Mittwoch, 1. Dezember 2010

Kalte Tage - warme Herzen

Mit Liebe gemacht!

Es ist mittlerweile wieder einmal Winterzeit und damit bald wieder ein Jahr vorbei. Mein Rückblick fällt diesmal recht positiv aus, da sich doch in meinem Leben einiges geändert hat. Das allermeiste in meinem Kopf!

Als ich mir vor über einem Jahr das Video von KimberATL auf YouTube angesehen hatte, überkam mich ein Gefühl der Ohnmacht. Kimber präsentierte sich dort selbstbewusst und überaus authentisch. Sie hatte gerade die ersten Wochen ihrer Hormontherapie hinter sich und erzählte in ihrem Video wie sich alles an ihr und ihrer Einstellung geändert hatte bzw. zu ändern begann. Es klang alles so positiv und zuversichtlich, dass mich ihr Video ziemlich intensiv emotional erwischte. Das war für mich wieder einmal der "Stein des Anstoßes" der mich dazu brachte, intensiver über mein Leben als Mann oder Frau nachzudenken. Die eine Rolle kannte ich. Immerhin spielte ich sie seit anbegin meines Lebens. Die andere Rolle ersehnte ich mir. Ich fühlte sie zwar, doch lebte sie nicht. Quälen tat mich die Männerrolle eben so lang wie ich frei denken kann. Aber auch die Frauenrolle war nicht minder quälend. Immerhin scheint es bis heute keinen unproblematischen Ausweg zu gebe, den Rollenwechsel begehe zu können.
Kimber schien solche Probleme nicht zu haben. Natürlich sagte mir die Logik, dass auch Kimber solche oder ähnliche Probleme durchgemacht hat. Aber ihr Vorteil schien vor allem ihr Alter zu sein. Eine Vorteil, den ich definitiv nicht einholen kann! Wie auch immer, immerhin brachte mich ihr Video zum nachdenken. Was jetzt allerdings nicht heißen soll, dass mich dieses Video wieder zum Wunsch, als Frau leben zu wollen, brachte. Nein. Immerhin fand ich dieses Video nicht durch Zufall, sondern weil ich mich wieder einmal den quälenden Fragen zu meiner "Identitätsstörung" stellen wollte. Ich suchte nach Lösungen für dieses Leben. Alleine schon, weil ich damals intensiver denn je einen gewissen Lebensunmut verspürte und mich fragte, was wohl passieren wird, wenn ich so weite Lebe wie bis zu dieser Zeit; bis dahin wurde es nämlich kontinuierlich schlimmer und nicht besser.
Nachdem ich mir Kimbers Videos (damals waren es noch einige, heute scheint sie nur noch eines bei YouTube eingestellt zu haben - schade!) intensiv angehört und angesehen hatte, fasste ich neuen Mut, mich meiner Transsexualität zu stellen.
Heute bin ich froh darüber, Kimbers Videos gefunden zu haben. Es war höchste Zeit mich der Verantwortung meines Leben zu stellen.

So, und nun mein Jahresrückblick:

Nachdem ich mich anfänglich der Phytomedizin hingegeben habe, bin ich mittlerweile wieder bei der klassischen Pille gelandet. Nicht nur weil diese wesentlich günstiger ist, sondern weil mir die körperlichen Veränderungen (genau genommen der Körperbau) wichtig sind. Wie schon vor einigen Woche geschrieben, haben auch die Naturpräparate eine körperliche Veränderung herbeigeführt, allerdings nur auf sehr feiner und oberflächlicher Ebene. So hat sich die Haut wesentlich verfeinert; Falten sind weniger geworden, die Haut wurde sichtbar straffer. Auch eine Veränderung in der Brust (speziell in den Brustwarzen) habe ich wahrgenommen; die Brust wurde etwas runder (wenn auch nicht größer!), die Brustwarzen fester und empfindlicher. Auch hatte ich den Eindruck, dass sich meine Muskulatur verändert hatte; mir fehlte es nicht nur des öfteren an Kraft (obwohl ich arbeitstechnisch im Training war) sondern auch die optische Masse ging zurück. Aber dabei blieb es auch. Und eine Erhöhung er Dosis hat definitiv keinen wirklichen Einfluss auf eine stärkere Veränderung. Ich hab eher den Eindruck gehabt, dass eine erhöhte Dosis negativen Einfluss auf die Psyche hat. Von körperlichem Unwohlsein mal ganz zu schweigen. Ich denke, die Phytohormone sind gut zur Aufrechterhaltung eines hormonell veränderten Körpers. Aber nicht zum Verändern selbst.

Ganz gravierenden Einfluss hatten die Mittel jedoch auf meine Gesinnung; ich fühlte mich freier, nicht so eingedrückt und entwickelte damit auch mehr Mut mich als Frau zu geben.
Wie dem auch sei. Was mir fehlte war allerdings der richtige Körper. Ich hasse diesen männlichen Körper einfach nur noch und daher musste ich meine hormonelle Situation in Frage stellen. Das Ergebnis ist, dass ich seit etwa neun Wochen wieder einmal die Pille einnehme und mich großartig damit fühle. Nebenwirkungen verspüre ich keine und zu meiner Freude tut sich gewaltiges in meiner Brust - die Pubertät auf die ich die ganzen Jahre gewartet habe nimmt endlich fahrt an! :-)))

Nun gut, Friede-Freude-Eierkuchen ist definitiv damit noch lange nicht. Da ist ja noch mein Umfeld und vor allem meine Frau. Aber auch hierbei fällt mein Rückblick gar nicht so schlecht aus. Gut, anfangs war sie schon etwas irritiert, als ich mir die Beine rasiert hatte. Aber das legte sich relativ schnell. Ich erzählte ihr des öfteren von meine Gefühlen auch wenn ich das Thema Transsexualität bewusst nicht angerissen habe. Sie merkte wohl auch, dass ich das erste mal einen durchweg zufriedenen Lebenseindruck hinterließ. Sie akzeptierte es dann zu meiner Überraschung, dass ich mir die Fingernägel ab und zu lackierte oder mich zum raus gehen ein wenig schminken wollte. Irgendwann kam sie dann auch auf die Idee, dass ein angebotenes Nachthemd doch auch für mich ok sein könnte. Ich war daraufhin mehr als überglücklich diese Offerte aus ihrem Mund gehört zu bekommen. Nun ja, mir ist schon klar, dass sie das alles nur bis zu einem gewissen Grad akzeptieren wird. Denn immerhin hat sie mich als Mann kennen gelernt und mir mehrfach gesagt, dass sie definitiv nicht lesbisch ist. Aber bislang sehe ich auch keinen Grund ihr diesen Mann gänzlich zu nehmen. Denn so wie ich es auch schon am Anfang meines Blogs geschrieben habe, habe ich überhaupt nicht die Absicht, den radikalen Strich zu ziehen. Ich denke, ich würde das auch psychisch gar nicht durchhalten. Es kommt mir eher darauf an, mich in meinem Körper wohl zu fühlen. Und da lasse ich mir alle Möglichkeiten für die Zukunft offen.
Das mein Kleiderschrank langsam verweiblicht, akzeptiert meine Frau mit einem lieb gemeinten Grinsen. Auch unterstützt sie mich beim Klamotten kauf, auch wenn dann immer mal wieder Männersachen in der Umkleide auftauchen. Aber ich verweigere mich ja auch nicht unbedingt vor diesen Klamotten so lange sie auch etwas feminine haben. Aber so wie meine Frau sagt, scheint sie diese feminine Ader an mir zu lieben. Ich hoffe es bleibt so!!!

Das Leben ist schon manchmal komisch, oder? Vielleicht war mein Denken über dieses Leben aber bislang auch nur viel zu verstockt und voreingenommen als das ich es zugelassen hätte zu glauben, dass es eine vielseitige Akzeptanz zur Individualität bietet, wenn man es richtig angeht.

Ich wünsche Euch allen die Ihr meinen Blog lest einen schönen und besinnlichen Jahresausgang und einen guten Rutsch ins neue Jahr! Haltet den Kopf oben und vernachlässigt nicht das positive Denken.

Eure Christina

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