Tasche verstauen und besitzt zudem neben einem allgemeinen Epilieraufsatz, einen Aufsatz für Anfänger und einen Bikinizonzenaufsatz sowie einen Rasiereraufsatz für alle jene Weicheier die es gaaaaaaaaaaaaaaaanz sanft bevorzugen ;-).

Nun, am letzten Wochenende war wieder so ein unheimlich guter Tag für eine nasse, wohlige Auszeit und so sprang ich mitsamt Eilierer in die Schaum gefüllte Wanne. Doch, während der Durchführung meines Körperpflegeprogramms bemerkte ich ein komisches aggressives Rattern im Epilieraufsatz, was mich stutzig machte. Waren es nur meine Ohren die heute etwas unregelmäßiges zu hören vorgaben oder schien tatsächlich etwas mit meinem Epilierer nicht zu stimmen? Vorsichtig reinigte ich ihn noch einmal gründlich und befreite ihn von Schaum und Wasser, aber es schien nichts ungewöhnliches vorzuliegen. Also epilierte ich in gewohnter Weise genüsslich weiter.

Doch plötzlich jaulte mein Epilierer nur noch wie verrückt und weigerte sich vehement auch nur ein einziges Haar zu entfernen. Jetzt war er wohl hin! Aber zum Glück habe ich ja noch Garantie auf dem guten Stück. Doch, wo war noch gleich die Rechnung?

Kaum der nassen Wanne entklommen machte ich mich auf die Suche nach der noch jungen Rechnung. Doch Fehlanzeige. Keine Spur von der Rechnung, nur der Lieferschein lag der Beschreibung bei. Konnte ich wirklich so bescheuert gewesen sein anstatt der Rechnung, den Lieferschein aufbewahrt zu haben?Ja ich konnte.

Notgedrungen setzte ich mich nun vor den Rechner und suchte bei Panasonic nach dem Servicebereich zur Bestellung eines neuen Epilieraufsatzes. Doch leider war in der Online-Liste mein Aufsatz nicht zu finden. Also schickte ich eine Mail an Panasonic mit der bitte um Bekanntgabe des Ersatzteil-Preises und die genau Abwicklung der Bestellung.


Ich wartete. Am nächsten Tag kam... nichts. Am zweiten Tag kam dann eine Mail mit den Worten:


"... bezüglich Ihrer Ersatzteil- bzw. Zubehöranfrage möchten wir Ihnen mitteilen, dass Sie das Netzteil WESWD72W1068 für 42,11 € zzgl. Porto- / Versandkosten bei uns bestellen können...."

NETZTEIL!!!!!!!!!!!! Was für ein Netzteil? Ich brauche einen Epiliereraufsatz, kein Netzteil!!!
Also schrieb ich sofort zurück:

„... ging meine Anfrage nicht um ein Netzteil, sondern um einen Epilieraufsatz. … Bitte teilen Sie mir auch dazu den Preis mit!“

Einen weiteren Tag später erhielt ich folgende Antwort zurück:

„... bitte entschuldigen Sie, bei dem von mir Angebotenen Artikel handelt es sich natürlich um den von Ihnen angefragten Aufsatz und nicht das Netzteil"

Waaaaaas!!!!!!!! Haben die noch alle Tassen im Schrank???? 42,11 Euro zzgl. Port/Versand für einen kleinen Epilieraufsatz eines Gerätes das mich mit allem drum und dran gerade mal 68,99 Euro inkl. Versand gekostet hat (UVP Panasonic: 99,95 Euro). Mein Gott hätte ich vorher gewusst das Panasonic hier Gold-Bausteine mit eingebaut hat, ich hätte es viel sorgfältiger behandelt und weggeschlossen. Welch ein Skandal!

Aber, selbst ist die Frau und sogar fähig mit einem kleinen Schraubenzieher umzugehen. Und ruck-zuck ist der Aufsatz in alle seine Bestandteile zerlegt. Und was stelle ich fest? Ein kleines weißes Zahnrad ist hin - abgesäbelt. Und dafür soll ich 42,11 Euro zzgl. Porto/Versand zahlen?

Ich mache mich jetzt erst einmal auf die Suche nach einem Ersatz-Zahnrad. Und sollte ich keins finden kaufe ich mir einen neuen Epilierer. Nein, nicht mehr von Panasonic denn die Dinger sind nicht nur viel zu teuer bei Ersatzteilen, sondern auch noch ziemlich Getriebeschwach.

Und eins schreibe ich mir gaaanz dick hinter die Ohren:

 RECHNUNGEN GEHÖREN AUFBEWAHRT, grrrr!


Sonntag, 1. Mai 2011

Blogerkenntnis

Es ist jetzt etwa ein Jahr und eine Woche her, dass ich diesen Blog angefangen habe mit Inhalt zu füllen. Anfangs schien alles für mich recht abgeklärt zu sein und ich wollte in erster Linie nur meine jahrelangen persönlichen Erfahrungen mitteilen. Dann begann ich zu sinnieren und zu philosophieren und mir Gedanken über die absurden Seiten des Trans-Lebens zu machen. Die Jahreswende wurde dann zu meiner Beziehungswende, da ich mich gegenüber meiner Frau geoutet habe und wir dabei so manche Tränen vergossen haben. Es folgte die Erkenntnis das ich mein Leben so Leben muss wie es ist - als Frau. Gefolgt von der Überzeugung dieses Leben als Frau auch ohne eine Genitalanpassung leben zu können und zu wollen.

Warum ohne GaOP? Nun, erstens weil ich die Beziehung mit meiner Partnerin nicht aufgeben will. Es tut mir schon im Herzen weh ihr überhaupt den Mann zu nehmen. Das letzte bisschen werde ich nicht auch noch opfern. Ich kann schon froh sein, dass sie meine hormonellen Veränderungen annimmt. Dafür werde ich ihr ewig dankbar sein!
Zweitens, da ich einfach schiss vor einer OP hätte. Nicht weil er da unten dann weg wäre, sondern grundsätzlich. Bislang war ich noch nie in der Situation eine OP eingehen zu müssen und so Gott will soll das auch bleiben. Ich denke ich kann mit ihm leben - zumindest unter der aktuellen Lebenssituation.
Und drittens, wäre mir die GaOP auch einfach zu teuer. Jaja ich weiß, die Kassen müssen zahlen wenn es anerkannt wird - auch die Private. D.h. solange die Private bei Abschluss nicht von vornherein Bereiche aus dem Versicherungsschutz abgelehnt hat, was dummerweise bei bekannten Vorerkrankungen die übliche Vorgehensweise ist. Ich könnte mir ehrlich gesagt viel sinnvollere Investitionen vorstellen als die in eine (zugegebenermaßen beneidenswerte) Vagina.

Ja natürlich, ich weiß nach diesen wenigen Monaten noch gar nicht wie lange unsere Beziehung noch halten wird. Immerhin sind die Belastungen für beide Seite nicht gerade gering, auch wenn es momentan mehr als zufriedenstellend läuft. Natürlich kann es sein, dass ich dann wieder alles anders sehe und die GaOP für mich doch ein Thema wäre. Und ja, ich könnte sogar versuchen in eine gesetzliche KK zu kommen die dann doch alles zahlt. Aber das will ich eigentlich gar nicht.
Ich will auch keine Anstellung mehr die mich dann zwangsläufig in der gesetzlichen KK verankern würde, nur um dann auf der "sicheren" Seite zu sein.
Ich will diese Freiheit selber über meine Erfolge oder Misserfolge entscheiden zu können. Und das geht nun mal am besten in der unabhängigen Selbständigkeit. Und glaubt mir, ich weiß wovon ich rede. Ich habe beide Seiten der Arbeitswelt schon zur genüge durchgemacht. Hier bin ich Überzeugungstäterin!
Ich will mich auch nicht festlegen müssen auf mögliche Kinder zu verzichten, auch nicht mit einem weiblichen Körper und als Frau nur weil eine Gesellschaft das Familienbild anders deutet. Für mich kann ein Papa auch eine Frau sein, solange sie in der Lage ist oder war das Kind zu zeugen.
Ich werde mich auch keinen gutachterlichen Diagnoseritualen unterziehen, nur um mein wahres Geschlecht öffentlich-rechtlich anerkennen zu lassen.
Und überhaupt, ich habe es satt mich für jede individuelle Entscheidung zu meiner persönlichen Lebensweise  und meinen persönlichen Vorstellungen rechtfertigen zu müssen.

Ich habe mir lange Gedanken über diesen bürokratischen Spießrutenlauf im Fall der Transsexualität gemacht und das ganze widert mich nur noch an. Nein, nicht im Sinne einer feigen Resignation sondern eher im Sinne einer wutentbrannten Sturköpfigkeit, diesem verdammten "Ragulierungssystem" mal so kräftig in die pseudomaskulinen Eier zu treten.

Wie sagte meine Frau einmal so schön: "Fuck the duck, bevore the duck you fuck!" 

Dabei ist sonst eigentlich alles OK. Die Hormone kommen endlich in die richtige Zusammenstellung. Mein Körper verändert sich unaufhörlich zum richtigen Bilde. Meine Psyche ist in absolut bester Verfassung. Und die Beziehung war noch nie so Harmonisch. Ich bin glücklich mit meinen Veränderungen und mit mir.

Natürlich gibt es noch Baustellen aber die wird es im Leben immer geben. Man muss sie nur zu ihrer bestimmten Zeit in Angriff nehmen und fertigstellen.

Manchmal frage ich mich nur ob es die Realität ist die sich so traumhaft vor einem auf tut? Oder ob es ein Albtraum ist der sich in der Realität vor uns widerspiegelt?




Ach ja: TheSweetBrain hat Geburtstag. Das bedeutet allerdings nicht , dass Christina auch Geburtstag hat. Und eigentlich hat Christina auch keinen eigenen Geburtstag, denn es ist der selbe den auch Christian hat. Alles andere wäre doch auch nur erfunden!

Freitag, 29. April 2011

Mein OUTING zum heutigen Freitag:

Um es kurz und schmerzlos zu machen:

Die Hochzeit auf der Insel am heutigen Tag lässt mich kalt und sie interessiert mich in keinster Weise! Dieses ganze Tamtam geht mir auch ehrlich gesagt etwas auf die Nerven (dass ist fast noch schlimmer als Karneval im Fernsehen, Live-Übertragungen vom Papstbesuch oder Fußball).
Aber anscheinend braucht so etwas unsere gebeutelte Welt um den alltäglichen Scherz zu ertragen. Naja, wenn man meint...!

Naja, hübsch sieht sie ja aus...
Zwar wünsche ich den beiden trotzdem alles Gute zur Hochzeit und für das zukünftige Eheleben, aber ob das auch so glücklich verlaufen wird, kann man bei adeligen Promis (vor allem aus aus dem großen Britannien) ja sowieso nie genau sagen.

So, dass waren fast schon zu viele Geständnisse zu diesem Ereignis, mehr sein nicht erlaubt.


PS an alle Royal-Fans: Ihr müsst mich ja nicht deswegen gleich hassen. Ignoriert mich einfach, dass dürfte reichen!!! ;-)

Dienstag, 26. April 2011

Es war so normal...!

Heute Abend saß ich in meinem ICE-Abteil auf dem Weg von einem schönen langen Osterwochenende zum lästigen Alltag des Berufslebens. Und während ich so vertieft in meinem Fachbuch der "Baukonstruktionslehre für Landschaftsarchitekten" las, hörte ich eine Stimme vom Gang her sagen: "Dort drüben wo die junge Dame sitzt, ist dein Platz.... eh, .... Entschuldigung ich meine natürlich der junge Herr...".

Ach was war das schön, das erste Mal werde ich als "Dame" angeredet und dann auch noch als "junge Dame"...  und ich merke das gar nicht *grins*. Erst wenige Sekunden später kapiere ich, was die Frau zu mir gesagt hat - ich habe noch immer ein fasziniertes und freudiges Grinsen auf den Lippen :-)))).

Ostern war sooo schön..! ;-)
Auch wenn es schade ist, dass ich schon wieder auf meine "Baustelle" muss und meine Frau zu Hause zurück lasse. Aber diese Woche beginnt zumindest auf der emotionalen Ego-Schiene schon mal richtig gut :-)))))))))))))

Das Leben kann einfach soooo schön sein. Das Grinsen hällt bestimmt noch die ganze Nacht an! :-))))))))))))))))

Samstag, 16. April 2011

Erkenntnisse einer Bauarbeiterin

Wer mir zur Zeit unter der Woche auf der Straße begegnen würde, käme sicherlich niemals auf die Idee mich als Transsexuell einzuordnen. Ist ja auch kein Wunder, denn mein Alltag besteht zur Zeit nur noch aus einer großen Baustelle. Seit Februar bin ich jetzt schon wieder an diesem Projekt am arbeiten und es vergeht keine Arbeitswoche in der ich nicht morgens um fünf Wach werde und abends schon um neun vor der Glotze einschlafe. Wenn ich nach Hause komme ist quasi nur noch duschen und essen angesagt und tagsüber dreht sich sowieso alles nur um den Garten meiner Kundin.
Auch wenn es beruflich und finanziell sicherlich ein Segen sein mag solch eine schöne, herausfordernde und lukrative Gartenbaustelle als kleine Landschaftsgärtnerin zu haben. so ist es doch auf der anderen Seite eine gewaltige Einschränkung für die eigene Person. Man kann sich sicherlich Vorstellen, das man auf der Baustelle nicht gerade im Designerdress arbeitet, will heißen ich laufe tagtäglich in plumpen, wenn auch nicht gammeligen, Arbeitsklamotten herum die bei Männlein und Weiblein absolut gleich aussehen - eben wie Baustellenklamotten. Selbst ans Rasieren des unweigerlich sich aufdrängenden Bartes komme ich nur alle paart Tage mal. Da wird meine Geschlächstidentität auf eine harte Probe gestellt.

Letzten Mittwoch wollte ich mir abends noch schnell eine Fahrkarte für Ostern kaufen gehen, damit ich wenigstens an den Feiertagen mal zu Hause bei meiner Frau sein kann. Also versuchte ich mich trotz körperlicher Geschafftheit wieder einmal ein wenig raus zu putzen. Nicht das es für den kurzen Weg zum Bahnhof, den ich sowieso mit dem Auto zurücklege, notwendig gewesen wäre. Aber ich wollte diesen kurzen Augenblick der Freizeit mal wieder intensiv ausnutzen und ich selber, Christina sein. Es war schon in der Abenddämmerung und der Bahnsteig war halbwegs leer aber trotzdem Fühlte ich mich in diesem Moment richtig gut. Da ist mir erst einmal wieder aufgefallen, wie mich dieser Beruf mit nimmt.
Nicht mal die Wochenenden sind zum relaxen richtig geeignet, da ich Samstags meist Vorbereitungen für die nächste Woche treffen muss und die Werkstatt und der Garten in meinem Elternhaus auch noch meine tatkräftige Aufmerksamkeit benötigen. Und Sonntags ist meist der Tag verbaut mit Büroarbeit.

Wenn ich das ganze so überdenke, ist es eigentlich kein Wunder, dass ich zum Abschluss der Saison im Winter meist zu Hause in ein tiefes Loch falle. Aber was soll ich machen, ich habe es mir vor Jahren so ausgesucht lieber wieder im Gartenbau zu arbeiten als in der Werbung. Und wenn ich ehrlich bin, ist es auch wesentlich schöner tolle Gärten zu entwerfen und zu bauen als den Menschen mit blödsinniger Werbung den Kopf für Dinge zu verdrehen die sie sowieso nicht brauchen. Und solange ich meine eigene Chefin sein kann, fühle ich mich wenigstens noch ein wenig frei, auch wenn mein Alltag sich damit fast nur noch ums Bauen dreht.

Was würde wohl mein Therapeut, zu dem ich jetzt aus Zeitgründen schon seit über einem Monat nicht mehr gegangen bin, fragen?

Psycho: "Was fühlen Sie wenn Sie  so neutral, vielleicht etwas männlich den Alltag bestreiten?"
Christina: "Nichts. Ich bestreite ihn einfach ohne darüber nachzudenken."
Psycho: "Sind sie damit glücklich oder fehlt ihnen auch irgend etwas?"
Christina: "Nein Glücklich ist relativ. Natürlich bin ich glücklich Arbeit zu haben, denn davon lebe ich und die Arbeit macht auch Spaß, sonst würde ich sie nicht machen. Aber es fehlt natürlich auch etwas bzw. es kommt in mir etwas zu kurz. Der Alltag besteht nur noch daraus zweckdienlichen Handlungen nachzugehen.  Ich selbst spiele dabei nur eine ausführende Rolle. Aber die Bedürfnisse meiner Person, kommen eindeutig zu kurz."
Psycho: "In wie fern? Können SIe mir das näher erläutern?"
Christina: "Naja, während meiner Arbeit handle ich oft instinktiv, dass heißt ich konzentriere mich auf meine Arbeit die zudem auch körperlich sehr anstrengend ist. Auch wenn ich meine weibliche Rolle an den Baustellentagen sehr vermisse. so fällt es mir doch schwer gewisse männliche Allüren zu unterdrücken. zum Beispiel das Reden mit tiefer Stimme, etwas was mir eigentlich zuwider ist, passiert mir immer wieder - und es kotzt mich auch regelmäßig an wenn ich es bemerke. Oder der Drei-Tage-Bart - ich fühle mich absolut ekelig damit, aber es fehlt mir oft morgens oder abends die Lust ihn zu rasieren. Überhaupt, längere Fingernägel sind nicht möglich, Schminken ist absolut sinnlos, meine längeren Haare sind meistens sehr unpraktisch und schöne Klamotten eine absolute Utopie. Und das schlimme ist, wenn ich abends vor mich hin döse merke ich zwar was mir fehlt. Aber dummerweise fehlt dann auch der Antrieb es nachzuholen. Ich bin einfach zu geschafft um meine Gefühle zu leben. Das ist sicherlich das traurigste an der ganzen Sache!"

Tja, das Leben ist hart und wohl auch eines der härtesten, würde ich sagen. ;-) Aber zum Glück ist bald Ostern und ich habe ein paar Tage frei. Außerdem ist das Projekt auch in der Abschlussphase. Dann stehen zwar schon weitere Baustellen an, aber die sind weniger umfangreich, so dass ich mehr Abwechslung haben werde. Ich befürchte nur, dass Jahr wird schneller rum sein als mir lieb ist. Aber vielleicht schaffe ich es dieses Jahr ja noch meinen Bart entfernen zu lassen. Dann hätte ich schon mal eine Alltagssorge weniger. Und mein Wohlgefühl würde wieder einen sichtlichen Teil zurückerobern. Mal sehen!

Dienstag, 15. März 2011

Es ist nicht neu - aber dringender denn je!


Ich denke mal es wird Euch nicht anders gehen wie mir, die Nachrichten über Japan nehmen einem den Atem. Das Atomkraft ja schon immer ein Spiel mit dem Feuer war wissen wir ja nicht erst seit Tschernobly. Aber die Ereignisse in Japan setzen dem ganzen noch gewaltig zu. ATOMKRAFT? NEIN DANKE! Obwohl man sich das DANKE sicherlich sparen könnte, denn es klingt noch viel zu freundlich.
In den Medien lese und höre ich von den vielen Demos gegen Atomkraft und kann diese auch nur unterstützen - blöder Weise hatte ich bislang noch keine Gelegenheit selber an einer dieser Demos teil zu nehmen.

Allerdings sollten sich auch all jene die bislang neutral oder vielleicht sogar positiv zur Atomkraft eingestellt waren überlegen, ob es mit dem Demonstrieren ausreichen wird um für eine energetische Kehrtwende zu erreichen. Solange die AKW-Betreiber einen Abnehmer für ihren ach so sauber strahlenden Strom haben, werden sie sicherlich alles nur Mögliche versuchen zu beeinflussen, um auch weiterhin ihre Meiler betreiben zu dürfen.

Wir können viel Domonstrieren um politisch etwas zu beeinflussen. Aber wir sollten auch konsequent sein und auf alternative Energien umsteigen! Mein Aufruf: NICHT NUR GEGEN AKW DEMONSTRIEREN SONDERN AUCH KEINEN AKW-STROM BEZIEHEN!

Erst so bekommt der ATOMKRAFT? NEIN DANKE! Aufkleber eine richtige Wirkung.


Donnerstag, 10. März 2011

Für zwinschendurch: Glamour Test


In einem aktuellen Newsletter der Zeitschrift GLAMOUR habe ich folgenden kleinen Test gefunden:


Es ist zwar kein tiefgreifend psyochologischer Test, aber dafür auch nicht so zeitaufwendig. ;-)

Viel Spaß beim herausfinden: Wie sehr entsprichst Du dem Klischee einer Frau?


Mein Ergebnis sieht übrigens wie folgt aus:

Von allem etwas
Sie sind das gesunde Mittelmaß zwischen Super-Klischee Frau und dem netten Kumpeltyp von nebenan. Ohne Make-up aus dem Haus gehen? Das bereitet Ihnen mit Sicherheit keine Sorgen. Ihre weibliche Seite muss nicht immer im Vordergrund stehen, aber hin und wieder und zu bestimmten Anlässen brezeln Sie sich auch gerne mal auf. Und von kleinen Patzern wie einer gerissenen Strumpfhose oder abgeblättertem Nagellack lassen Sie sich erst gar nicht aus der Fassung bringen. Schließlich kann man ja nicht immer perfekt aussehen.

Samstag, 5. März 2011

Mittendrin


Ich will nicht mehr,
ich mag nicht mehr,
es macht doch alles keinen Sinn!
Es kotzt mich an,
es reibt mich auf.
Und ich sitz' mitten drin.

Was soll das denn?
Was bringt uns das?
Wir maulfechten aus Prinzip.
Und ecken an
und stoßen ab,
weil's doch keiner kapiert.

Recht zu haben,
Recht zu bekommen
und anerkannt zu sein.
Zu korrigieren,
zu manifestieren
mit Nachdruck bringen wir es ein.

Opferdaten,
Urteilssprüche,
alles ist uns recht.
Rezitiertes,
selbst erlebtes,
„im Kopf sitzt das Geschlecht!“

Ich frage mich
ob es so gut ist
die harten Waffen aufzufahren?
Und ob es nicht
ein Akt von Mut ist
sich selbst einmal zu Hinterfragen!

Es kann so sein,
es muss nicht sein.
Auch wir haben keine richtigen Beweise!
Und leben daher
recht unscheinbar
ohne aufzufallen – recht leise.

Man kennt uns oft
nur vom Hören-Sagen,
das Klischee formt unser Bild.
Doch wenn Sie über uns was sagen
protestieren wir wie wild.

„Das stimmt so nicht!“
„Das ist verboten!“
„So darf man uns nicht seh'n!“
Das falsche Wort,
der falsche Stil.
„Sie woll'n uns nicht versteh'n!“

Ich kann nicht mehr.
Ich mag nicht mehr.
Das bringt uns auch nicht weiter.
Die Akzeptanz verlangt
das Akzeptieren
und macht den Weg der Möglichkeiten breiter!

Wir woll'n Verständniss
und nicht Verachtung?
Und dass man unsere Gefühle akzeptiert?
Doch brauchen auch wir
Respekt und Achtung davor,
dass es nicht jeder gleich kapiert!

Wir haben Gefühle
so wie nicht viele,
uns kann man nicht so ganz versteh'n.
Es liegt an uns
und nicht an andern
dass sie uns im richtigen Bilde sehn!

Was fremd ist,
das macht jedem Angst.
Daher weigern sie sich uns anzunehmen.
Wir müssen ihnen zeigen
wie wir wirklich sind,
nur so lernen sie damit umzugehen.

Wenn wir bloß wild keifen
und mit harten Worten fechten,
werden wir nur weiteren Druck erzeugen.
Und es kostet Kraft,
und es kostet viel Zeit
die wir so sinnlos damit vergeuden.

Zeig wie du bist!
Zeig wie du lebst!
Auch du bist ein normaler Mensch wie ich!
Sei nur du selbst
und überschätze dich nicht.
Mit Renitenz bekommst du die Achtung nicht!

Leicht frustriert und irritiert
von Christina

Donnerstag, 24. Februar 2011

"Typisch Frau, Typisch Mann?" Studie

Das Demoskopische Institut Allensbach hat die Gesprächskultur in Deutschland 2011 analysiert und veröffentlicht. Sie ist betitelt mit:

Typisch Frau, Typisch Mann? Kommunikationsstile zwischen Klischee und Wirklichkeit
Kommunikationsstile und -welten von Männern und Frauen


Auch wenn diese Studie nicht direkt mit unserem Lebensthema zu tun hat, kann es doch mal interessant sein, was die so meinen herausgefunden zu haben.

Hier der Link zur Website bzw. zur Studie: http://www.gespraechskultur-in-deutschland.de/studie/

Ich bin selbst erst heute morgen darauf gestoßen und hatte bislang auch noch keine Möglichkeit mich damit auseinander zu setzen. Bin mal gespannt wie sich unser Verhalten so unterscheidet!

Montag, 21. Februar 2011

Gefühle und Verstand

Gestern Abend hatte ich die Gelegenheit, mit meinem Bruder über mein erneutes Coming Out zu reden. Er war derjenige, mit dem ich vor Jahren, als ich das erste mal versucht hatte meiner inneren Stimme nachzugeben, am intensivsten über meine Transsexualität reden konnte. Aber auch er war ja mittlerweile davon überzeugt, dass das damals bei mir nur ein kleiner seelischer Ausrutscher war. Von daher war es jetzt naheliegend, ihn mal über die "neue" Situation zu informieren. Vor allem, dass ich mich meiner Frau gegenüber geoutet hatte, sollte er erfahren.

Naja, und als wir gestern für einige Minuten zusammen im Auto saßen, habe ich es dann einfach mal angerissen. Seine Reaktion war überrascht aber nicht geschockt. Er wollte natürlich auch wissen, wie meine Frau es aufgenommen hatte, und so erklärte ich es ihm kurz. Ich wollte gar keine großen Reden schwingen und so kam es, dass unser Gespräch recht normal verlief. Es war einfach so, als ob man sich über allgemeine Neuigkeiten unterhalten hätte.

Allerdings ließ er am Schluss indirekt verlauten, dass er diese Transsexualität nicht für so voll nehme. Seiner Meinung nach wären die eigentlichen Probleme tiefer im psychologischen Lebensumfeld zu suchen.

Ich habe das so hingenommen ohne weiter darauf einzugehen.  Denn solche Reaktionen bin ich ja gewohnt. Es ist eben so, dass die meisten Menschen erst einmal nur ihrem eigenen Gefühl folgen. Und demgemäß ist es schwer für sie Transsexualität zu verstehen. Und wenn ich ehrlich bin, habe ich ja auch extreme Schwierigkeiten damit gehabt die Diagnose Transsexualität einfach so anzunehmen - weil ich sie auch nicht rationell erklären konnte.

Natürlich gibt es heute einige Beweise für dieses Phänomen. Aber durch diese ganze Verwässerung durch die Medien und sogar durch die Medizin selbst, ist es schwer diese Geschlechtsproblematik vernünftig zu erklären. Alles was wir haben ist unser Gefühl und ein paar Versuche der logischen und fachlichen Darstellung.

Aber mal an die eigene Nase gepackt: Wer von Euch folgt nicht in erster Linie seinem Gefühl?

Ich lasse natürlich in erster Linie medizinische und psychologische Erklärungen zur Transsexualität zu, die am stärksten meinem eigenen Gefühl gleich kommen. Andere Erklärungen passen einfach nicht und werden von mir daher eher unbeachtet gelassen - ja sogar vehement bestritten.

Und so werden wohl die meisten Menschen ebenfalls in erster Linie ihrem Gefühl folgen. Und dabei werden sie merken, dass sie selber Transsexualität nicht fühlen können, weil sie nicht davon betroffen sind. Somit bleibt nur die Möglichkeit, Transsexualität rein logisch, rationell zu verstehen. Doch genau das ist sehr schwierig. Der Mensch ist eben ein Gefühlswesen! Die rationelle Sichtweise muss man erst einmal zulassen. Das Gefühl ist hingegen immer präsent.

Ich bin meinem Bruder überhaupt nicht böse, dass obwohl wir beide schon viel über dieses Thema geredet haben, er solch eine rein rationelle Lösung als wahrscheinlicher ansieht. Ich werde auch bestimmt kein Streitgespräch mit ihm führen, sondern einfach mein Leben so leben wie es mir richtig erscheint und nur dann das Thema erklären, wenn danach gefragt wird. Ich denke, dass ist einer der wichtigsten Punkte in der Anerkennungsfrager unserer Transsexualität.

Donnerstag, 17. Februar 2011

Dazwischen gebloggt! Zum Artikel im Zeit-Magazin.

Eigentlich hatte ich überhaupt nicht vor so schnell wieder etwas zu schreiben. Zu viel geht mir durch den Kopf und nicht alles ist PROTrans - oder anders gesagt, meiner Ansicht nach knirscht es in der Szene irgendwo im Gebälk. Ich bin mir nicht so ganz sicher, ob es momentan der richtige Weg ist wie wir uns selbst betrachten bzw. wie wir meinen für Anerkennung kämpfen zu müssen. Da das ganze aber wie schon gesagt erst noch in meinem Kopf herum schwirrt, kann und will ich jetzt noch nicht zu viel an Worten darüber verlieren.

So und genau in dieser nachdenklichen Phase fällt mir heute durch Zufall das Zeit-Magazin in die Hände, auf dem Titelbild ein Mädel das irgendwie leicht männliche Züge aufweist. Darunter der Titel "Sie ist ein Model". Dann blättere ich neugierig die erste Seite um und stelle fest, das Mädel ist ein Kerl. Das Zeit-Magazin hat eine Fotostrecke mit Andrej Pejic einem australischen Männer- und Frauenmodel produziert und mich dabei beim ersten Durchblättern in Verzückung versetzt. Und das ganze wurde dann im Leitartikel gleich mal mit "DAS LEBENSGEFÜHL" betitelt.

Es ist eigentlich nicht mein Ding für Zeitungen oder sonstige kommerzielle Dinge zu werben, doch ich denke, dass es durchaus interessant für die eine oder andere sein könnte, sich diese Zeitung mal näher anzusehen. Kim hat auf www.mut23.de auch schon etwas dazu geschrieben. Und ich habe irgendwie den unterschwelligen Eindruck, als könnte diese Ausgabe des Magazins eine kleine Diskussionswelle auslösen.

So heißt es u.a.:

"...die Auflösung der Grenzen zwischen den Geschlechtern."

"Menschen die sich zwischen den Geschlechtern bewegen, sind die neuen Stars der Mode."

"... Mode schafft nichts aus sich selbst heraus, sondern spiegelt die Gesellschaft wieder."

"Bei vielen Stücken kann man nicht mehr zwischen Männer- und Frauenmode unterscheiden. Sie sind Unisex. Endlich. Denn dass die Mode bislang nach Geschlechtern aufgeteilt war, hat sie deutlich eingeschrenkt."

Und als Subline fungierte: "Wann ist ein Mann ein Mann? Die Mode verteilt die Rollen neu."

Jetzt gibt es ja zwei, nein genau genommen drei Möglichkeiten diesem Titelthema zu begegnen:
  1. Ignorieren - meiner Meinung nach eine gänzlich falsche Entscheidung; zumindest wenn man sich mit dem Thema grundsätzlich schon auseinander setzen muss - z.B. als Transgender jeglicher Gruppierungen.
  2. Man kann sich darüber ärgern, dass noch immer alles in schwarz-weiß dargestellt wird; eben dieses klassische Mann und Frau Bild.
  3. Oder man kann sich zumindest schon einmal darüber freuen, dass so eine, für viele Ältere recht kuriose Berichterstattung in einem konservativem Mainsteam-Umfeld veröffentlicht wird.
Ich stehe für Möglichkeit drei ein. Denn ich glaube nicht, dass wir es schaffen werden, ein überliefertes Gedankengut wie die klassische Männlich-Weiblich Thematik in den Menschen zu ändern. Die Klassifizierung kann und wird nur durch Aussterben der alten Ansichten oder aber durch allmähliche Bagatellisierung des individuellen Verhaltens eine deutliche Verbesserung bekommen können.

Und mit Bagatellisierung des Verhaltens meine ich nicht die Förderung von Dragqueens oder sonstigen Öffentlichkeitssüchtigen (Diese Typen habe ich sowieso noch nie verstanden!), sondern das ungekünzelte Umkehren vorhandener Standards. Nichts ist NORMALER als die NORMALITÄT. Ich habe ja schon letztens in Stil und Klischees darüber geschrieben. Und diese leicht verwirrende Fotostrecke im Zeit-Magazin hat so was gänzlich Normales, dass einem der geschlechtliche Unterschied gar nicht auffallen mag.

Abgesehen davon finde ich, dass der irgendwie etwas süßes an sich hat - zumindest so lange er sich weiblich gibt ;-) ! Aber naja, die Geschmäcker eben....

Sonntag, 13. Februar 2011

Ich bin ein Mensch!

Auch ich bin ein Mensch,
auch ich hab' Gefühle.
Genau so wie Ihr.
Ich weiß was ich fühle.

Doch ich fall' aus der Norm,
habe andere Gedanken.
Ihr versteht sie nicht,
zählt mich zu den Kranken.

Doch das bin ich nicht,
fühl' nur anders als Ihr.
Aber das zählt für Euch nicht,
denn ich bin nicht wie Ihr.

Ihr könnt es nicht sehen
und was Ihr seht ist abstrakt.
Ihr glaubt nur an Euch selbst,
alles Fremde lehnt Ihr ab.

Da ist keine Einsicht.
Nicht mal ein Bemühen.
Kranke kann man heilen
und was fremd ist soll Verachtung spüren.

Natürlich sagt Ihr:
"Keiner soll böses über Euch denken!"
Ihr seid ja die Gönner
und wir die Verklemmten.

Daher lasst Ihr uns auch
herum stolzieren.
Zum Gespött für die andern.
Und um Euch mit Edelmut zu zieren.

Doch in Wirklichkeit
sind wir Euch nur eine Last.
Eine kleine Gruppe,
viel zu schräg und unangepasst.

Wenn Ihr uns nicht zwingt
in Eure überlieferten Gesetze,
habt Ihr Angst um Euch selbst
und die moralischen Schätze.

Und so stehe ich jetzt hier
nakt und gehemmt.
Habe Angst vor dem Leben
dass man mir nicht gönnt.

Stell mich selbst auf eine Stufe
mit geistigen Deppen,
um Anerkennung bettelnd,
nur um meine Seele zu retten.

Doch bin ich nur ein Mensch
mit wahrhaften Gefühlen.
Doch das seht Ihr nicht,
Ihr könnt es ja nicht fühlen.

Was macht Ihr blos
wenn wir doch stärker sind als Ihr denkt?
Wenn wir Euch zeigen,
wie viel Vielseitigkeit das Leben schenkt.

Habt Ihr Angst das wir siegen?
Habt Ihr Angst um Eure Macht?
Habt Ihr Angst davor,
was der Mensch aus dem Menschen macht?

Dann erlebt Ihr genau das,
was wir täglich erfahren:
Ein Leben zu leben
ohne wirklich die Anerkennung dafür zu haben!

Auch ich bin ein Mensch,
auch ich hab' Gefühle.
Genau so wie Ihr,
darum akzeptiert was ich fühle!

Hoffnungsvolles und nachdenkliches
von 
Christina

Samstag, 12. Februar 2011

Stil und Klischees


Diana hat vor einiger Zeit mal über Klischees geschrieben und irgendwie hat mich das Thema heute Morgen in seinen Bann gerissen. Es hat ja auch so etwas philosophisches – man kann Pro und Kontra gegenüber stellen und kommt doch zu keinem eindeutigen Ergebnis.

Ich habe in meinen Anfangstagen zum Beispiel nur Kleider, halb transparente Strumpfhosen und Pumps tragen wollen; mein Idealbild zur damaligen Zeit. Hosen, flache Schuhe, oder einfache Blusen gingen gar nicht, Socken waren tabu.

Heute trage ich in erster Linie Jeans, Blusen, flache sportliche Schuhe und sportliche Jacken. Und auch Socken kommen noch weit vor Strumpfhosen (im Winter trage ich eher Leggins). Kleider sind bei mir ganz out und Röcke trage ich nur ab und zu und dann auch nur wenn mir danach ist – z.B. wenn ich es mir zu Hause ganz gemütlich mache.

Mein Weiblichkeitsempfinden bleibt von alle dem nahezu unbeeinflusst. Trotzdem bewundere ich in meinen abonnierten Modeblogs vielfach die Kleider und Röcke und Pumps und Strumpfhosen etc. weil ich sie einfach toll finde. Wenn ich mir im Zusammenhang mit meinem Hobby der Schneiderei Skizzen anfertige, dann sind diese meistens mit Röcken versehen. Für mich sind diese Kleidungsstücke einfach der Inbegriff der Weiblichkeit. Auch kann ich stundenlang mit meiner Frau vor den kilometerlangen Kosmetikregalen verbringen und mit ihr jedes einzelne Produkt durchexerzieren, ohne selbst den Drang zu verspüren mich mit all den Produkten einzudecken. Mein eigenes Sammelsurium passt in eine kleine Kosmetiktasche (wenn auch bis zum Bersten gefüllt). Und ich verwende gerade mal eine einfache Abdeckcreme um meinen Bartschatten einigermaßen zu verdecken.

Bin ich nun ein Klischeemuffel oder ist es mein Stil geworden?

Klischeemuffel ist relativ. Denn es ist eine große Überwindung sich weiblich geschminkt nach draußen zu begeben und doch klar als Mann erkennbar zu sein. Ich begegne daher meinem gegenüber mit absoluter Arroganz. Was soll ich auch machen? Entweder ich lasse es zu, dass mich die Blicke der verwundert und manchmal auch entsetzt schauenden Umwelt zerfleischen oder aber ich gehe mit einer „Leck mich am Arsch“ Einstellung durch die Welt. Letzteres entspricht eher meiner Natur. Natürlich laufe ich dabei Gefahr einem Klischee zu Opfer zu fallen (dem der Transe) aber mein Gott, ich bin ja auch eine. Zwar kann ich dafür nichts, aber ich muss wohl auch vorerst damit leben. Und wenn ich für die Rechte und Anerkennung transsexueller Menschen einstehen will, wäre es doch eigentlich Kontraproduktiv wenn ich genau diesen Teil meiner Selbst verleugnen würde, oder?

Geht doch mal durch die Stadt, setzt Euch vielleicht in ein Straßenkaffee und begutachtet ganz bewusst die vorbei laufenden Menschen. Meiner Auffassung nach kommen die Personen mit den meisten Verhaltensängsten aus den Reihen der Frauen. Komisch oder? Dabei sind doch gerade aus unserer transsexuellen Sichtweise die Frauen jene Gattung, die den größten Spielraum für ein modisches und individuelles Auftreten haben. Die Akzeptanz ist doch eigentlich in der Frauenmode am höchsten! Warum dann also Verhaltensängste?

Ich denke es hängt damit zusammen, dass aufgrund des großen Spielraums auch der Klischeedruck zu nimmt. Eine Frau die revolutionär einen auffälligen Modestil aufträgt und dies mit absoluter Überzeugung tut, wird keine Probleme haben damit akzeptiert vielleicht auch sogar hofiert zu werden – egal wie ausgefallen ihr Stil auch sein sollte. Sicherlich lässt sich auch dieser Frau ein Klischee zuweisen. Aber wenn Sie ihren Stil mit Überzeugung aufträgt, wird das Urteil über sie weniger Negativ ausfallen als bei einer Frau, die die gleiche Kleidung trägt um einem Stil gerecht zu werden. Aber genau das ist der Druck der auf den meisten Frauen (vor allen wenn sie noch jünger sind) lastet: Sie tragen oft nicht ihren eigenen Stil nach außen, sondern wollen einen Klischee gerecht werden.

Vor einigen Wochen war die Berlin-Fashin-Week. Das Magazin Vogue hatte in diesem Zusammenhang ein Video publiziert, in dem Interviews mit diversen Besuchern über ihre getragene Kleidung geführt wurden. Man könnte jetzt denken, dass die allermeisten nur absolute Top Marken bzw. nur angesagte Designerkleidung getragen hätten. Aber dem war nicht so. Immer wieder fanden sich auch Frauen dazwischen, die ohne mit der Wimper zu zucken zugaben, dass das eine oder andere Teil von H&M und anderen Massenmarken war. Und das schöne war, es sah in dem gesamten Kontext alles andere als nach H&M aus.

Es lässt sich also auch Stangenware in Designerumgebungen tragen. Nur mal ganz ehrlich: Wer hat den Mut dazu?

Der Drill fängt ja schon in der Schule an – nicht nur bei Mädels. Bei Jungs wird es nur mit der Zeit einfacher, da das Klischee-Angebot recht schmalspurig ist und auch immer schmalspuriger wird, je älter man wird. Bei Frauen ist das ganz anders. Hier besteht ja schon fast ein Geltungszwang. Und wehe Du wirst dem falschen Klischee zugeordnet! Der Druck nimm mit zunehmendem Alter immer mehr zu.

So und wir, die wir ja sowieso schon mit unserem Ego zu kämpfen haben, weil wir uns anders empfinden wie wir sind, müssen uns jetzt auch noch mit dem passenden Klischee auseinander setzen, nur um allen gerecht zu werden. Scheiß System, was!

Aber irgendwie wollen wir es ja auch. Wir fühlen ja nicht nur als Frau, wir wollen ja auch Frau sein. Wobei die Betonung ganz Bewusst auf WOLLEN liegt. Gut, da stoßen wir dann wieder an die möglichen Akzeptanzgrenzen manch eines Psychologen oder Gutachters: Will ER jetzt nur so sein oder ist SIE so? Tja, das sind dann die „Geister die ich rief“ und die allgegenwertige Frage: Ist es mein Stil oder folge ich einem Klischee?

Mein persönlicher Ansporn sieht daher eher so aus:
Sei wie Du Dich fühlst und gib Dich wie Du wirklich bist. Sei ehrlich zu Dir selbst und erkenne Deine Schwächen an. Selbstverleugnung wird niemals dazu beitragen Dein Ego zu stärken. Und Schauspielerei endet auf Dauer in einer echten Lebens-Katastrophe – das haben wir ja alle (TS) schon mal mitgemacht. Aber das kontinuierliche aufarbeiten der selbst anerkannten Schwächen hilft das Ego zu stärken und seinen wahren Stil (im gewissen Sinne einen Teil der eigenen Persönlichkeit) herauszustellen. Es heißt ja so schön: Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Und Schönheit benötigt auch immer eine erkennbare Harmonie, ein inneres Gleichgewicht – sonst bröckelt das Bild ganz schnell und fällt als Trugbild in sich zusammen.

Übrigens, schaut Euch mal diverse Modeblogs an. Bei vielen Sachen packe ich mir an den Kopf, aber anscheinende gibt es Leute die so etwas tragen und auch mögen. Ich würde viele Sachen von den gezeigten niemals tragen – aber Geschmäcker sind ja bekanntlich Vielseitig!

Ich habe mich übrigens letztens dabei erwischt, wie ich mir die sportlichen Männerklamotten in einem Modehaus Newsletter angesehen habe. Nicht weil ich mich jetzt doch eher männlich sehe, sondern weil ich der Meinung bin, dass das eine oder andere Teil auch bei Frauen ganz toll aussehen könnte. Es ist halt alles eine Frage des eigenen Stils.

Und wenn mich dann doch mal jemand auf meinen „unweiblichen“ Stil anspricht, beruhige ich mich mit dem Gedanken:

Was kümmert es den Mond, wenn ihn ein Hund anbellt!“