Montag, 27. Dezember 2010

Weihnachten 2010

Sodele, Weihnachten haben wir dann mal wieder hinter uns gebracht. In so einigen Blogs habe ich ja schon von kleinere Weihnachtsgeschichten und -erlebnisse lesen können. Und andere haben vielleicht noch gar nicht die Gelegenheit dazu gehabt ihre ganz persönlichen Geschichten aufzuschreiben oder wollen es womöglich aus ganz individuellen Gründen auch gar nicht machen.
Ich selbst will auch nicht zu weit ausholen, da ich der Meinung bin in den letzten Tagen schon viel zu viel geschrieben zu haben. Dieser Blog hat ja eigentlich nicht den Sinn einen Abriss meiner Tageserlebnisse Preis zu geben, sondern soll ja eine Einblick in den transsexuellen (Er-)Lebensprozess ermöglichen - und mir dabei auch nicht zuletzt die Gelegenheit bieten, all die Dinge über die ich mit kaum jemanden reden kann, von der Seele zu schreiben. Von daher werde ich versuchen, nur die wichtigsten Erlebnisse hier einzubringen (Nachtrag: Und ich habe feststellen müssen, dass es ein Roman wurde ;-) ):

Also, dank des vielen Schnees und der schlechten Arbeit der Essener Entsorgungsbetriebe (die sind hier für das Räumen der Straßen zuständig - ist ein echter Saftladen!!!) durfte ich mein Auto Heiligabend stehen lassen und die (natürlich!!!) ebenfalls schlecht vorbereiteten öffentlichen Verkehrsmittel in Anspruch nehmen. (Anm.: Die Essener können zwar ein Jahr lang den Mittelpunkt einer Europäischen Kulturhauptstadt organisieren, sind aber nicht in der Lage etwas für die Bürger zu tun - Salz ist alle und Schneeflüge anscheinend Mangelware. Sorry, das musste jetzt mal raus!)

So, da der nächste S-Bahnhof etwa 20min. Fußweg entfernt ist und der Gehweg mit gut 30cm Schnee bedeckt war, war es erforderlich festes Schuhwerk und robuste Beibekleidung zu tragen. Für mich hatte das den Vorteil, dass ich auf den so sehr gehassten Anzug verzichten durfte und statt dessen meine lieblings Jeans tragen konnte. Zu meiner ganz persönlichen Freude klappte es dann sogar, dass ich ein für meine Verhältnisse tollen Kleidungsstil ausprobieren konnte, der mal so gar nicht nach Mann aussah  :-). Da ich mir ja auch diese Weihnachten vorgenommen hatte mit passender Gesichtsbemalung (ok es war dezent aber trotzdem klar erkennbar) aufzutreten, fühlte ich mich wieder Erwarten absolut phantastisch. Ich habe das Laufen (ach was sage ich das Stolzieren) durch die Stadt noch nie so genossen, und das trotz Bergen von Schnee!

Auch der Abend im Kreise der Familie meiner Partnerin war ein echt gelungener und sau gemütlicher Anlass. Zwar beäugte man mich hin und wieder kritisch, doch meine gute Laune und das damit begründete selbstbewusste Auftreten schien jegliche Skepsis über meine Person verschwinden zu lassen. Es war ein Abend wie ich ihn mir nicht erträumt hätte! Auch wenn ich mich selbst etwas irritiert fühlte, als ich in einem Geschenk eine Packung gut duftendem Pfeifentabaks vor fand. Zu Dumm, denn ich wollte ja nicht mehr rauchen. Nicht weil ich der Meinung bin als Frau keine Pfeife rauchen zu dürfen (auch wenn es zugegebener Maßen etwas komisch aussehen dürfte). Sondern weil ich aufgrund der Einnahme der Pille (Diane-35) jegliches Risiko zur Thrombose ausschließen möchte. Aber woher sollten meine Gönner das Wissen. Ein tolles Geschenk war es mit Sicherheit.

Da ich also ohne Auto unterwegs war und die öffentlichen Verkehrsmittel eher schlecht als recht funktionierten, war es geplant, dass ich die Nacht bei meinen Schwiegereltern verbringen sollte. Hier hatte ich dann natürlich vorausschauend geplant und einen einigermaßen neutralen Pyjama eingepackt da ich wusste, dass das Sofa im Wohnzimmer mein Bett für diese Nacht sein sollte.

Das schlechte Wetter hatte zudem noch ein Gutes. Mein Schwiegervater ist überzeugt traditioneller Katholik und zudem Pole. Und die Messe der polnischen Gemeinde sollte eigentlich gegen Mitternacht statt finden. Hier hätten wir garantiert mit gehen müssen um den Frieden in der Familie zu wahren. Aber der Schnee hinderte uns Erfolgreich daran, so dass wir uns nur die letzten Minuten der Weihnachtsmesse im Petersdom per TV rein ziehen mussten. Dann konnte auch ich mich endlich schlafen legen.

Leider war der Schlaf auf dem Sofa nicht gerade optimal. So kam es, dass ich am nächsten Vormittag (voll beladen mit Geschenken für meine Familie und saumäßigen Kopfschmerzen) mit meiner Frau den Rückweg zu meinen Eltern antrat da wir dort ebenfalls eingeladen waren. Natürlich wurde auch am ersten Weihnachtsfeiertag in Essen nicht wirklich Geräumt, so dass wir ganz K.O. bei ihnen ankamen. Es muss wohl an den Hormonen liegen, dass ich mich an diesem Tag so fühlte als hätte ich meine Tage. Auf jeden Fall motzte ich schon kurz vor der Haustüre über die Anstrengungen des langen Weges. Da mein Vater es auch an diesem Tage versäumte den Eingang frei von Schnee zu halten platzte mir direkt bei der Begrüßung der Kragen und ich fuhr sowohl meinen Vater als auch meine Mutter mehr als unangenehm an (Ich kann mir nicht helfen, aber ich hatte bestimmt meine Tage! 'Ne bessere Ausrede fällt mir dazu einfach nicht ein.).

Meine Frau nahm das erstaunlicherweise alles recht feinfühlig auf und versuchte mich liebevoll zu besänftigen (diese Frau verblüfft ich immer mehr!!!!). Ich bekam darauf hin einen emotionalen Gefühlsausbruch und verschwand in meinem Bett noch bevor dieser von den anderen bemerkt wurde. Meine Frau ließ mich dort zur Ruhe kommen bis sie mich wenig später zum Essen rief.

Naja, nach all diesem Hin und Her am ersten Weihnachtsfeiertag wurde es doch noch ein schöner Abend im Kreis meiner Familie. - Oh man, die Pubertät hat doch auch ihre Schattenseiten. Das hätte ich beinahe schon wieder fast vergessen.

Den zweiten Feiertag war ich allerdings so kaputt, dass ich ihn nur auf dem Sofa verbrachte. Ich war so fertig, dass ich selbst bei den kleinsten emotionalen Szenen im Fernsehen einen Heulanfall bekam. Da hilft nur schlafen, viel Ruhe und ein entspannendes Bad. Und genau das war mein Tagesablauf am Sonntag.

So und heute ist Montag und Weihnachten vorbei. Heute Vormittag war ich dann noch schön Shoppen mit meiner Frau und ihrer Schwester was ebenfalls für mich zu einem beglückendem Ereigniss wurde. Nicht weil ich tolle Schnäppchen machen konnte, sondern weil ich mich das erste Mal fühlen konnte wie eine von ihnen. Es war als wären drei Freundinnen unterwegs gewesen und hätten die Stadt unsicher gemacht. Und wieder einmal das i-Tüpfelchen bei der Sache war die Akzeptanz meiner Frau gegenüber meinem Auftreten. Es war so selbstverständlich wie beide mich aufnahmen, dass man den Eindruck haben konnte, sie wüssten beide voll und ganz über mich bescheid. Wer weiß, vielleicht ist meiner Frau doch schon wesentlich mehr klar über unsere Situation als ich es selber beginne zu begreifen? Wie auch immer, ich liebe das Leben. Und in diesen Tagen durfte ich es auch ganz stark fühlen. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl sich selbst zu fühlen!

Ich hoffe das auch Ihr schöne Erfahrungen machen konntet und ebenso schöne Tage hattet. Bei mir geht es auf jeden Fall morgen wieder zurück nach Hause und die Vorbereitungen für unseren Silvesterabend werden beginnen. Auch hier habe ich wieder etwas Bammel vor der Fahrt da das Wetter die Verkehrssituation laut Prognose etwas beeinträchtigen soll. Da hilft dann nur vorsichtig Fahren und hoffen, dass auch der nächste Blogeintrag kein Abenteuerbericht wird.

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