Freitag, 24. September 2010

Vom Kind

Ein Kind ward uns geboren und es war ein Bub,
zwar hätt' man lieber ein Mädel, doch auch so war es gut.
Es hat zwei Beine, zwei Arme, Augen, Nase und Mund
und das wichtigste war, auch sonst war es Gesund.

Na eigentlich war's dem Vater ja egal,
und wie das Leben so spielt, man hat eh keine Wahl.
Die Mutter nahm es hin wie es nun mal ist
und liebte Ihr Kind, auch wenn's bloß ein Junge ist.

Die Jahre vergingen der Junge wurd' groß
und auch die Mutter war stolz, denn er kam aus ihrem Schoß.
Der Vater prahlte sowieso ja immer schon,
über diesen Prachtkerl, und nennt ihn mit erhabener Brust: „Mein Sohn!“

Der Bub nun Erwachsen und zum Manne gereift,
spürte schon früh' in der Jugend das es irgendwo kneift.
Fühlt er doch in so manchem Moment,
das er seinen Körper anders besser fänd'.

Schon früh träumte er davon ein Mädchen zu sein,
doch er war es nicht und konnte es wohl auch niemals sein.
Der Mutter war sein Verhalten schon sehr früh suspekt;
was der Junge wohl mit ihren Sachen ausheckt?

Nun groß und stämmig mit Muskeln versehen,
sieht er sich vor dem Spiegel stehen.
Fragt sich ob er so Leben kann?
Fragt sich wie er es ändern kann und vor allem das schlimmste: Wann?

Man kennt ihn bisher als großen Mann,
kann man das ändern und nimmt man das an?
Die Mädchenzeit war bereits verloren,
und jetzt vom Mann zur Frau? Das klingt verdorben.

Man wird ihn echten und für Krank ansehen,
man wird ihn ausrangieren und ihm so das letzte noch nehmen!
Und zudem, was ist mit Vater und Mutter?
Die Familie kaputt? Der Stolz noch viel kaputter?!

Doch das letzte im Leben, die Freude, zu nehmen -
wer solch ein Opfer verlangt, der sollte sich schämen.
Denn zum Leben gehört nicht nur man selbst,
zu ihm gehört auch der Rest der Welt.

Der eine erlebt es ganz ohne Qual,
der andere sagt sich: „Ich hat eh' keine Wahl.“
Die Mutter liebt sie seitdem so wie sie ist,
der Vater sagt: „Es ist gut das sie so ist wie sie ist!“

Gedanken von Christina