Dienstag, 21. Dezember 2010

Reset - alles auf NULL bitte!

Ok, zwei Dinge faszinieren mich gerade besonders:
1. Ich schreibe schon wieder an einem Post
und
2. Arbeit macht frei. Naja zumindest hilft es einem den Kopf frei zu bekommen. Mann könnte auch sagen: Sport macht frei! oder Wandern macht frei! oder...  Shoppen macht frei! ;-) Bei mir war es heute die Arbeit.

War ich doch eben noch zu tiefst pessimistisch so hat mich das Beladen meines Autos mit einem alten Schrank und das anschließende Putzen unseres (stark vom Beladen des Wagens beanspruchten) Treppenhauses dazu gebracht, einen freieren Kopf zu bekommen. Wahrscheinlich ist es dieses triste, dunkle Winterwetter und die Tatsache, dass ich fast nur noch zu Hause herum sitze, die mich so depressiv machen. Sonst bin ich ja immer in Aktion. Aber die Winterzeit ist nun mal so gar keine Zeit für Gärtner. OK, nach diesem Jahr mit samt seinen vielen und großen Baustellen, habe ich mir diese Winterauszeit echt verdient. Zumal ich ja noch einen Großteil der Buchführung hinter mich bringen darf. Aber so ganz von 100 auf null zu wechseln ist wohl auch nicht so gesund.

Ich habe mir dann vorhin noch einen weiteren Monat aus Dianas Blog-Tagebuch durchgelesen (Nebenbei: Hochachtung Diana für dienen Blog. Sauge ihn mir zur Zeit Tag für Tag ein Stückchen  mehr ein und kann oftmals gar nicht mehr aufhören weiter zu lesen!) .. ähm.. wo war ich? ach ja.. beim lesen ist mir dann so nebenbei eine ganz interessante Frage in den Sinn gekommen. Und zwar: Kann es sein, dass ich nicht ein Problem damit habe einen Männerkörper zu haben aber als Frau zu fühlen, sondern dass ich ein Problem mit der auffälligen Zwitterhaftigkeit eines T-Girls habe?
OK, das hört sich jetzt irgendwie an, als wenn es dasselbe wäre. Aber ich fühle da irgendwie einen unterschied.Ich habe sowas ähnliches auch schon einmal hier im Blog erwähnt.

Als ich damals vor Jahren meine erste Hormonbehandlung begann und mich auch psychologisch begleiten ließ, gab es im Ruhrgebiet (meiner Heimat) eine PostOP Transfrau die sich auch in einer Selbsthilfegruppe engagierte. Ich verfolgte damals so nebenbei ihre Beiträge. Ich selbst war mir ziemlich sicher den Weg bis zur OP und darüber hinaus gehen zu wollen. Outete mich bei einem Großteil meiner Familie und in meiner Firma in der ich damals noch als Grafiker angestellt war. Meinen Psychologen fand ich über eine Empfehlung anderer Transgender, die sehr gute Erfahrungen mit ihm gemacht hatten. Auch er kannte die PostOP Transfrau mit dem wohltätigen Herzen (mir fällt leider ihr Name nicht mehr ein). NACHTRAG: Habe die Seite wieder gefunden: http://www.transsexuell.de/airin-geschichte.shtml
Wie dem auch sei. Mein Psychologe war (ist es vielleicht auch noch immer) ein echt toller und einfühlsamer Zuhörer und Ratgeber. Doch zu meinem erstaunen sagte er mir irgendwann, das er an das Phänomen der Transsexualität nicht mehr so glaube. Er stellte sich wohl auch des öfteren die Frage, ob er mit seinen Gutachten wirklich zum Wohle der Patienten gehandelt habe. Für mich war das der Punkt an dem ich ihm erst recht beweisen wollte, dass es zumindest in meinem Falle die Transsexualität gibt. Ich war ja der lebende Beweis und nicht nur ich, viele andere über die ich durch das Internet erfuhr bestärkten mich in meiner Meinung; die sich nebenbei gesagt auch bis heute nicht geändert hat.

Doch irgendwann im Laufe der Sitzungen stieß ich überraschender Weise auf einen offenen Brief an alle Transgender von der besagten wohltätigen PostOP Frau. Dort sagte sie, dass ihr Entschluss eine Frau sein zu wollen wohl doch nicht so richtig war. Das sie ihrer Meinung nach den Schritt zur OP nicht hätte machen sollen,  obwohl sie dies immer gewollt und ersehnt hatte. Außerdem verwendete sie auch wieder ihren alten Männernamen. Den genauen Wortlaut dieses Briefes weiß ich leider nicht mehr aber er ging mir ehrlich gesagt durch Mark und Bein. Hatte mein Psycho doch recht? Tue ich gerade wirklich das richtige?
Wie auch immer, da ich zu diesem Zeitpunkt beruflich sehr eingespannt war (ich hatte gerade mit zwei Partnern eine Werbeagentur aufgemacht) und zudem noch meine Frau kennenlernte, beendete ich meine Sitzungen bei ihm und widmete mich den anscheinend wichtigeren Dingen meines Lebens.
Ich weiß heute nicht, ob das richtig war. Aber das spielt ja heute auch keine Rolle mehr. Fakt war, ich versuchte ab da an wieder meinen Mann zu stehen - der sich allerdings schon sehr schnell wieder danach sehnte sein wahres ICH zu bekommen. Sowas endet, wenn man nicht aufpasst, in einer tollen Psychose.
Auf jeden Fall beängstigt mich seit der Zeit der Gedanke, zwischen den Geschlechtern zu leben. Noch vor einem Jahr hielt ich den Gedanken ein "T-Girl" zu sein und zu bleiben für durchaus lebenswert, allerdings dachte ich da weniger an ein optisches erkennbares Zwischenbild. Denn welcher Tragsgender möchte schon als solch einer klar zu erkennen sein?! Man ist eher darauf aus, möglichst seinen körperlichen Idealen näher zu kommen: sei es die Gestalt der Frau oder die des Mannes. Aber das Zwischendrin wird doch eher als notwendiges Übel angesehen. Ich könnte wohl auf eine Vagina verzichten aber nicht auf das klare Erscheinungsbild einer Frau.
Doch genau hier klappt der Stuhl dann bei mir zusammen. Denn ohne diesen Übergang geht es nicht. Aber diesen Übergang will ich nicht. Dennoch stehe ich jetzt genau da wo ich nicht hin wollte und stelle mir die Frage, ob das der Weg ist den ich gehen muss?
Dummerweise geistert mir dann auch immer noch diese Story der sich zurücksehnenden PostOp Frau durch den Kopf und ich zweifele an mir selbst.

Ich werde noch ganz viel an mir Arbeiten müssen, so viel steht fest. Ich habe zwar auch schon darüber nachgedacht mich wieder einmal in eine psychologische Betreuung zu begeben, doch bin ich mir ziemlich sicher, dass es auf der anderen Seite raus geschmissenes Geld wäre. Ich weiß was ich will und ich weiß auch was mich bewegt. Und die Art und Weise diesen Weg zu gehen kann auch nur ich alleine festlegen, das würde mir auch ein Psychologe sagen.

Was ich jedoch heute wieder klar erkannt habe ist, dass ich mich nicht zu Hause verkriechen darf sondern was tun muss um ein ausgeglichenes Denken zu erhalten. Und da ist Bewegung sicherlich die Beste Variante. Gehört Shoppen eigentlich auch dazu? Mmh, wenn es nicht gerade Online ist bestimmt! ;-) Da kann ich dann nur hoffen das der Winter nicht all zu lang ist, sonst ist das angesparte Geld weg bevor ich wieder Rechnungen schreiben kann. Jeder Beruf hat halt seine Vor- und Nachteile.

Kommentare:

  1. Dass Du Dir genau diese Fragen stellst, ist enorm wichtig, wenn man sich da verrennt, dann hat man ein Einwegticket gelöst.

    Ich bin überzeugt, dass unser Schwarzweissdenken in Geschlechterfragen falsch ist, es gibt da auch Grautöne. Es gibt Menschen, die im richtigen oder falschen Körpergeschlecht leben und Solche die hinundher springen oder in der Mitte stehen.

    Darüber muss man sich im Klaren sein bevor man sich auf den Weg macht. Nur wenn man sich komplett am falschen Ort fühlt, macht so ein Schritt Sinn.

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  2. Hallo Diana,

    ich bin schon davon überzeugt, dass es so nicht weiter geht. Eigentlich war mir das sogar schon vor meinem Rückzieher vor einigen Jahren klar. Es ist glaube ich eher der Versuch alles unter einen Hut zu bekommen und es möglichst allen recht zu machen. Das aber genau dieser Wunsch völlig utopisch ist, merke ich jetzt auch.

    Von der Warte aus betrachtet ist es sicherlich gut und wichtig, dass ich diese freien Tage habe darüber intensiv nachzudenken - auch wenn es weh tut.

    Ich denke auch, das es auch Zeit wird mit meiner Partnerin offen darüber zu reden. Auch wenn ich denke dass sie schon viel weiß, hat sie ein Anrecht darauf es direkt aus meinem Mund zu hören. So geht es auf jeden Fall nicht weiter. Wie Du schon schreibst 'da verrennt man sich' sonst.

    Ich danke dir für Deine klaren Worte!!!

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  3. Niemand kann es allen Recht machen, unter diesen Umständen sowieso nicht. Deshalb scheint es mir wichtig, sich von diesem Wunsch zu trennen. Jeder Mensch hat seinen Weg, den man gehen muss und den Preis dafür muss man bezahlen. Wichtig ist, sich darüber ganz im Klaren zu sein, dann fällt das Zahlen leichter ;-)

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  4. Der letzte Satz ist echt gut, der passt wie die Faust aufs Auge - den muss ich mir merken!
    Mal sehen wie viel es in meinem Fall kosten wird :-(

    ... kann da nur hoffen, dass ich genug Kredit habe ;-)

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