Donnerstag, 16. Dezember 2010

Panik? Angst? Oder alles zusammen?

Oh Gott, ich habe Angst vor Weihnachten. Weihnachten fahren wir zu unseren Familien. Da ich arbeitsbedingt sowieso mehrere Wochen im Jahr im Haus meiner Eltern verbringe und dort daher auch eine kleine Wohnung habe, ist es bei ihnen eher anstrengend als problematisch. Meine Mutter weiß von meiner Transsexualität, glaubt jedoch dass diese "unter Kontrolle" sei. Mein Vater betrachtet mich derweil so wie ich bin, nennt mich sogar manchmal spaßeshalber "Süße". Irgendwie auch süß, oder?!?
Doch an mindestens zwei Tagen sind wir auch bei den Schwiegereltern. Und dort wird nicht Christina auftreten sondern ihr imaginärer Zwillingsbruder. Wenn ich daran denke wird mir im wahrsten Sinne des Wortes schlecht. Jetzt ist es ja nicht gerade so, dass ich zu Hause nur noch als Frau herum laufe - obwohl mein Kleiderschrank sich schon ziemlich verweiblicht vor kommt. Aber zu Hause werde ich akzeptiert wenn ich mich dezent schminke und die Klamotten trage die mir gefallen. Selbst in meinem Elternhaus ist das ja sogar bis zu einem gewissen Grad möglich. Ich denke sie akzeptieren es so lange es meine Frau akzeptiert und wir mit einander klar kommen.
Aber jetzt bei den Schwiegereltern und der restlichen Verwandtschaft ist es eine ganz andere Situation. Sie wissen alle nichts von meiner wahren Person und meiner Frau wäre es garantiert auch nicht recht wenn ich mich an solch einem Tag nicht "zusammenreißen" würde.
Es wird sowieso für alle etwas irritierend, da sich seit unseren letzten Familientreffen dank der von mir eingenommenen Hormone so einiges an meinem äußeren verändert hat. Außerdem sind die Haare länger bzw. voller geworden. Es wird mir also nichts anderes übrig bleiben, als einen Drei-Tage-Bart stehen zu lassen und das auch noch für fast eine Woche. Ich fühle mich jetzt schon vor mir selbst unglaubwürdig, wie soll ich das durchstehen. Ganz ehrlich, Weihnachten kränkt mich total. Alle schmeißen sich in tolle Roben, sind einfach festlich gekleidet und genießen die besinnliche Stimmung. Nur Christina sitzt als Mann verkleidet, in Klamotten die sie nicht ausstehen kann inmitten dieser ahnungslosen Gruppe und bekommt wo möglich noch Geschenke mit Rasierwasser oder Parfum der Marke "Männerduft". ... uurg.
Ich will das nicht! Aber was soll ich machen, alles absagen und damit den sich freuenden Familienmitgliedern vor den Kopf treten? Oder soll ich Nägel mit Köpfen machen und meine wahre Person präsentieren und damit nicht nur meine Beziehung sondern auch die vertraute Familienbande riskieren?
Na gut, es ist ja nicht so dass ich ein Püppchen bin das jetzt unbedingt ihr „kleines Schwarzes“ der Öffentlichkeit aufs Auge drücken muss. Ich bin ja auch sonst im Alltag eine Jeansträgerin. Aber Hemden im figurlosen Männerschnitt und dazu einen Phallus-Symbol artigen Halsumhang namens Krawatte... würg.... Ach ja, die 80er Jahre Porno Anzughose nicht zu vergessen und die lang gezogenen Lederschuhe die aussehen wie Kindersärge ... "hey alter was geht“... ne, da geht bei mir gar nichts mehr. Ich muss mir echt was einfallen lassen. Weihnachten wird ne echte Herausforderung.
Vor allem muss ich zusehen, dass ich mit dem Schminken nicht übertreibe. Ich habe die tage schon mehrfach von meiner Frau gesagt bekommen, ich hätte zu dick aufgetragen. Dabei kam es mir überhaupt nicht so vor. Eher im Gegenteil, ich fand es genau richtig um mir selbst zu gefallen, was ja nicht so einfach ist, wenn man noch diese aufdringliche Gesichtsbehaarung ertragen muss.
Oh Gott, Weihnachten ist doch ein Fest der Liebe. Ich hoffe wir haben alle ein Übermaß dieser Liebe mit dabei um diese Tage unbeschadet zu überstehen!

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