Donnerstag, 16. Dezember 2010

Nähmaschinenträumereien


Es ist noch eine Woche bis Heiligabend und eigentlich sollten ja alle Geschenke gut verpackt auf ihren großen Auftritt unter dem Christbaum warten. Aber wenn man sich selbst etwas zu Weihnachten schenkt, und dadurch ja auch zwangsläufig weiß, was man bekommt, dann dürfte es doch sicherlich gerechtfertigt sein, sich dem unmenschlichen Terrors der ungeduldigen Warterei zu entziehen und das Geschenk schon vorher auf Herz und Nieren zu prüfen. Oder? ---
Wie könnte es also andres sein, als dass ich mein ganz persönliches Weihnachtsgeschenk an Christina gar nicht erst eingepackt habe, sondern es direkt und voller Ungeduld aus seiner Verpackung befreite: Eine Nähmaschine. Meine Nähmaschine. Oder noch besser ausgedrückt Christinas Nähmaschine.
Eine Nähmaschine wollte ich schon immer haben. Ich liebe das kreative arbeiten, habe schließlich nicht umsonst nach meiner Gärtner-Lehre ein Grafik-Design Studium begonnen. Mein Wunsch war es, in oder zumindest mit der Mode zu arbeiten. Da ich ja ein männliches Wesen verkörperte, hätte ich mich nie getraut in eine Modedesignschule zu gehen oder eine Lehre zum Schneider zu machen. Daher die Wahl zum Grafik-Design. Aber auch hier fehlte mir der Mut mich bei Modeverlagen oder -agenturen als Grafiker zu bewerben. Ich hatte ja gar keine Ahnung von Mode; ich liebte sie halt nur. Jedoch in erster Linie nur die Frauenmode aber in keinster Weise die Männermode. Männermode fand ich schon immer „doof“. Sie ist meist Plump, eintönig und wenn dann doch mal jemand versucht Kreativität an Männern auszulassen, kommt meistens ein idiotischer, alberner Klamottenkiste-Stil zum Vorschein, der alles andere als schön ist.
Natürlich hätte ich das „Mode machen“ gerne irgendwie gelernt. Doch meine Mutter war für solche Dinge überhaupt nicht zu haben. Und meine Großmutter, die immerhin viel auf ihrer alten Pfaff nähte, hatte einen Stil, den ich jetzt einfach mal ganz voreingenommen als Oma-Stil beschreiben würde – die konservativen Seiten von Bader oder Klingel (Versandhäuser!) dürfen hier mal als bildhafte Beispiele dienen.
Also nähen war toll, aber leider ein Bereich der mir nicht zugänglich war. Und obwohl es mir in der Grundschule sehr viel Spaß gemacht hat mit Stoffen, Gewebe und Wollen umzugehen, so hinderte mich der Druck meiner Klassenkameraden daran, mich näher mit diesem Thema auseinander zu setzen. Tja, die Rollen werden schon sehr früh verteilt, so ist es eben. Und wenn man den Mut nicht hat dagegen an zu schwimmen, ….....------------------

Naja, und dieses Jahr habe ich mir diesen sehnlichsten Wunsch erfüllt. Es ist ein tolles Gefühl etwas erreicht zu haben, worauf man jahrzehntelang gewartet hat.

Aber wo ich gerade beim träumen bin. Nicht nur von tollen Kleidern oder überhaupt Klamotten habe ich geträumt, sondern auch vom tanzen. Ich hätte schon als Kind gerne Ballett gemacht. Ach wäre das toll gewesen. Ich finde es heute noch toll aber ich befürchte, dafür ist es wirklich schon zu spät. Ich würde mir sicherlich alle Knochen brechen. Außerdem dürfte mein Körper alles andere als graziös in Erscheinung treten. Ich kann ja froh sein wenn ich es hin bekomme diese männliche Fassade in eine weibliche zu transferieren. Aber Ballett... upps, da strömt es mir tatsächlich ein wenig die Schamröte ins Gesicht. Nee nee, dass wäre echt albern. Und Standardtanz liegt mir überhaupt nicht. Ich war zwar mit einer Freundin mal für einige Jahre in einer Tanzschule, aber das tat ich ihr zu liebe. Mir machte es nie so richtig Spaß auch wenn man uns sagte, dass wir Talent hätten. Heute hält mir meine Frau diesen Teil der Vergangenheit regelmäßig vor, „ich könne ja auch mit ihr einen Tanzkurs belegen“. Aber ganz im Vertrauen: Wie sieht das aus wenn beide geführt werden wollen?!? Und die Männerrolle werde ich garantiert nicht mehr übernehmen, zumal ich sowieso alle Schritte bereits vergessen habe – und das ist auch gut so.

Schöne Klamotten, Handarbeit und Ballett all das hätte ich so gerne gemacht. Aber es waren eben Mädchensachen, für mich daher überhaupt nicht zugänglich. Meine Schwester (das einzige biologische Mädel unter uns Kindern) bekam diese Dinge in mehrfacher Konzentration zugespielt, ohne dass sie darum Kämpfen musste, und sie ging darin auf. Obwohl sie meine kleine Schwester war, war sie (und ist sie teilweise noch heute) mein großes Vorbild – irgendwie zumindest in dieser Hinsicht ist sie daher auch meine große Schwester.

Aber das Leben geht weiter und so habe ich nun auch meine Nähmaschine und werde versuchen mein gesamtes Talent in die Stoffkiste zu werfen um mir einen Teil meiner Träume in die Realität zu holen. Sobald es mir gelungen ist, gibt es hier demnächst was zusehen ….. ich hoffe es mal. ;-)

Ach ja, wie meine Frau auf dieses Hobby reagiert? Da sie überhaupt keinen Bezug zu Handarbeit hat, akzeptiert sie es mit der Hoffnung, dass etwas Produktives dabei heraus kommt. Neue Vorhänge und Kissenbezüge für unser Sofa hat sie schon angemeldet und ein Kleid wäre auch nicht schlecht. Sie hofft allerdings vor allem, dass das Geld für die Maschine auf diese Weise wieder zurück kommt. Manchmal habe ich den Eindruck, dass wir irgendwie verkehrte Rollen haben. Aber es scheint zu funktionieren. Zum Glück!!!!!!!

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