Donnerstag, 30. Dezember 2010

Das böse T-Wort - Oder: Über Transsexualität zu reden ohne es auszusprechen!

Ich habe es glaube ich schon des Öfteren in meinem Blog erwähnt: Ich bin nicht gerade stolz darauf "transsexuell" zu sein und habe auch so meine Schwierigkeiten damit, meiner Umwelt dieses Thema zu vermitteln. Ich denke, auch wenn eine Toleranz mittlerweile zu diesem Thema gegeben ist, ist und bleibt es mehr oder weniger ein freakiges Thema über das man sich meist nur im Spott aus lässt.

Wie komme ich nun auf dieses zugegebenermaßen schwere Thema?
Wie ich ebenfalls schon oft erwähnt habe, konnte ich mit meiner Frau bis heute nicht richtig über meine Transsexualität reden. Zwar brennt es mir im Herzen sie mit in meine Gedanken und Gefühle einzubeziehen aber das Thema direkt anzusprechen schaffe ich nicht; und sehr wahrscheinlich will ich es auch tief im Inneren gar nicht.
Und wieso will ich das nicht? Ich glaube die Antwort ist bezugnehmend auf eine Eingangsworte doch recht simpel: Weil ich mich nicht als Transsexuell ansehe sondern als Frau die nur ein recht unpassendes dämliches Äußeres hat. Mir geht es da nicht anderes wie vielen Menschen, die Transsexualität als Fetisch oder Krankheit ansehen. Ich weiß, dass ist sicherlich etwas naiv Gedacht und auch absolut nicht die richtige Sichtweise. Aber als genau so naiv sehe ich es auch an, auf einmal als ein anderes Geschlecht anerkannt werden zu wollen. Auch wenn ich es aus logischer Sicht besser Wissen müsste als der Rest der Gesellschaft, ich denke aber vom Prinzip her genauso da ich mit diesem Denken aufgewachsen bin! Daher ja auch die eigenen Probleme sich mit dem Ich-gewordenen Problem auseinander setzen zu können.

Gut, ich könnte jetzt zu meiner Frau gehen und sagen: "Schatz, wir müssen mal miteinander reden. Ich habe da seit meiner Vorschulzeit ein bewusstes Problem mit dem ich auch heute noch Schwierigkeiten habe umzugehen: Ich bin eingentlich kein Mann, sondern eine Frau! Ich ziehe gerne Frauenklamotten an und möchte ab sofort auch nur noch als Frau leben." Die garantiert erste Reaktion meiner Frau wäre ein symbolischer Vogel und die Frage: "Hallo, hast Du 'nen Schaden? Was hast Du geraucht?". Klar, sie würde mich nicht für ernst nehmen.
Doch was wäre wenn ich es nach einiger Zeit nochmal versuchen würde zur Sprache zu bringen, vielleicht sogar mit allem Nachdruck? Es wäre dann sehr wahrscheinlich das zehnfache dessen was ich erlebte, als ich mir das erste Mal die Beine rasierte: Sie bekam einen Heulanfall, schrie mich mehrfach an ich sei krank und verrückt, verwies mich des Bettes und sagte ich solle zum Psychologen gehen. Ich mag gar nicht darüber Nachdenken wie ihre Reaktion in Bezug auf ein direktes Voll-Outing sein könnte. Ich denke, ich könnte meine Koffer packen.


Aber muss das so kommen? Muss ich mit der Tür ins Haus platzen? Muss ich meiner Partnerin dieses sehr Umfangreiche und absolut tief in die Beziehung eingreifende Problem mit einem Mal auf's Auge drücken?

Seit dem ich mich zur Transsexualität bekennen muss (sprich, seit dem ich weiß warum ich bin wie ich bin!), habe ich die verschiedensten Lebensberichte anderer TS in Büchern, Foren und Blogs gelesen. Oftmals war das Coming Out der eigentliche Wendepunkt bei den Meisten, da hier die einschneidensten Erlebnisse stattgefunden haben. Wer von Kindheit an das weibliche Leben trotz männlichen Körper leben konnte oder wer u.U. als Erwachsener beziehungslos war, hatte weniger stark mit den Nebenwirkungen des Outings zu kämpfen. Zwar musste auch hier eine gesellschaftliche Akzeptanz erkämpft werden aber der Zerfall eines anscheinend intakten Lebens viel weniger stark ins Gewicht. Zumal in erster Linie nur noch die Verantwortung vor sich selbst und nicht noch gegenüber einem Partner oder vielleicht sogar einer Familie (die Eltern mal ausgenommen) im Wege stand.

Ich habe mich dann beim Lesen dieser Berichte immer wieder gefragt, warum es zu solch einschneidenden Ereignissen überhaupt kommen musste? Waren die Personen schon vom Unterbewusstsein darauf aus, ihr gesamtes Leben mit einem Mal einfach abzuschmeißen? Das wäre ja zumindest ein triftiger Grund sich möglichst aufsehen erregend zu outen.
Oder waren die Personen von ihren eigenen, auf einmal bewussten Gefühlen sowas von überwältigt, dass sie jegliches Feingefühl verloren und sich somit in den partnerschaftlichen Freitod begaben?
Eine Antwort auf diese Fragen ist sicherlich nicht pauschal zu geben, da individuelle Persönlichkeiten und Lebensumstände hier eine ganz wichtige Rolle bei spielen. Und auch ob das Ergebnis solch eines Coming Out als gut oder schlecht angesehen werden kann, lässt sich nur individuell beantworten. Ich denke, dass für jeden der vor dem Problem des OUTEN steht mindestens drei Dinge klar sein sollten:

  1. Jeder Mensch hat eine Verantwortung sich selbst aber auch seiner Umwelt gegenüber. Dieser Gedanke schließt ein Geben und Nehmen ein, was allerdings oft in der Realität meist nur als Nehmen verstanden wird. Das bedeutet, wenn ich meinem direkten Umfeld eine so starke Veränderung mitteilen muss, dann sollte ich es in verständlichen und kleinen Schritten unternehmen. Ich kann nicht erwarten, dass mein Gegenüber alles genauso auf nimmt, wie ich es selber empfinde - wofür ich selbst vielleicht Jahre oder Jahrzehnte gebraucht habe um sie zu begreifen. Meistens versteht der Gegenüber selbst bestens formulierte Erklärungsversuche nur zur Hälfte. Das trifft noch wesentlich stärker auf nahe Familienangehörige, den Ehepartner oder die Kinder zu. Hier behindern alleine die starken Gefühle oft ein klares Verständnis der Lage! Man muss seinen Leuten also Zeit lassen und sie nicht überfordern.
  2. Jeder Mensch hat das Recht auf Individualität - auch in einer Partnerschaft. Wenn ich gerührt bin darf ich weinen. Wenn ich mich gut fühle darf ich glücklich sein. Wenn ich keinen Bart mag brauche ich keinen zu tragen. Wenn ich... man könnte das jetzt beliebig lange ausführen. In meinem Fall war es so, dass die radikale Rasur meiner Beine meine Frau überforderte. Aber das leichte Schminken und das tragen von Tops, Nachthemden und Blusen eher mit einem Schmunzeln aufgenommen wurde. Auch der Ohrring der nach Jahren wieder zum Einsatz kam, führte nur kurz zu irritierten Blicken. Alles zusammen trat aber auch hier in homöopatischen Dosen ein. Um genau zu sein war es ein Zeitraum von 1 1/2 Jahren für diese recht geringen Veränderungen. Meine Frau hatte Zeit sich auf mein ganz neues und individuelles Lebensgefühl einzustellen.
  3. Man sollte sich klar sein, was man fühlt und vor allem was man will. Da greife ich dann gerne nochmal den Vergleich von Diana auf, die es in einem Kommentar so treffend benannte: "Niemand kann es allen Recht machen, unter diesen Umständen sowieso nicht. Deshalb scheint es mir wichtig, sich von diesem Wunsch zu trennen. Jeder Mensch hat seinen Weg, den man gehen muss und den Preis dafür muss man bezahlen. Wichtig ist, sich darüber ganz im Klaren zu sein, dann fällt das Zahlen leichter". Ich finde besser kann man es nicht ausdrücken!
Wenn ich mich versuche in die Lage der Anderen  rein zu denken, dann bekomme ich immer dieses eine Bild: Was wäre, wenn mein Vater von heute auf morgen zu uns sagen würde, er wolle ab sofort nur noch als Frau leben weil er sich so fühle und es nicht länger aushalten würde?
Selbst ich als Transe würde wohl zuerst geschockt sein. Dann jedoch würde die Logik in mir aufkommen und ich würde sehr wahrscheinlich von mir auf ihn schließen. Ich würde wohl Verständnis für seine Situation entwickeln und denken, dass es ja naheliegend sei, da wir ja eine direkte Geschlechtslinie sind und ich ja auch Transsexuell sei. Doch wäre das richtig? Immerhin ist Transsexualität keine Krankheit und muss daher auch zwangsläufig keine Vererbung beinhalten. Wäre Transsexualität eine Krankheit, wäre es naheliegender das es auch vererbbar ist. Bei diesem Vergleich stellt sich für mich heraus, dass ich wohl auch in mir dieses Krankheitsdenken zu TS habe obwohl es ja mittlerweile auch medizinisch bewiesen ist, dass TS keine Krankheit ist!
Doch was dann beim Nachdenken über meinen Vater noch käme wäre die Frage: Welche Sorgen oder Probleme hat er, dass er sich in eine andere Persönlichkeit flüchten will? Und da schlägt es mir doch gleich den Boden unter den Füßen weg. Ich selbst bin Transsexuell. Ich selbst kämpfe seit frühester Kindheit mit dem falschen Körper. Ich selbst habe mich geoutet und die ganzen Peinlichkeiten schon einmal mitgemacht. Ich selbst kämpfe für die Anerkennung meines Problems und meiner Persönlichkeit. Und dennoch kommen mir bei einem solchen Gedankenspiel als erstes die Gedanken in den Sinn, die alle anderen Unwissenden hierzu wohl auch denken würden. Wie kann das sein?

TS ist einfach abstrakt. Sie ist (noch) nicht 100% medizinisch nachweisbar. Sie ist nicht mit äußeren Symtomen eine Krankheit verbunden . Und sie ist auch nicht nachfühlbar. Es ist einfach nur wie es ist und das macht das ganze so kompliziert. Und daher ist es auch so wichtig die obigen drei Punkte immer wieder vor Augen zuhalten. TS ist wenn sie behutsam und überzeugt gelebt und vor allem angegangen wird nichts unmögliches. Das zeigen dann auch wieder die vielen Blogs oder Bücher die man so vielfältig im Internet oder im Buchhandel finden kann. In dieser Hinsicht bin ich froh heute zu leben und nicht vor 30, 50 oder mehr Jahren - eine Zeit in der, glaube ich, die Informationsvielfalt gleich null war.

Ich für meine Person habe mir vorgenommen das Thema Transseualität möglichst lange Zeit in meiner Partnerschaft unangesprochen zu lassen. Meine Frau weiß das ich mich verändert habe, so nebenbei sprachen wir heute morgen darüber und sie tat, als wäre es fast das normalste von der Welt. Sie kennt meinen Kleiderschrank, sie kennt meine Kleidungsvorlieben, sie kennt meine kleine Schminktasche und ich bin ziemlich davon überzeugt, dass sie auch weiß was mit mir los ist - wir Frauen merken doch sowas eigentlich recht schnell, nicht wahr ;-) ! Sie hat natürlich auch Ängste, auch das merke ich. Zur Zeit wohl auch davor, dass wir keinen Sex mehr haben könnten. Dank der Pille läuft da momentan ja nicht wirklich was. Vielleicht hat sie auch Angst davor, dass ich irgendwann sagen könnte, ich müsse mein eigenes Leben leben - quasi meine Frau ausleben. Und na klar, sie wird auch Angst davor haben, dass ich auf einmal der Splin bekommen könnte nur noch als "Transe" herum zu laufen.
Es liegt also an mir, wie ich damit umgehe. Da ich sie liebe, werde ich nur kleine Schritte machen. Und sollte ich feststellen, dass es einen Punkt gibt an dem meinem inneren Gefühl als Frau genüge getan ist, dann werde ich ihr zu liebe an dieser Stelle stoppen. Momentan ist die Wirkung der Pille noch verhältnismäßig gering. Körbchengröße AA hatte ich ja bereits als ich meine Frau kennenlernte. Momentan ist die Brust wieder etwas am arbeiten, doch ich denke mit einer Diane-35 am Tag werden sich stärkere Veränderungen in Grenzen halten. Und was dann kommt, wird die Zeit und die Gefühle zeigen. Nur überfordern will ich niemanden. Alleine schon weil ich selber weiß wie oft mich diese Thema in der Vergangenheit überfordert hat. Das mir das gelingt, dass ist einer meiner größten Wünsche für das kommende Jahr!

A propos Neues Jahr:
Ich möchte dieses wohl letzte Posting für dieses Jahr nutzen und all jenen danken, die ihre Blogs über ihr Leben als TS im Internet frei zur Verfügung gestellt haben. Es ist nicht selbstverständlich sich vor der ganzen Welt so weit zu öffnen. Dazu gehört eine Menge Mut und Überzeugung seiner eigenen Person gegenüber. Es ist wichtig das es Eure Berichte gibt und ich hoffe ebenfalls mit meinem (noch) recht kleinen Blog einen Beitrag für all jene zu geben, die mit ihrer ganz individuellen Situation auf der Suche nach Antworten oder Hilfestellungen sind.
Vor allem aber, lasst uns weiter zusammen daran arbeite der Welt zu zeigen was und wer wir wirklich sind. Es gibt noch so viel zu verbessern, zu verändern und aufzuklären. Wenn wir das nicht zusammen tun, wer dann!?!

Ich wünsche Euch allen einen guten Rutsch ins neue Jahr 2011! Möge es möglichst viel Positives mit sich bringen und Eure Wünsche erfüllen oder zumindest Euch Euren Wünschen näher bringen!

In diesem Sinne nochmal ein riesiges Dankeschön!!!

Eure Christina

    Montag, 27. Dezember 2010

    Weihnachten 2010

    Sodele, Weihnachten haben wir dann mal wieder hinter uns gebracht. In so einigen Blogs habe ich ja schon von kleinere Weihnachtsgeschichten und -erlebnisse lesen können. Und andere haben vielleicht noch gar nicht die Gelegenheit dazu gehabt ihre ganz persönlichen Geschichten aufzuschreiben oder wollen es womöglich aus ganz individuellen Gründen auch gar nicht machen.
    Ich selbst will auch nicht zu weit ausholen, da ich der Meinung bin in den letzten Tagen schon viel zu viel geschrieben zu haben. Dieser Blog hat ja eigentlich nicht den Sinn einen Abriss meiner Tageserlebnisse Preis zu geben, sondern soll ja eine Einblick in den transsexuellen (Er-)Lebensprozess ermöglichen - und mir dabei auch nicht zuletzt die Gelegenheit bieten, all die Dinge über die ich mit kaum jemanden reden kann, von der Seele zu schreiben. Von daher werde ich versuchen, nur die wichtigsten Erlebnisse hier einzubringen (Nachtrag: Und ich habe feststellen müssen, dass es ein Roman wurde ;-) ):

    Also, dank des vielen Schnees und der schlechten Arbeit der Essener Entsorgungsbetriebe (die sind hier für das Räumen der Straßen zuständig - ist ein echter Saftladen!!!) durfte ich mein Auto Heiligabend stehen lassen und die (natürlich!!!) ebenfalls schlecht vorbereiteten öffentlichen Verkehrsmittel in Anspruch nehmen. (Anm.: Die Essener können zwar ein Jahr lang den Mittelpunkt einer Europäischen Kulturhauptstadt organisieren, sind aber nicht in der Lage etwas für die Bürger zu tun - Salz ist alle und Schneeflüge anscheinend Mangelware. Sorry, das musste jetzt mal raus!)

    So, da der nächste S-Bahnhof etwa 20min. Fußweg entfernt ist und der Gehweg mit gut 30cm Schnee bedeckt war, war es erforderlich festes Schuhwerk und robuste Beibekleidung zu tragen. Für mich hatte das den Vorteil, dass ich auf den so sehr gehassten Anzug verzichten durfte und statt dessen meine lieblings Jeans tragen konnte. Zu meiner ganz persönlichen Freude klappte es dann sogar, dass ich ein für meine Verhältnisse tollen Kleidungsstil ausprobieren konnte, der mal so gar nicht nach Mann aussah  :-). Da ich mir ja auch diese Weihnachten vorgenommen hatte mit passender Gesichtsbemalung (ok es war dezent aber trotzdem klar erkennbar) aufzutreten, fühlte ich mich wieder Erwarten absolut phantastisch. Ich habe das Laufen (ach was sage ich das Stolzieren) durch die Stadt noch nie so genossen, und das trotz Bergen von Schnee!

    Auch der Abend im Kreise der Familie meiner Partnerin war ein echt gelungener und sau gemütlicher Anlass. Zwar beäugte man mich hin und wieder kritisch, doch meine gute Laune und das damit begründete selbstbewusste Auftreten schien jegliche Skepsis über meine Person verschwinden zu lassen. Es war ein Abend wie ich ihn mir nicht erträumt hätte! Auch wenn ich mich selbst etwas irritiert fühlte, als ich in einem Geschenk eine Packung gut duftendem Pfeifentabaks vor fand. Zu Dumm, denn ich wollte ja nicht mehr rauchen. Nicht weil ich der Meinung bin als Frau keine Pfeife rauchen zu dürfen (auch wenn es zugegebener Maßen etwas komisch aussehen dürfte). Sondern weil ich aufgrund der Einnahme der Pille (Diane-35) jegliches Risiko zur Thrombose ausschließen möchte. Aber woher sollten meine Gönner das Wissen. Ein tolles Geschenk war es mit Sicherheit.

    Da ich also ohne Auto unterwegs war und die öffentlichen Verkehrsmittel eher schlecht als recht funktionierten, war es geplant, dass ich die Nacht bei meinen Schwiegereltern verbringen sollte. Hier hatte ich dann natürlich vorausschauend geplant und einen einigermaßen neutralen Pyjama eingepackt da ich wusste, dass das Sofa im Wohnzimmer mein Bett für diese Nacht sein sollte.

    Das schlechte Wetter hatte zudem noch ein Gutes. Mein Schwiegervater ist überzeugt traditioneller Katholik und zudem Pole. Und die Messe der polnischen Gemeinde sollte eigentlich gegen Mitternacht statt finden. Hier hätten wir garantiert mit gehen müssen um den Frieden in der Familie zu wahren. Aber der Schnee hinderte uns Erfolgreich daran, so dass wir uns nur die letzten Minuten der Weihnachtsmesse im Petersdom per TV rein ziehen mussten. Dann konnte auch ich mich endlich schlafen legen.

    Leider war der Schlaf auf dem Sofa nicht gerade optimal. So kam es, dass ich am nächsten Vormittag (voll beladen mit Geschenken für meine Familie und saumäßigen Kopfschmerzen) mit meiner Frau den Rückweg zu meinen Eltern antrat da wir dort ebenfalls eingeladen waren. Natürlich wurde auch am ersten Weihnachtsfeiertag in Essen nicht wirklich Geräumt, so dass wir ganz K.O. bei ihnen ankamen. Es muss wohl an den Hormonen liegen, dass ich mich an diesem Tag so fühlte als hätte ich meine Tage. Auf jeden Fall motzte ich schon kurz vor der Haustüre über die Anstrengungen des langen Weges. Da mein Vater es auch an diesem Tage versäumte den Eingang frei von Schnee zu halten platzte mir direkt bei der Begrüßung der Kragen und ich fuhr sowohl meinen Vater als auch meine Mutter mehr als unangenehm an (Ich kann mir nicht helfen, aber ich hatte bestimmt meine Tage! 'Ne bessere Ausrede fällt mir dazu einfach nicht ein.).

    Meine Frau nahm das erstaunlicherweise alles recht feinfühlig auf und versuchte mich liebevoll zu besänftigen (diese Frau verblüfft ich immer mehr!!!!). Ich bekam darauf hin einen emotionalen Gefühlsausbruch und verschwand in meinem Bett noch bevor dieser von den anderen bemerkt wurde. Meine Frau ließ mich dort zur Ruhe kommen bis sie mich wenig später zum Essen rief.

    Naja, nach all diesem Hin und Her am ersten Weihnachtsfeiertag wurde es doch noch ein schöner Abend im Kreis meiner Familie. - Oh man, die Pubertät hat doch auch ihre Schattenseiten. Das hätte ich beinahe schon wieder fast vergessen.

    Den zweiten Feiertag war ich allerdings so kaputt, dass ich ihn nur auf dem Sofa verbrachte. Ich war so fertig, dass ich selbst bei den kleinsten emotionalen Szenen im Fernsehen einen Heulanfall bekam. Da hilft nur schlafen, viel Ruhe und ein entspannendes Bad. Und genau das war mein Tagesablauf am Sonntag.

    So und heute ist Montag und Weihnachten vorbei. Heute Vormittag war ich dann noch schön Shoppen mit meiner Frau und ihrer Schwester was ebenfalls für mich zu einem beglückendem Ereigniss wurde. Nicht weil ich tolle Schnäppchen machen konnte, sondern weil ich mich das erste Mal fühlen konnte wie eine von ihnen. Es war als wären drei Freundinnen unterwegs gewesen und hätten die Stadt unsicher gemacht. Und wieder einmal das i-Tüpfelchen bei der Sache war die Akzeptanz meiner Frau gegenüber meinem Auftreten. Es war so selbstverständlich wie beide mich aufnahmen, dass man den Eindruck haben konnte, sie wüssten beide voll und ganz über mich bescheid. Wer weiß, vielleicht ist meiner Frau doch schon wesentlich mehr klar über unsere Situation als ich es selber beginne zu begreifen? Wie auch immer, ich liebe das Leben. Und in diesen Tagen durfte ich es auch ganz stark fühlen. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl sich selbst zu fühlen!

    Ich hoffe das auch Ihr schöne Erfahrungen machen konntet und ebenso schöne Tage hattet. Bei mir geht es auf jeden Fall morgen wieder zurück nach Hause und die Vorbereitungen für unseren Silvesterabend werden beginnen. Auch hier habe ich wieder etwas Bammel vor der Fahrt da das Wetter die Verkehrssituation laut Prognose etwas beeinträchtigen soll. Da hilft dann nur vorsichtig Fahren und hoffen, dass auch der nächste Blogeintrag kein Abenteuerbericht wird.

    Freitag, 24. Dezember 2010

    Existenzielle Sorgen

    Es ist gerade 6:00 Uhr am Morgen und zudem noch der 24. Dezember 2010. Eigentlich sollte ich die Gunst der Stunde nutzen und ausschlafen, doch seit Stunden wühle ich im Bett hin und her und quäle mich mit existenziellen Sorgen.

    Diana drückte es die Tage so passend aus als sie sinngemäß in einem Kommentar sagte, dass man sich über den Preis für den Weg den man gehen will im klaren sein muss. Dann würde das Zahlen nachher leichter fallen. Sie erwähnte es zwar in einem anderen Zusammenhang, als wir über Beziehungen und zwischenmenschliche Kontakte sprachen.  Aber vom Prinzip lässt es sich ja auf alle Lebenslagen ausbauen. Mich quält dieser Grundgedanke jetzt eher existenziell.

    Als ich damals meine Lehre zum Gärtner gemacht habe, kam es eher aus einer Verlegenheit heraus. Eigentlich wollte ich eine Ausbildung zum Fotografen machen aber all jene bei denen ich mich beworben habe, wollten nicht ausbilden. Heute weiß ich zwar, das man diesen Beruf auch über den schulischen weg erlernen kann, aber damals fühlte ich mich mit der Suche nach einem Beruf sowieso ziemlich überfordert. Irgendwie war ich noch lange nicht so weit, fühlte mich noch gar nicht ausgereift. Obwohl ich mich vom schulischen Stand her auf dem gleichen Level wie alle anderen befand. Heute erahne ich, dass vieles von dem was ich nie verstanden habe auch mit meiner transsexuellen Situation zu tun gehabt haben wird. Bedenkt man alleine das ich bis heute auf meine Pubertät warte; etwas was ja von vielen transsexuellen Menschen berichtet wird.

    Tja und dann kam ich übber einen bekannten an einen Ausbildungsplatz zum Landschaftsgärtner. Da ich sowieso schon immer so ein Eigenbrödler war und mich viel mit Natur und Tieren beschäftigt habe, dachte ich, der Gärtner wäre auch eine gute Berufswahl. Wie ich dann auch merkte, brachte mich diese Wahl recht schnell in das harte Arbeitsleben (hart weil es ja zum Baugewerbe zählt) und ich fing an das Leben zu erlernen. Gut, soweit vielleicht noch ein relativ normaler Ablauf. Doch ich kam nach Beendigung der Ausbildung noch immer nicht mit dieser Welt klar. Zwar war ich bereits Anfang zwanzig, fühlte mich aber alles andere als Erwachsen. Es war als hätte man vieles erlebt ohne überhaupt gelebt zu haben. Meine Wünsche fürs Leben blieben einfach unerfüllt und hinzu kam noch immer, dass ich wie schon in meiner Kindheit immer wieder den Hang zu Frauenklamotten hatte; was natürlich peinlich war, da ich mich nicht traute eigene zu kaufen sondern die meiner Freundin heimlich anzog wenn sich mal diese Gelegenheit ergab. Naja, auch dass wird vielen von Euch vielleicht auch aus eigener Erfahrung bekannt vor kommen.

    Mit dem Beruf des Gärtners wollte ich auf jeden Fall Schluss machen. Viel zu hart war der und machte mir auch körperlich schon etwas zu schaffen (wenn man jung ist achtet man halt nicht so auf die richtige Körperhaltung und so!). Mein Wunsch war ja noch immer was mit Fotografie. Am liebsten in der Mode denn die begeisterte mich - aber auch nur heimlich, denn es war mir peinlich mich als augenscheinlicher Mann mit sowas zu beschäftigen. Denn Schwul war ich ja nicht; jaja diese Klischees.
    Da ich mittlerweile aber wusste, dass der Fotograf vor allem in der Ausbildung kaum was verdient, entschied ich mich dazu ein Studium zum Grafik-Designer zumachen. War eine echt tolle Sache. So viel Kreativität die ich ausspielen konnte und wofür ich sogar ein positives Feedback bekam war echt der Hammer. Zu meinem Glück unterstützte mich mein Vater finanziell und sponsorte mir eine komplette DTP Einrichtung. Und weil ich ja schon immer so Kontakt scheu war, mich noch immer nicht in die Modewelt traute, versuchte ich zusammen mit einem Freund der ebenfalls aus dem DTP Bereich kam mich als freier Grafiker selbständig zu machen (Zur erklärung: DTP steht für Desktop Publishing und meint das Erstellen von Layouts und Druckvorlagen am Computer - Mitte der 90er der Große Trend dank Apple, Photoshop und Co. Allerdings kam auch auf dem Markt der umgeandelte Spruch auf: Wer nichts wird, wird Grafiker! Irgendwie machte das fast jeder.)

    Naja, der Laden lief dann nach einigen Jahren aber mittlerweile ohne mich. Ich musste mit ende zwanzig meinen Zivildienst nachholen und finanziell hätte das der Laden nicht lange durchgehalten. Also wieder bei Null angelangt. Ach ja, dieser Zivildienst trug nicht gerade dazu bei mich erwachsener zu fühlen. Vor allem nicht, weil ich ihn in einer Jugendherrberge absolvierte.

    Das war dann auch die Zeit, in der ich mich (finanziell gebeutelt dank Zivildienst-Besoldung) ziemlich zurückgezogen hatte. Ich dachte über mein Leben nach und bei den vielen Schülern um mich herum merkte ich auf einmal wieder, dass die etwas erlebten, worauf ich noch wartete: ich war mir wieder einmal meiner unerfüllten Lebensrolle bewusst. Hinzu kamen auch da dann finanzielle Sorgen, denn was ist nach dem Zivi-Dienst? Bekomme ich einen Job. Und wie kann ich als Frau leben? Und, passt das eigentlich zusammen: Job und Frau?

    Aber das Glück spendete mir einen alten Klassenkameraden der mir einen (für meine Verhältnisse) gut bezahlten Job als Bildbearbeiter in  der Werbeabteilung eines Düsseldofer Elektronikeinzelhandelskonzern verschaffte. Es war in der gleichen Abteilung in der er auch schaffte, was mir den Einstieg und das knüpfen sozialer Kontakte wesentlich vereinfachte, da ich damit in diesem "riesen" Unternehmen ein echtes Problem hatte; da war noch immer dieses unsagbare Minderwertigkeitsgefühl mit dem ich nicht umgehen konnte.

    Nach knapp einem Jahr (und wieder einem relativ gefüllten..., nein ausgeglichenem Konto) stellte ich mich meinen "trenssexuellen Wünschen". Ich begann mir die Sachen zu kaufen die mir gefielen und trug sie heimlich oder unter meinen normalen Klamotten, nur um das Gefühl zu haben ICH zu sein. Diese Heimlichkeit trug natürlich nicht dazu bei, dass sich mein Selbstvertrauen  verbesserte.
    In der Firma bekam ich aber immer wichtigere Aufgaben. Und es endete sogar darin, dass ich mit meinem Freund und Kollegen ein Konzept zur Umgestaltung des Arbeitsablaufes in der Grafik resp. Werbeabteilung ausarbeitete (damals war ein PDF-Worflow das Non Plus Ultra) was uns über Jahre ein Projekt garantierte, in dem wir viele Freiheiten genießen konnten.

    Doch kaum war das Projekt erfolgreich beendet und der normale Arbeitsalltag eingetreten, verstärkte sich mein Gefühl der Leere wieder immens. Da war nichts mehr was mich ablenkte von dem was mich quälte. Ich hatte in der Abteilung und in der Werbung eine Menge netter Mädels kennen gelernt, war teilweise recht gut mit ihnen befreundet und mein Ego wuchs von Tag zu Tag. Aber auch der Neid ihnen gegenüber wuchs, denn sie lebten wie ich nicht leben durfte oder konnte.

    Nach drei Jahren entschied ich dann einen Psychologen in meine geheimen Wünsche einzubeziehen. Ich wollte mein leben endlich selbst in die Hand nehmen. Ich wollte Hormone. Ich wollte den Alltagstest (hmm, kann man so was wollen?... naja...) ich wollte die GaOP.

    OK, ich hatte nicht viel zu verlieren. Hatte einen guten Job in dem ich mich beweisen konnte und in dem man mich schätzte. Ich war Single und im Besitz einer gesetzlichen Krankenkassenkarte. Zudem war Transsexualität "etabliert" und so sollte es kein all zu großer Schritt sein, meinen Weg zur Frau endlich in Angriff zu nehmen. Doch Pustekuchen! Es kam alles anders als gedacht.

    In meiner Abteilung hatte ich einen leicht jüngeren Kollegen, der nicht nur unheimlich sympathisch war, sondern dazu noch auf mich stand. Und ich in meiner angehenden Frauenrolle empfand seine Schmeicheleien auch als Bestätigung meiner selbst. Allerdings hatte die Sache einen Harken: Er stand auf Männer. Und ich wollte auf Teufel komm raus keiner mehr sein - viel zu lange musste ich diese Rolle schon ertragen. Naja, und dann haben wir es trotzdem versucht, die Schmetterlinge im Bauch waren irgendwie zu übermächtig ;-) .

    Aber die Sache begann zum Problem zu werden. Ich hatte mich zwar schon recht früh bei einigen Kollegen geoutet aber eben nicht bei allen. Da fehlte mir irgendwie der Mut, denn mit denen war ich nicht so vertraut. Doch mein lieber Freund war da offener und plauderte gerne über uns was irgendwann dazu führte, dass ich mitten im Raum stand und doch nicht wirklich da war. Es war alles so fremd, ich fühlte mich beobachtet, heimlich ausgelacht, mit spöttischen Augen durchlöchert und mit sorgenvollen Blicken gekränkt.
    Irgendwie hatte ich es geschafft mein Coming out total zu versemmeln - so kam es mir zumindest vor. Ab da an ging es beruflich und emotional begab. Jaja, bin halt ein sehr empfindsames und scheues Wesen ;-) .

    Nach knapp vier Jahren kündigte ich dann und widmete mich einem neuen Projekt in der Selbständigkeit. Nie wieder große Unternehmen! Nie wieder unkontrollierbare zwischenmenschliche Zustände! Nie wieder Spott Das waren meine Beweggründe wieder selbständig zu werden. Und die Arbeit und der Stress den ich dann auch hatte, vereinnahmte mich so sehr, dass ich selbst bei meinem Psychologen im Anzug antanzte. HALLO, ANZUG, häää?!?!?!? Was für ein total schizophrenes Bild!
    Ich glaube allerdings, mein Therapeut hat gemerkt, dass ich noch lange nicht so weit war, sondern erst einmal andere Probleme mit mir meistern musste. Wir beendete dann unsere regelmäßigen Sitzungen, alleine schon weil es mir auf Dauer zu teuer wurde - ich hatte ja keine Krankenkasse mehr und war auf mich alleine gestellt.

    Naja, und dann lernte ich meine jetzige Frau kennen (nein verheiratet sind wir nicht. Ich nenne sie nur gerne meine Frau denn eine bloße Freundin ist sie nicht und Partnerin hört sich oft so kalt an). Sie brachte mich dann mit ihrer klaren Art auch recht schnell von meinem hohen, ja fast schon dekadenten Ross runter. Ich führte zu dieser Zeit eine Werbeagentur mit zwei Partnern und ritt anfänglich auf einer kleinen Erfolgswelle. Sowas kann gekoppelt mit persönlichen Unstimmigkeiten schnell zu einem Überheblichkeitsproblem führen. Was dann auch eintrat. Nicht nur, dass es in der Agentur zwischen den Geschäftspartnern zu Spannungen kam. Sondern auch die Tatsache, dass mir immer mehr Bewusst wurde das die Werbung ein verlogenes Geschäft ist in dem es nur darum geht den Leuten möglichst ein Image oder eine Illusion zu verkaufen auch wenn es der größte Scheißdreck ist, schien sich nicht mehr mit meinen persönlichen Moralvorstellungen überein bringen zu lassen. Ich habe mir selbst schon immer was vor gemacht, da muss ich es nicht auch noch dem Rest der Welt antun.

    Nach gut sieben Jahren wurde dies Gesellschaft dann aus dem Handelsregister gestrichen und liquidiert. Für mich der Beginn eines neuen Lebens - schon wieder. Und da ich Ruhe und Naturnähe suchte, versuchte ich die ersten Monate mit Gartenarbeiten zu überbrücken. Meine Erfahrungen in der Selbständigkeit und die Tatsache, dass ich diesen Beruf des Gärtners ja auch mal erlernt hatte und auch ein gewisses Talent dafür habe, machten aus dieser anfänglichen Nebenbeschäftigung mit therapeutischem Hintergrund  ein lohnenswertes gartenbauliches Gewerbe. Und da stehe ich heute. Und bin ich zufrieden?

    Scheiße man. Seit dem ich mit meiner Frau zusammen bin, beneide ich sie. Es ist zwar nicht so wie in vorangegangenen Beziehungen, dass ich nur mit ihr zusammen bin weil ich mich in ihr sehe. Nein, ich sehe sie wirklich als meine Partnerin die ich aufgrund ihrer Art nicht nur liebe sondern auch sehr schätze. Aber wenn wir (wir wohnen ja mittlerweile in Baden-Württemberg - nur mein Geschäft ist noch in Essen) z.B. nach Metzingen in die Outlet-City fahren und sie sich neue Klamotten kauft die wir zusammen aussuchen, dann zerreißt es mir das Herz - das will ich auch!!!

    Gut, mittlerweile ist es so, dass ich damit rechnen muss, dass sie mit meiner Transsexualität womöglich doch nicht so klar kommt. Aber was soll ich auch machen. Würde ich so weiter Leben, gebe ich mir irgendwann die Kugel. Also ist dieser Weg schon mal ausgeschlossen. Und Kinder will ich auch auf keinen Fall, denn denen möchte ich den Schmerz ihren Vater als Mutter eintauschen zu müssen auch nicht antun. Von der Seite aus betrachtet bin ich also schon einigermaßen Abgeklärt. Aber wie ist es mit der beruflichen Seite? Ich meine, alleine schon die Tatsache das ich als "Private" für alle Kosten des Gesundheitswesens aufkommen muss (und Transsexualität fällt ja nun mal auch darunter) macht mir die Sache nicht einfacher. Der Gartenbau so wie ich ihn derzeit ausübe, ist mühselig und extrem kraftaufwendig. Ich merke zudem seit dem letzten Jahr in dem ich wieder mit Hormonen angefangen habe, dass genau diese Kräfte schwinden. Es ist schwieriger als vorher gewisse arbeiten durchzuführen. Und dabei ist die Dosierung noch sehr niedrig.

    Wenn ich also den Gartenbau aufrecht erhalten will, muss ich jemanden einstellen. Aber Einstellen bedeutet auch mehr Kosten, mehr Verantwortung und dadurch auch mehr Druck. Druck, den ich womöglich in dieser Übergangsphase nicht durchstehen werde. Und zurück in die Werbung werde ich auch nicht gehen. Zumindest nicht ohne moralisch vertretbarem Konzept. Aber ich befürchte, dass es das in diesem Bereich nicht geben wird. Also, was tun sprach Zeus....?

    Wie man sieht braucht man sich als Transe keine Probleme besorge. Man bekommt sie quasi von Geburt an frei Haus in schier unerschöpflichen Menge mitgeliefert. Grönemeyer sollte sein Lied "Männer" umschreiben und uns widmen. Und wenn er gerade schon dabei ist könnte er auch "Kinder an die Macht" umschreiben und ebenfalls uns widmen. Wenn wir es geschafft haben, dann haben wir das Zeug dazu die Welt zu retten!.... hoffe ich mal. ;-)

    So es ist jetzt genau 8:13 Uhr am 24. Dezember 2010. Das Ruhrgebiet ist im Schnee versunken und ich rieche einen Kaffeeduft durchs Haus strömen. Da kann ich Mutti nicht lange warten lassen.
    In diesem Sinne,

    Euch allen eine schöne Weihnachtszeit und lasst uns die Probleme heute mal versuchen zu vergessen!!!

    Eure Christina

    Donnerstag, 23. Dezember 2010

    Milchreis oder Pizza...?

    Jetzt bin ich genau einen Tag hier im Haus meiner Eltern und ich habe schon jetzt keine Lust mehr. Das saublöde ist dabei auch, das meine Frau bei Ihren Eltern sitzt und ich hier bin - die Wohnung der Schwiegereltern ist zu klein und das Haus meiner Eltern zu weit weg von ihrem. Daher habe ich mir sicherheitshalber die Gitarre mitgebracht, aber hier habe ich überhaupt keine Lust zu spielen. Das liegt wohl auch an der Tatsache, das es sich ziemlich bescheiden anhört, wenn ich in der von mir bevorzugten höheren Tonlage dazu singe. Und in der klassischen männlichen Tonlage vergeht mir einfach alles, der Grund ist ja bekannt.
    OK ein wenig Spaß hatte ich dann doch als ich mit meiner kleinen Nichte einen Schneemann... sorry nein, es ist eine Schneefrau (wie sollte es auch anders sein ;-) ) gebaut habe. Dabei ist mir mal wieder aufgefallen, wie anfällig wir Frauen in Bezug auf Kälte sind.

    Naja und jetzt sitze ich hier, vor mir flimmert ein alter Tatort und ich weiß nichts mit mir anzufangen. Könnte zwar meinen neuen Concealer ausprobieren den ich mir heute morgen zugelegt habe aber auch dazu fehlt mit jegliche Lust.
    Bin ja mal gespannt wie der wirkt. Schminken in dem Umfang ist eigentlich noch nie mein Ding gewesen. Aber was versucht man nicht alles um sein Spiegelbild irgendwie zum positiven zu verändern; ich habe es ja heute morgen schon versucht zu umschreiben.

    Am liebsten würde ich ja gerne ein paar gespielte Lieder hier einstellen. Aber dafür fehlt mir zum ersten das notwendige Equipment sie aufzunehmen (ob der Laptop das zudem mit macht steht auf einem anderen Blatt) und zweitens das erwähnte Problem mit der Stimme. Dabei wäre das der beste Weg Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Tja, da werde ich noch einiges üben müssen um auch in dieser Hinsicht klar zu kommen. Es ist an manchen Tagen eben nicht nur langweilig sondern auch äußerst frustrierend.
    Die Einnahme von Hormonen ist ja noch der unproblematischste Teil von allen. Auch die Haare am Oberkörper (ok bei mir sind es nicht unbedingt sehr viele aber immerhin) und an den Beinen lassen sich noch recht gut kontrollieren (dem treuen Epilierer sei dank!). Aber das Erscheinungsbild bestehend aus Gesicht, Körperbau und Stimme ist schon echt schwer zu bändigen. Da helfen dann auch keine Pillen oder technischen Errungenschaften, wenn man mal von der Laserbehandlung im Gesicht absieht (hier ist es eher eine Frage des Preises). Aber ich glaube gegen diesen Bewuchs im Gesicht werde ich bald mal was unternehmen.
    An der Stimme arbeite ich ja schon länger. Doch immer wenn ich denke meine richtige Tonlage gefunden zu haben, wird meine Stimme so träge, dass ich immer wieder in die tiefen, monotonen Lagen abfalle. Und da wird einem oft vorgeworfen man würde sich nicht genug anstrengen in seiner Geschlechtsrolle und deswegen einen auf transsexuell machen. Verrückt was?


    So, jetzt muss ich aber mal was essen. Wie war das noch.. Pizza, Milchreis... oder sollte ich mir doch ein Spiegelei machen. Würde ja zum Gedicht von heute morgen passen, oder.... ;-)

    Siehst Du mich?

    Was Du siehst,
    das seh' ich nicht.
    Was Du zeigst,
    das kenn' ich nicht.
    Wer es ist,
    das weiß nur ich.

    Mehr als das,
    ich fühle es.
    Und ich weiß
    Du kannst das nicht.
    Bist nur ein Spiegel;
    bist nicht ich.

    Schatten zeigst Du
    die ich nicht seh'.
    Mehr als das,
    sie tun mir weh.
    Was Du zeigst
    werden alle sehen.
    Und ich allein
    muss dazu stehen.

    Du stellst mich bloß -
    eigentlich will ich das nicht.
    Bin doch ganz anders.
    seh' das denn nur ich?

    Doch Du wirst es merken,
    früher oder später.
    Und Du wirst es zeigen,
    Du alter Verräter.
    Du kannst nicht lügen.
    Du kannst es beweisen.
    Du musst Dich fügen,
    Du treuer Begleiter.

    Wenn ich vor Dir steh'
    tut's manchmal richtig weh.
    Es braucht halt seine Zeit
    bis ich es richtig seh'.
    Zwar kannst Du 's nicht spühren,
    doch dann lieb' ich Dich.
    Dabei bist Du nur ein Spiegel
    und mehr nicht!
    Frei nach Gefühl von Christina

    Mittwoch, 22. Dezember 2010

    Ja Blogge ich schon wieder oder was?

    Bevor jetzt irgend jemand schlaflose Nächte bekommt (es reicht ja wenn ich schon Nachts kein Auge zu bekomme!) hier die beruhigende Mitteilung: Christina ist gut angekommen, hat ein interessantes Gespräch während der Fahr mit ihrer Partnerin geführt (Nein, ganz geoutet habe ich mich dann doch noch nicht... nur etwas ;-) ) und die Airbags haben sich auch nach er ersten Pinkelpause nicht wieder abgeschaltet (Hatten wohl Fernweh und deswegen gestreikt). Somit war es eine halbwegs sichere und gute Fahrt.
    Übrigens möchte ich auf diesem Weg allen Navis und Verkehrsleitsystemen danken: Dank Eurer Hilfe wurden die meisten Autos wegen einer angeblichen Staugefahr umgeleitet und wir hatten somit eine tolle freie Autobahn für uns alleine und Stau gab's auch keinen :-)))! Danke HighTec Kommunikationszeitalter!!!!!!!!!

    So und nun wird es ernst, bitter ernst. Denn es ist Weihnachtszeit und die muss ich durchstehen. Aber etwas in mir flüstert mir leise zu, dass ich das nicht in gewohnter männlicher Art und Weise tun werde. Ich habe heute von mehreren Seiten Komplimente zu meiner neuen Haar- und Gesichtsbemalung bekommen und das ermutigt mich. Also werde ich auch die kommenden Tage versuchen diesen Mut zu bewahren und meinem Gesicht die verdiente Aufmerksamkeit zu schenken. Irgendwie muss ich ja auch mal mein Outing einstielen und ich denke, das ist ein guter Startvorgang. Zumal sich sowieso schon einige Fragen, wieso ich auf einmal so lange Haare trage und um Jahre jünger wirke. Naja, ein Jahr Friseurabstinenz und Hormone (ja auch die Phytos wirken im Bezug auf das Aussehen) bleiben halt nicht unbemerkt!

    Wenn ich das also alles überleben sollte, werde ich hier mal ein paar Zeilen darüber schreiben, jetzt wo ich doch schon zur Suchtbloggering mutiert bin. Sollte mein geplapper irgend jemanden Nerven: Sorry. Aber es muss einfach alles mal raus. Und wenn nicht hier und jetzt, wann dann?!?!?!?

    Auf in den Kamp - Weihnachten ruft!

    So der Wagen ist größtenteils zugepackt. Musste doch noch einige Schrankteile wieder aus dem Kofferraum heraus nehmen, da es mir doch etwas zu gefährlich scheint bei diesen ungewissen Wetterverhältnissen mit lose liegenden Türen und Regalböden stundenlang über die Autobahn zu schlendern. Wobei das mit dem Schlendern ja hier in Baden-Württemberg noch geht. Aber hinter Frankfurt ist mit Schnee und Schneeregen zu rechnen. Und im Ruhrgebiet und Rheinland ebenfalls. Zu allem Übel spielt mein Airbag seit einigen Tagen verrückt und schaltet sich während der Fahrt schon mal aus. Auf vieles kann ich ja ohne Probleme verzichten, wie z.B. ABS aber der Airbag ist mir dann doch wichtig. Und daher beunruhigt mich diese kleine Fehler schon etwas. Dummerweise habe ich meinen Adapter für den Rechner zum Auslesen des Fehlerspeichers bei meinen Eltern und nicht hier. So kann ich also frühestens dort nachsehen was der Karren hat. Da hilft nur vorsichtiges fahren und optimistische Gelassenheit.

    Doof ist auch, dass ich die Nacht schlecht geschlafen habe. Einerseits weil mich die Gedankengänge von gestern schwer beschäftigt haben. Und zweitens, weil es so warm geworden ist.

    Ist ja schon echt komisch. Da haben wir damals gedacht als wir aus dem Ruhrgebiet ins Schönbuch gezogen sind, hier hätten wir endlich mal einen richtigen Winter mit viel Schnee. Und jetzt stellt sich schon das zweite Jahr in folge heraus, dass die im Ruhrgebiet tendenziell noch Schnee lastiger sind. Aber dafür ist es hier eindeutig schöner!!!

    So. Dann werde ich noch mal eben schnell die Wohnung durch wischen, den Kaffee machen und mich umziehen (natürlich auch das Schminken nicht vergessen!!!) und dann kann es los gehen.

    Drückt uns mal die Daumen das wir gut durch kommen. Mal sehen ob der nächste Blogeintrag ein Abenteuerbericht wird. Ich hoffe ja nicht!

    Dienstag, 21. Dezember 2010

    Reset - alles auf NULL bitte!

    Ok, zwei Dinge faszinieren mich gerade besonders:
    1. Ich schreibe schon wieder an einem Post
    und
    2. Arbeit macht frei. Naja zumindest hilft es einem den Kopf frei zu bekommen. Mann könnte auch sagen: Sport macht frei! oder Wandern macht frei! oder...  Shoppen macht frei! ;-) Bei mir war es heute die Arbeit.

    War ich doch eben noch zu tiefst pessimistisch so hat mich das Beladen meines Autos mit einem alten Schrank und das anschließende Putzen unseres (stark vom Beladen des Wagens beanspruchten) Treppenhauses dazu gebracht, einen freieren Kopf zu bekommen. Wahrscheinlich ist es dieses triste, dunkle Winterwetter und die Tatsache, dass ich fast nur noch zu Hause herum sitze, die mich so depressiv machen. Sonst bin ich ja immer in Aktion. Aber die Winterzeit ist nun mal so gar keine Zeit für Gärtner. OK, nach diesem Jahr mit samt seinen vielen und großen Baustellen, habe ich mir diese Winterauszeit echt verdient. Zumal ich ja noch einen Großteil der Buchführung hinter mich bringen darf. Aber so ganz von 100 auf null zu wechseln ist wohl auch nicht so gesund.

    Ich habe mir dann vorhin noch einen weiteren Monat aus Dianas Blog-Tagebuch durchgelesen (Nebenbei: Hochachtung Diana für dienen Blog. Sauge ihn mir zur Zeit Tag für Tag ein Stückchen  mehr ein und kann oftmals gar nicht mehr aufhören weiter zu lesen!) .. ähm.. wo war ich? ach ja.. beim lesen ist mir dann so nebenbei eine ganz interessante Frage in den Sinn gekommen. Und zwar: Kann es sein, dass ich nicht ein Problem damit habe einen Männerkörper zu haben aber als Frau zu fühlen, sondern dass ich ein Problem mit der auffälligen Zwitterhaftigkeit eines T-Girls habe?
    OK, das hört sich jetzt irgendwie an, als wenn es dasselbe wäre. Aber ich fühle da irgendwie einen unterschied.Ich habe sowas ähnliches auch schon einmal hier im Blog erwähnt.

    Als ich damals vor Jahren meine erste Hormonbehandlung begann und mich auch psychologisch begleiten ließ, gab es im Ruhrgebiet (meiner Heimat) eine PostOP Transfrau die sich auch in einer Selbsthilfegruppe engagierte. Ich verfolgte damals so nebenbei ihre Beiträge. Ich selbst war mir ziemlich sicher den Weg bis zur OP und darüber hinaus gehen zu wollen. Outete mich bei einem Großteil meiner Familie und in meiner Firma in der ich damals noch als Grafiker angestellt war. Meinen Psychologen fand ich über eine Empfehlung anderer Transgender, die sehr gute Erfahrungen mit ihm gemacht hatten. Auch er kannte die PostOP Transfrau mit dem wohltätigen Herzen (mir fällt leider ihr Name nicht mehr ein). NACHTRAG: Habe die Seite wieder gefunden: http://www.transsexuell.de/airin-geschichte.shtml
    Wie dem auch sei. Mein Psychologe war (ist es vielleicht auch noch immer) ein echt toller und einfühlsamer Zuhörer und Ratgeber. Doch zu meinem erstaunen sagte er mir irgendwann, das er an das Phänomen der Transsexualität nicht mehr so glaube. Er stellte sich wohl auch des öfteren die Frage, ob er mit seinen Gutachten wirklich zum Wohle der Patienten gehandelt habe. Für mich war das der Punkt an dem ich ihm erst recht beweisen wollte, dass es zumindest in meinem Falle die Transsexualität gibt. Ich war ja der lebende Beweis und nicht nur ich, viele andere über die ich durch das Internet erfuhr bestärkten mich in meiner Meinung; die sich nebenbei gesagt auch bis heute nicht geändert hat.

    Doch irgendwann im Laufe der Sitzungen stieß ich überraschender Weise auf einen offenen Brief an alle Transgender von der besagten wohltätigen PostOP Frau. Dort sagte sie, dass ihr Entschluss eine Frau sein zu wollen wohl doch nicht so richtig war. Das sie ihrer Meinung nach den Schritt zur OP nicht hätte machen sollen,  obwohl sie dies immer gewollt und ersehnt hatte. Außerdem verwendete sie auch wieder ihren alten Männernamen. Den genauen Wortlaut dieses Briefes weiß ich leider nicht mehr aber er ging mir ehrlich gesagt durch Mark und Bein. Hatte mein Psycho doch recht? Tue ich gerade wirklich das richtige?
    Wie auch immer, da ich zu diesem Zeitpunkt beruflich sehr eingespannt war (ich hatte gerade mit zwei Partnern eine Werbeagentur aufgemacht) und zudem noch meine Frau kennenlernte, beendete ich meine Sitzungen bei ihm und widmete mich den anscheinend wichtigeren Dingen meines Lebens.
    Ich weiß heute nicht, ob das richtig war. Aber das spielt ja heute auch keine Rolle mehr. Fakt war, ich versuchte ab da an wieder meinen Mann zu stehen - der sich allerdings schon sehr schnell wieder danach sehnte sein wahres ICH zu bekommen. Sowas endet, wenn man nicht aufpasst, in einer tollen Psychose.
    Auf jeden Fall beängstigt mich seit der Zeit der Gedanke, zwischen den Geschlechtern zu leben. Noch vor einem Jahr hielt ich den Gedanken ein "T-Girl" zu sein und zu bleiben für durchaus lebenswert, allerdings dachte ich da weniger an ein optisches erkennbares Zwischenbild. Denn welcher Tragsgender möchte schon als solch einer klar zu erkennen sein?! Man ist eher darauf aus, möglichst seinen körperlichen Idealen näher zu kommen: sei es die Gestalt der Frau oder die des Mannes. Aber das Zwischendrin wird doch eher als notwendiges Übel angesehen. Ich könnte wohl auf eine Vagina verzichten aber nicht auf das klare Erscheinungsbild einer Frau.
    Doch genau hier klappt der Stuhl dann bei mir zusammen. Denn ohne diesen Übergang geht es nicht. Aber diesen Übergang will ich nicht. Dennoch stehe ich jetzt genau da wo ich nicht hin wollte und stelle mir die Frage, ob das der Weg ist den ich gehen muss?
    Dummerweise geistert mir dann auch immer noch diese Story der sich zurücksehnenden PostOp Frau durch den Kopf und ich zweifele an mir selbst.

    Ich werde noch ganz viel an mir Arbeiten müssen, so viel steht fest. Ich habe zwar auch schon darüber nachgedacht mich wieder einmal in eine psychologische Betreuung zu begeben, doch bin ich mir ziemlich sicher, dass es auf der anderen Seite raus geschmissenes Geld wäre. Ich weiß was ich will und ich weiß auch was mich bewegt. Und die Art und Weise diesen Weg zu gehen kann auch nur ich alleine festlegen, das würde mir auch ein Psychologe sagen.

    Was ich jedoch heute wieder klar erkannt habe ist, dass ich mich nicht zu Hause verkriechen darf sondern was tun muss um ein ausgeglichenes Denken zu erhalten. Und da ist Bewegung sicherlich die Beste Variante. Gehört Shoppen eigentlich auch dazu? Mmh, wenn es nicht gerade Online ist bestimmt! ;-) Da kann ich dann nur hoffen das der Winter nicht all zu lang ist, sonst ist das angesparte Geld weg bevor ich wieder Rechnungen schreiben kann. Jeder Beruf hat halt seine Vor- und Nachteile.

    Kamikaze oder purer Optimismus?

    Ich frage mich so langsam, ob ich noch alle Tassen im Schrank habe. Ich meine, ich lebe nun seit bald sieben Jahren mit dieser Frau zusammen. Diese Beziehung hat auf beiden Seiten das Leben bereichert und wir lieben uns mehr denn je. Jede von uns hat ihren Tiefpunkte gehabt und immer ist die andere für einen da. Das schöne ist auch, dass jede von uns ihre eigenen Freiheitsbereiche besitzt in die die Partnerin nicht ungefragt eintreten würde. Eigentlich perfekt, oder?
    Leider nicht ganz so perfekt. Auch wenn ich mich als Frau sehe und das seit über einem Jahr auch immer stärker raus lasse, so sieht sie mich weiterhin als Mann  - und dass soll in ihren Augen auch so bleiben. Natürlich merkt sie, dass ich mich verändert habe und sehr wahrscheinlich scheint sie auch zu ahnen, dass da mehr hinter hängt als nur ein Gleichberechtigungsgedanke. Und ja, sie unterstützt mich auch bei der Verwirklichung meiner Wünsche. So hat sie als erstes angefangen mir Nachthemden und feminine Alltagsklamotten zu kaufen. Sie versteht das ich weibliche Kleidungsstücke lieber trage als die für Männer, da diese mir erstens besser gefallen und zudem auch besser stehen. Mit ihr Kosmetik einkaufen zu gehen ist auch einfach nur göttlich! Aber dennoch will sie nicht, dass ich als Frau herum laufe; also Rock oder schöne Stiefel gehen gar nicht. Als ich mir zum Herbstanfang Stiefel gekauft habe die nur leicht weiblich aussahen, war sie schon etwas enttäuscht das es Frauenschuhe waren (So schöne Stiefel für Männer gibt es nun mal eben nicht.). Naja und seit dem ich die Pille nehme lässt natürlich auch das Liebesleben radikal nach. Gut, auch sie hatte Stress und hatte keine Lust auf Sex. Aber mir machte das Sexualleben schon seit langer Zeit keinen Spaß mehr und daher empfinde ich die Nebenwirkungen der Pille als absolute Befreiung, auch wenn es mir um sie leid tut. Ich weiß nicht ob sie es erahnt, dass ich die Pille nehme oder irgend etwas anderes. Gesagt habe ich es ihr nicht und das quält mich, sehr wahrscheinlich auch zu recht. Aber ich traue mich nicht. Überhaupt traue ich mich nicht dieses Thema anzusprechen. Ich habe angst, dass es wirken könnte wie eine Holzhammermethode. Nach dem Motto: Jahrelang lebte er seinen Mann und nun spinnt er und will eine Frau sein! Mal ganz ehrlich, da bin ich wieder am Anfang meines gesamte Blogs: Die Vorstellung von Transsexualität ist in unserer Gesellschaft nahezu unvorstellbar. Es wirkt einfach skuril, weltfremd und je mehr ich darüber nachdenke, auch krank. Dabei weiß ich noch genau wie ich mich vor meiner bewussten Lebensänderung noch vor einigen Jahren gefühlt habe. So will und werde ich nicht weiter leben können und wollen!
    Aber genau dieser abstrakte Zwiespalt macht mich so krank. Und dass, obwohl ich mich seit dieser Änderung meines Lebens zum positiveren verändert habe und ein Höchstmaß an Lebensfreude empfinde.
    Ich denke, ich werde es so weiter machen, wie ich es begonnen habe. Sie weiß dass ich zu ihr stehe und das ich sie mehr als alles andere in der Welt liebe. Und jeder Mensch verändert sich im laufe seines Lebens, je nachdem was für Ereignisse auf ihn treffen die sein Denken und Handeln beeinflussen. Möglicherweise weiß sie auch um meine Transsexualität, denn in meinen Unterlagen liegen auch irgendwo die Berichte meines Psychotherapeuten der mich vor unserer Beziehung wegen TS betreute. Möglicherweise hat sie aber auch schon vor Jahren von einer guten Freundin erfahren, dass ich diese Neigungen habe. Immerhin sind wir beide mit dieser Person befreundet gewesen und diese wusste auf jeden Fall davon. Jetzt wo ich darüber nachdenke fällt mir eine Frage meiner Frau ein als wir uns vor einigen Tagen im Bett über Kinder unterhalten hatten. Da ich eigentlich keine Kinder möchte und sie aufgrund mangelndem Sex darüber nachdenkt die Pille abzusetzen, sagte ich zur Unterstützung dieses Vorhabens, dass ich ja vielleicht auch gar nicht zeugungsfähig sei. Sie lächelte dann nur und sagte dann mit leicht betroffenen Gesichtsausdruck: "Aber Du lässt sie dir nicht heimlich weg schneiden!?!" --------
    Scheiße. Ich komme mir so vor als ob ich ein Weltbild bewusst zerstöre.
    Zudem kenne ich ja eine Menge Lebensberichte ehemaliger TS. Und in den allermeisten Fällen ist die Beziehung daran gescheitert. Dabei habe ich noch nicht einmal den sehnlichsten Wunsch bis zur GaOP zu gehen. Mir würde es vollkommen reichen, nur als Frau angesehen zu werden und auch so zu erscheinen. Das ist auch der Grund, warum ich die ganze Sache jetzt im Alleingang ohne medizinische und/oder psychologische Begleitung angehe. Das habe ich schon einmal alles durchgemacht und ich fühlte mich dabei eher wie gefesselt als befreit. Zwar waren die Gespräche mit meinem Psychologen die Besten, die ich je in meinem Leben geführt habe. Aber ab einem gewissen Punkt muss man selber entscheiden was man aus dem Wissen und den Erkenntnissen macht. Und mir war damals schon klar: Wenn ich den Weg der GaOp gehen will oder wenn der Name geändert werden soll, dann werde ich dies Grundlage für diesen Schritt legen und kein Arzt oder Psychologe - zumal ich Privat zahle und nicht über eine Kasse!

    So, nach all dieser Gefühlsduselei werde ich mal meine Sachen für die Weihnachtstage packen. Ich hoffe meine Frau steht auch weiterhin zu mir und ich kann ihr all das geben, was sie benötigt. Aber jetzt geht es erst einmal darum, trotz Schnee und Eisglätte gesund zu unseren Familien zu kommen und die Tage durchzustehen. Zumindest lenkt das alles ab von den Sorgen und Problemen des Alltags. Und wie die Zukunft aussieht weiß schließlich keiner von uns. Nur, dass man möglichst positiv in die Zukunft blicken sollte muss auch ich mir mal wieder kräftig vor Augen halten.
    Also von wegen Kamikaze. ALLES WIRD GUT! ;-)



    Donnerstag, 16. Dezember 2010

    Panik? Angst? Oder alles zusammen?

    Oh Gott, ich habe Angst vor Weihnachten. Weihnachten fahren wir zu unseren Familien. Da ich arbeitsbedingt sowieso mehrere Wochen im Jahr im Haus meiner Eltern verbringe und dort daher auch eine kleine Wohnung habe, ist es bei ihnen eher anstrengend als problematisch. Meine Mutter weiß von meiner Transsexualität, glaubt jedoch dass diese "unter Kontrolle" sei. Mein Vater betrachtet mich derweil so wie ich bin, nennt mich sogar manchmal spaßeshalber "Süße". Irgendwie auch süß, oder?!?
    Doch an mindestens zwei Tagen sind wir auch bei den Schwiegereltern. Und dort wird nicht Christina auftreten sondern ihr imaginärer Zwillingsbruder. Wenn ich daran denke wird mir im wahrsten Sinne des Wortes schlecht. Jetzt ist es ja nicht gerade so, dass ich zu Hause nur noch als Frau herum laufe - obwohl mein Kleiderschrank sich schon ziemlich verweiblicht vor kommt. Aber zu Hause werde ich akzeptiert wenn ich mich dezent schminke und die Klamotten trage die mir gefallen. Selbst in meinem Elternhaus ist das ja sogar bis zu einem gewissen Grad möglich. Ich denke sie akzeptieren es so lange es meine Frau akzeptiert und wir mit einander klar kommen.
    Aber jetzt bei den Schwiegereltern und der restlichen Verwandtschaft ist es eine ganz andere Situation. Sie wissen alle nichts von meiner wahren Person und meiner Frau wäre es garantiert auch nicht recht wenn ich mich an solch einem Tag nicht "zusammenreißen" würde.
    Es wird sowieso für alle etwas irritierend, da sich seit unseren letzten Familientreffen dank der von mir eingenommenen Hormone so einiges an meinem äußeren verändert hat. Außerdem sind die Haare länger bzw. voller geworden. Es wird mir also nichts anderes übrig bleiben, als einen Drei-Tage-Bart stehen zu lassen und das auch noch für fast eine Woche. Ich fühle mich jetzt schon vor mir selbst unglaubwürdig, wie soll ich das durchstehen. Ganz ehrlich, Weihnachten kränkt mich total. Alle schmeißen sich in tolle Roben, sind einfach festlich gekleidet und genießen die besinnliche Stimmung. Nur Christina sitzt als Mann verkleidet, in Klamotten die sie nicht ausstehen kann inmitten dieser ahnungslosen Gruppe und bekommt wo möglich noch Geschenke mit Rasierwasser oder Parfum der Marke "Männerduft". ... uurg.
    Ich will das nicht! Aber was soll ich machen, alles absagen und damit den sich freuenden Familienmitgliedern vor den Kopf treten? Oder soll ich Nägel mit Köpfen machen und meine wahre Person präsentieren und damit nicht nur meine Beziehung sondern auch die vertraute Familienbande riskieren?
    Na gut, es ist ja nicht so dass ich ein Püppchen bin das jetzt unbedingt ihr „kleines Schwarzes“ der Öffentlichkeit aufs Auge drücken muss. Ich bin ja auch sonst im Alltag eine Jeansträgerin. Aber Hemden im figurlosen Männerschnitt und dazu einen Phallus-Symbol artigen Halsumhang namens Krawatte... würg.... Ach ja, die 80er Jahre Porno Anzughose nicht zu vergessen und die lang gezogenen Lederschuhe die aussehen wie Kindersärge ... "hey alter was geht“... ne, da geht bei mir gar nichts mehr. Ich muss mir echt was einfallen lassen. Weihnachten wird ne echte Herausforderung.
    Vor allem muss ich zusehen, dass ich mit dem Schminken nicht übertreibe. Ich habe die tage schon mehrfach von meiner Frau gesagt bekommen, ich hätte zu dick aufgetragen. Dabei kam es mir überhaupt nicht so vor. Eher im Gegenteil, ich fand es genau richtig um mir selbst zu gefallen, was ja nicht so einfach ist, wenn man noch diese aufdringliche Gesichtsbehaarung ertragen muss.
    Oh Gott, Weihnachten ist doch ein Fest der Liebe. Ich hoffe wir haben alle ein Übermaß dieser Liebe mit dabei um diese Tage unbeschadet zu überstehen!

    Nähmaschinenträumereien


    Es ist noch eine Woche bis Heiligabend und eigentlich sollten ja alle Geschenke gut verpackt auf ihren großen Auftritt unter dem Christbaum warten. Aber wenn man sich selbst etwas zu Weihnachten schenkt, und dadurch ja auch zwangsläufig weiß, was man bekommt, dann dürfte es doch sicherlich gerechtfertigt sein, sich dem unmenschlichen Terrors der ungeduldigen Warterei zu entziehen und das Geschenk schon vorher auf Herz und Nieren zu prüfen. Oder? ---
    Wie könnte es also andres sein, als dass ich mein ganz persönliches Weihnachtsgeschenk an Christina gar nicht erst eingepackt habe, sondern es direkt und voller Ungeduld aus seiner Verpackung befreite: Eine Nähmaschine. Meine Nähmaschine. Oder noch besser ausgedrückt Christinas Nähmaschine.
    Eine Nähmaschine wollte ich schon immer haben. Ich liebe das kreative arbeiten, habe schließlich nicht umsonst nach meiner Gärtner-Lehre ein Grafik-Design Studium begonnen. Mein Wunsch war es, in oder zumindest mit der Mode zu arbeiten. Da ich ja ein männliches Wesen verkörperte, hätte ich mich nie getraut in eine Modedesignschule zu gehen oder eine Lehre zum Schneider zu machen. Daher die Wahl zum Grafik-Design. Aber auch hier fehlte mir der Mut mich bei Modeverlagen oder -agenturen als Grafiker zu bewerben. Ich hatte ja gar keine Ahnung von Mode; ich liebte sie halt nur. Jedoch in erster Linie nur die Frauenmode aber in keinster Weise die Männermode. Männermode fand ich schon immer „doof“. Sie ist meist Plump, eintönig und wenn dann doch mal jemand versucht Kreativität an Männern auszulassen, kommt meistens ein idiotischer, alberner Klamottenkiste-Stil zum Vorschein, der alles andere als schön ist.
    Natürlich hätte ich das „Mode machen“ gerne irgendwie gelernt. Doch meine Mutter war für solche Dinge überhaupt nicht zu haben. Und meine Großmutter, die immerhin viel auf ihrer alten Pfaff nähte, hatte einen Stil, den ich jetzt einfach mal ganz voreingenommen als Oma-Stil beschreiben würde – die konservativen Seiten von Bader oder Klingel (Versandhäuser!) dürfen hier mal als bildhafte Beispiele dienen.
    Also nähen war toll, aber leider ein Bereich der mir nicht zugänglich war. Und obwohl es mir in der Grundschule sehr viel Spaß gemacht hat mit Stoffen, Gewebe und Wollen umzugehen, so hinderte mich der Druck meiner Klassenkameraden daran, mich näher mit diesem Thema auseinander zu setzen. Tja, die Rollen werden schon sehr früh verteilt, so ist es eben. Und wenn man den Mut nicht hat dagegen an zu schwimmen, ….....------------------

    Naja, und dieses Jahr habe ich mir diesen sehnlichsten Wunsch erfüllt. Es ist ein tolles Gefühl etwas erreicht zu haben, worauf man jahrzehntelang gewartet hat.

    Aber wo ich gerade beim träumen bin. Nicht nur von tollen Kleidern oder überhaupt Klamotten habe ich geträumt, sondern auch vom tanzen. Ich hätte schon als Kind gerne Ballett gemacht. Ach wäre das toll gewesen. Ich finde es heute noch toll aber ich befürchte, dafür ist es wirklich schon zu spät. Ich würde mir sicherlich alle Knochen brechen. Außerdem dürfte mein Körper alles andere als graziös in Erscheinung treten. Ich kann ja froh sein wenn ich es hin bekomme diese männliche Fassade in eine weibliche zu transferieren. Aber Ballett... upps, da strömt es mir tatsächlich ein wenig die Schamröte ins Gesicht. Nee nee, dass wäre echt albern. Und Standardtanz liegt mir überhaupt nicht. Ich war zwar mit einer Freundin mal für einige Jahre in einer Tanzschule, aber das tat ich ihr zu liebe. Mir machte es nie so richtig Spaß auch wenn man uns sagte, dass wir Talent hätten. Heute hält mir meine Frau diesen Teil der Vergangenheit regelmäßig vor, „ich könne ja auch mit ihr einen Tanzkurs belegen“. Aber ganz im Vertrauen: Wie sieht das aus wenn beide geführt werden wollen?!? Und die Männerrolle werde ich garantiert nicht mehr übernehmen, zumal ich sowieso alle Schritte bereits vergessen habe – und das ist auch gut so.

    Schöne Klamotten, Handarbeit und Ballett all das hätte ich so gerne gemacht. Aber es waren eben Mädchensachen, für mich daher überhaupt nicht zugänglich. Meine Schwester (das einzige biologische Mädel unter uns Kindern) bekam diese Dinge in mehrfacher Konzentration zugespielt, ohne dass sie darum Kämpfen musste, und sie ging darin auf. Obwohl sie meine kleine Schwester war, war sie (und ist sie teilweise noch heute) mein großes Vorbild – irgendwie zumindest in dieser Hinsicht ist sie daher auch meine große Schwester.

    Aber das Leben geht weiter und so habe ich nun auch meine Nähmaschine und werde versuchen mein gesamtes Talent in die Stoffkiste zu werfen um mir einen Teil meiner Träume in die Realität zu holen. Sobald es mir gelungen ist, gibt es hier demnächst was zusehen ….. ich hoffe es mal. ;-)

    Ach ja, wie meine Frau auf dieses Hobby reagiert? Da sie überhaupt keinen Bezug zu Handarbeit hat, akzeptiert sie es mit der Hoffnung, dass etwas Produktives dabei heraus kommt. Neue Vorhänge und Kissenbezüge für unser Sofa hat sie schon angemeldet und ein Kleid wäre auch nicht schlecht. Sie hofft allerdings vor allem, dass das Geld für die Maschine auf diese Weise wieder zurück kommt. Manchmal habe ich den Eindruck, dass wir irgendwie verkehrte Rollen haben. Aber es scheint zu funktionieren. Zum Glück!!!!!!!

    Mittwoch, 1. Dezember 2010

    Kalte Tage - warme Herzen

    Mit Liebe gemacht!

    Es ist mittlerweile wieder einmal Winterzeit und damit bald wieder ein Jahr vorbei. Mein Rückblick fällt diesmal recht positiv aus, da sich doch in meinem Leben einiges geändert hat. Das allermeiste in meinem Kopf!

    Als ich mir vor über einem Jahr das Video von KimberATL auf YouTube angesehen hatte, überkam mich ein Gefühl der Ohnmacht. Kimber präsentierte sich dort selbstbewusst und überaus authentisch. Sie hatte gerade die ersten Wochen ihrer Hormontherapie hinter sich und erzählte in ihrem Video wie sich alles an ihr und ihrer Einstellung geändert hatte bzw. zu ändern begann. Es klang alles so positiv und zuversichtlich, dass mich ihr Video ziemlich intensiv emotional erwischte. Das war für mich wieder einmal der "Stein des Anstoßes" der mich dazu brachte, intensiver über mein Leben als Mann oder Frau nachzudenken. Die eine Rolle kannte ich. Immerhin spielte ich sie seit anbegin meines Lebens. Die andere Rolle ersehnte ich mir. Ich fühlte sie zwar, doch lebte sie nicht. Quälen tat mich die Männerrolle eben so lang wie ich frei denken kann. Aber auch die Frauenrolle war nicht minder quälend. Immerhin scheint es bis heute keinen unproblematischen Ausweg zu gebe, den Rollenwechsel begehe zu können.
    Kimber schien solche Probleme nicht zu haben. Natürlich sagte mir die Logik, dass auch Kimber solche oder ähnliche Probleme durchgemacht hat. Aber ihr Vorteil schien vor allem ihr Alter zu sein. Eine Vorteil, den ich definitiv nicht einholen kann! Wie auch immer, immerhin brachte mich ihr Video zum nachdenken. Was jetzt allerdings nicht heißen soll, dass mich dieses Video wieder zum Wunsch, als Frau leben zu wollen, brachte. Nein. Immerhin fand ich dieses Video nicht durch Zufall, sondern weil ich mich wieder einmal den quälenden Fragen zu meiner "Identitätsstörung" stellen wollte. Ich suchte nach Lösungen für dieses Leben. Alleine schon, weil ich damals intensiver denn je einen gewissen Lebensunmut verspürte und mich fragte, was wohl passieren wird, wenn ich so weite Lebe wie bis zu dieser Zeit; bis dahin wurde es nämlich kontinuierlich schlimmer und nicht besser.
    Nachdem ich mir Kimbers Videos (damals waren es noch einige, heute scheint sie nur noch eines bei YouTube eingestellt zu haben - schade!) intensiv angehört und angesehen hatte, fasste ich neuen Mut, mich meiner Transsexualität zu stellen.
    Heute bin ich froh darüber, Kimbers Videos gefunden zu haben. Es war höchste Zeit mich der Verantwortung meines Leben zu stellen.

    So, und nun mein Jahresrückblick:

    Nachdem ich mich anfänglich der Phytomedizin hingegeben habe, bin ich mittlerweile wieder bei der klassischen Pille gelandet. Nicht nur weil diese wesentlich günstiger ist, sondern weil mir die körperlichen Veränderungen (genau genommen der Körperbau) wichtig sind. Wie schon vor einigen Woche geschrieben, haben auch die Naturpräparate eine körperliche Veränderung herbeigeführt, allerdings nur auf sehr feiner und oberflächlicher Ebene. So hat sich die Haut wesentlich verfeinert; Falten sind weniger geworden, die Haut wurde sichtbar straffer. Auch eine Veränderung in der Brust (speziell in den Brustwarzen) habe ich wahrgenommen; die Brust wurde etwas runder (wenn auch nicht größer!), die Brustwarzen fester und empfindlicher. Auch hatte ich den Eindruck, dass sich meine Muskulatur verändert hatte; mir fehlte es nicht nur des öfteren an Kraft (obwohl ich arbeitstechnisch im Training war) sondern auch die optische Masse ging zurück. Aber dabei blieb es auch. Und eine Erhöhung er Dosis hat definitiv keinen wirklichen Einfluss auf eine stärkere Veränderung. Ich hab eher den Eindruck gehabt, dass eine erhöhte Dosis negativen Einfluss auf die Psyche hat. Von körperlichem Unwohlsein mal ganz zu schweigen. Ich denke, die Phytohormone sind gut zur Aufrechterhaltung eines hormonell veränderten Körpers. Aber nicht zum Verändern selbst.

    Ganz gravierenden Einfluss hatten die Mittel jedoch auf meine Gesinnung; ich fühlte mich freier, nicht so eingedrückt und entwickelte damit auch mehr Mut mich als Frau zu geben.
    Wie dem auch sei. Was mir fehlte war allerdings der richtige Körper. Ich hasse diesen männlichen Körper einfach nur noch und daher musste ich meine hormonelle Situation in Frage stellen. Das Ergebnis ist, dass ich seit etwa neun Wochen wieder einmal die Pille einnehme und mich großartig damit fühle. Nebenwirkungen verspüre ich keine und zu meiner Freude tut sich gewaltiges in meiner Brust - die Pubertät auf die ich die ganzen Jahre gewartet habe nimmt endlich fahrt an! :-)))

    Nun gut, Friede-Freude-Eierkuchen ist definitiv damit noch lange nicht. Da ist ja noch mein Umfeld und vor allem meine Frau. Aber auch hierbei fällt mein Rückblick gar nicht so schlecht aus. Gut, anfangs war sie schon etwas irritiert, als ich mir die Beine rasiert hatte. Aber das legte sich relativ schnell. Ich erzählte ihr des öfteren von meine Gefühlen auch wenn ich das Thema Transsexualität bewusst nicht angerissen habe. Sie merkte wohl auch, dass ich das erste mal einen durchweg zufriedenen Lebenseindruck hinterließ. Sie akzeptierte es dann zu meiner Überraschung, dass ich mir die Fingernägel ab und zu lackierte oder mich zum raus gehen ein wenig schminken wollte. Irgendwann kam sie dann auch auf die Idee, dass ein angebotenes Nachthemd doch auch für mich ok sein könnte. Ich war daraufhin mehr als überglücklich diese Offerte aus ihrem Mund gehört zu bekommen. Nun ja, mir ist schon klar, dass sie das alles nur bis zu einem gewissen Grad akzeptieren wird. Denn immerhin hat sie mich als Mann kennen gelernt und mir mehrfach gesagt, dass sie definitiv nicht lesbisch ist. Aber bislang sehe ich auch keinen Grund ihr diesen Mann gänzlich zu nehmen. Denn so wie ich es auch schon am Anfang meines Blogs geschrieben habe, habe ich überhaupt nicht die Absicht, den radikalen Strich zu ziehen. Ich denke, ich würde das auch psychisch gar nicht durchhalten. Es kommt mir eher darauf an, mich in meinem Körper wohl zu fühlen. Und da lasse ich mir alle Möglichkeiten für die Zukunft offen.
    Das mein Kleiderschrank langsam verweiblicht, akzeptiert meine Frau mit einem lieb gemeinten Grinsen. Auch unterstützt sie mich beim Klamotten kauf, auch wenn dann immer mal wieder Männersachen in der Umkleide auftauchen. Aber ich verweigere mich ja auch nicht unbedingt vor diesen Klamotten so lange sie auch etwas feminine haben. Aber so wie meine Frau sagt, scheint sie diese feminine Ader an mir zu lieben. Ich hoffe es bleibt so!!!

    Das Leben ist schon manchmal komisch, oder? Vielleicht war mein Denken über dieses Leben aber bislang auch nur viel zu verstockt und voreingenommen als das ich es zugelassen hätte zu glauben, dass es eine vielseitige Akzeptanz zur Individualität bietet, wenn man es richtig angeht.

    Ich wünsche Euch allen die Ihr meinen Blog lest einen schönen und besinnlichen Jahresausgang und einen guten Rutsch ins neue Jahr! Haltet den Kopf oben und vernachlässigt nicht das positive Denken.

    Eure Christina

    Montag, 1. November 2010

    Nach einem Jahr


    Es ist jetzt gut ein Jahr her, dass ich mich nach jahrelanger Abstinenz wieder dazu entschlossen habe, Hormone zu mir zu nehmen. Allerdings war das letzte Jahr kein klassischen Transen-Hormonjahr mit synthetischen Hormonen, sondern eher ein Experimentelles-Wohlfühljahr mit pflanzlichen Hormonen. Ein Wohlfühljahr deswegen, weil ich zuerst gar nicht darauf aus war meinen Körper komplett zu verändern, so dass es jeder mitbekommt, sondern eher der Versuch, meinen Körper dem seelischen Gefühl weiblich zu sein, anzupassen. Oder um es weniger kompliziert auszudrücken: meine Empfindungen und den mir gegebenen physischen Körper in Einklang zu bringen. Denn obwohl mir meine Transsexualität bewusst ist, so bin ich mir auch darüber im klaren, sehr wahrscheinlich mein Leben lang mit diesem Körper leben zu müssen. Da ich jedoch immer wieder merke, dass genau diese Logik nur eine theoretische Logik ist und keine Tatsächliche, entschloss ich mich dazu, den pflanzlichen Hormonen eine Chance zu geben. Immerhin sind diese Art der Hormone ja zumindest bei körperlich biologischen Frauen dazu in der Lage, hormonell und damit auch auf Empfindungsebene, Ausgleichend bzw. Regulierend zu wirken. Nicht umsonst ist der Markt für Wechseljahresprodukte und Produkte zur Überwindung von Menstruationsproblemen so groß. Hier scheinen Jahrhunderte alte Rezepte mit neuen Erkenntnissen Hand in Hand zu gehen. Und genau diesen Mitteln wollte ich auch alleine aus botanischer Neugierde auf den Grund gehen. Wenn sie mir zudem noch helfen könnten meine Gefühle besser zu sortieren oder vielleicht sogar zu harmonisieren, so wäre das sicherlich der bessere Weg als der mit synthetischenenen Hormonen, Zwangsouting und Vogelscheuchencharakter einhergehende klassische Weg für Transsexuelle. Außerdem war ich der Meinung, dass pflanzliche Stoffe allemal besser seien als synthetische.
    Heute knapp ein Jahr und einigen hundert Euro später muss ich ein recht ernüchterndes Resümee stellen. Ich habe viel ausprobiert, eine Menge Geduld geübt und auch sehr viel Kraft und Zeit (vom Geld mal ganz zu schweigen) investiert. Und Tatsächlich, Veränderungen haben die pflanzlichen Hormonpräparate und -regulierer ganz klar herbeigeführt. So ist meine Haut vor allem im Gesicht wesentlich glatter geworden. Typisch männlich Gesichtszüge sind schon nach wenigen Monaten weiblicher geworden. Alles in allem habe ich ein jüngeres Aussehen – eine Tatsache, die in meinem Bekanntenkreis bei Personen denen ich weniger oft begegne so manches mal zu Irritationen geführt hat. Auch haben die pflanzlichen Hormone einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf meine Gefühle genommen. So empfand ich bei einigen Mittel, dass sie mir wesentlich mehr Kraft gaben, meine weiblichen Gefühle trotz männlichen Körper zu akzeptieren. Ja in einem gewissen Sinne stärkten sie sogar meine Weiblichkeit, was dazu führte, das ich mit wesentlich mehr Gelassenheit und Selbstverständnis meiner Weiblichkeit nach außen hin Ausdruck verleihen konnte ohne von Angst- bzw. Schuldgefühlen übermannt zu werden. Es hatte aber auch den Nachteil, dass aufgrund wachsendem Ego der Frau in mir, auch das Gefühl des Auslebens an stieg. Ich begann mich etwas wie ein pubertierendes Mädchen zu sehen und auch so zu empfinden – etwas, das ich im Scherz und zum besseren Verständnis über meine Gefühle schon oft so zum Ausdruck gebracht habe, aber noch nie so direkt empfunden habe. Jetzt kam es aber auf. Und jeder der sich in seine Pubertät zurück erinnern kann wird wissen, dass diese Jahre der Entwicklung, auch Jahre des Übergangs vom Mädchen zur Frau und vom Jungen zum Mann sind. Und genau dort befinde ich mich gefühlsmäßig jetzt. Ich fühle mich einerseits wohl in meiner gefühlten weiblichen Rolle aber sehe auf der anderen Seite noch immer einen männlichen Körper. Ich bin in der Pubertät und warte darauf eine Frau zu werden. Anscheinend regulieren die pflanzlichen Hormone tatsächlich. Aber in meinem Fall eben doch genau in die Richtung, die ich eigentlich als absurd angesehen habe und vor dessen Herausforderung ich heute doch wieder stehe: Der Übergang (Trans) vom Mann zur Frau (Sexualität).
    Und noch etwas bewirken die Pflanzenextrakte: Die Einnahme von Phytohormonen und -blockern sollten eigentlich auch meinen so gehassten männlichen Trieb abschwächen. Aber anscheinend wird dieser eher gefördert. Wenn eine Libidoabschwächung eingetreten war, so war sie auch nicht von langer Dauer. Denn so wie pharmazeutische Produkte wirken, so wirken die pflanzlichen definitiv nicht. Auch blieben bis auf eine minimale, nach außen hin kaum merkliche Brustveränderung alles beim alten. Nur eben meine Gefühle nicht: hier bekam ich mehr Selbstbewusstsein zu meiner Weiblichkeit aber auch einen gesteigerten Wunsch, diese nach außen zu tragen. Und so stehe ich heute wieder vor dem Problem, vor dem ich schon so oft in meinem Leben stand: Wie kann ich diesen Weg am besten gehen?


    Freitag, 24. September 2010

    Vom Kind

    Ein Kind ward uns geboren und es war ein Bub,
    zwar hätt' man lieber ein Mädel, doch auch so war es gut.
    Es hat zwei Beine, zwei Arme, Augen, Nase und Mund
    und das wichtigste war, auch sonst war es Gesund.

    Na eigentlich war's dem Vater ja egal,
    und wie das Leben so spielt, man hat eh keine Wahl.
    Die Mutter nahm es hin wie es nun mal ist
    und liebte Ihr Kind, auch wenn's bloß ein Junge ist.

    Die Jahre vergingen der Junge wurd' groß
    und auch die Mutter war stolz, denn er kam aus ihrem Schoß.
    Der Vater prahlte sowieso ja immer schon,
    über diesen Prachtkerl, und nennt ihn mit erhabener Brust: „Mein Sohn!“

    Der Bub nun Erwachsen und zum Manne gereift,
    spürte schon früh' in der Jugend das es irgendwo kneift.
    Fühlt er doch in so manchem Moment,
    das er seinen Körper anders besser fänd'.

    Schon früh träumte er davon ein Mädchen zu sein,
    doch er war es nicht und konnte es wohl auch niemals sein.
    Der Mutter war sein Verhalten schon sehr früh suspekt;
    was der Junge wohl mit ihren Sachen ausheckt?

    Nun groß und stämmig mit Muskeln versehen,
    sieht er sich vor dem Spiegel stehen.
    Fragt sich ob er so Leben kann?
    Fragt sich wie er es ändern kann und vor allem das schlimmste: Wann?

    Man kennt ihn bisher als großen Mann,
    kann man das ändern und nimmt man das an?
    Die Mädchenzeit war bereits verloren,
    und jetzt vom Mann zur Frau? Das klingt verdorben.

    Man wird ihn echten und für Krank ansehen,
    man wird ihn ausrangieren und ihm so das letzte noch nehmen!
    Und zudem, was ist mit Vater und Mutter?
    Die Familie kaputt? Der Stolz noch viel kaputter?!

    Doch das letzte im Leben, die Freude, zu nehmen -
    wer solch ein Opfer verlangt, der sollte sich schämen.
    Denn zum Leben gehört nicht nur man selbst,
    zu ihm gehört auch der Rest der Welt.

    Der eine erlebt es ganz ohne Qual,
    der andere sagt sich: „Ich hat eh' keine Wahl.“
    Die Mutter liebt sie seitdem so wie sie ist,
    der Vater sagt: „Es ist gut das sie so ist wie sie ist!“

    Gedanken von Christina

    Sonntag, 18. Juli 2010

    Scharfstellungprobleme

    Ich finde, dass schlimmste an der Transsexualität ist die Tatsache, das es keinen direkten Sprung vom Mann zur Frau oder auch umgekehrt gibt. Immer ist da diese Übergangsphase, die zudem auch noch recht ruppig verläuft und einen jedes mal verzweifeln lässt. Da freut man sich anfangs über jedes noch so kleines Gefühl weiblicher zu werden und dann steht man eines Tages vor dem Spiegel und findet sich als total entstellt; dann ist da nämlich auf einmal kein Mann mehr, so wie er immer und unverkennbar erschien, sondern nur ein irgendwie entstelltes männliches Wesen das krank oder miss gestaltet aussieht da ihm Brüste, ach was sage ich Brüstchen wachsen, weil sein Körperbau stark an Muskelmasse verloren hat und ein zierlicher Körperbau zwischen diese breiteren Schultern und dem natürlich noch immer starken Bartwuchs zum Vorschein kommt.
    Natürlich ist es am Anfang noch ganz angenehm, wenn einem gesagt wird das man anscheinend immer jünger wird. Doch dieses aussehen zum anscheinenden jüngeren stellt sich dann auf einmal nicht als Auflösung des Alterungsprozesses sondern als Verweiblichung heraus und da werden dann die Blicke schon etwas verwunderter wenn nicht sogar besorgter. Denn seien wir mal ehrlich, wenn sich in unserem Unterbewusstsein heraus stellt, dass unser Bekannter auf einmal tuntig wird, dann ist uns das in den meisten Fällen sehr unangenehm. Gut, dass kann jetzt nur im Moment so scheinen, doch hält dieser Verweiblichungsprozess an, ist das kein Spaß mehr.

    Wenn ich ehrlich sein soll, betrübt mich diese Phase. Seit einem dreiviertel Jahr nehme ich nun pflanzliche Hormone. Und jetzt wirken die Dinger Tatsächlich. Gut, mein Selbstbewusstsein zu mir und meiner bislang versteckten Persönlichkeit ist stärker geworden. Doch nun kommen die Probleme der Umstellung, die man nie wahr haben wollte oder die man konsequent verdrängt.
    Meine Frau macht das alles dagegen erstaunlich gut mit. Zur Erinnerung: sie weiß bis heute nichts von meinem „Problem“ und daher auch nicht von meinen Hormoneinnahmen. Für sie ist meine Person nur das Ebenbild meiner Gefühle, die ich anscheinend raus lasse. Und das stimmt ja eigentlich auch. Ich fühle mich so wie ich bin und ich lebe das erste richtige mal so wie ich mich fühle und trotz der ganzen erwähnten Betrachtungsprobleme fühle ich mich gut. Ich merke halt nur, dass es jetzt um so schwieriger wird, meiner Umwelt meine Veränderungen klar zu machen und um Akzeptanz zu kämpfen!

    Wie schon erwähnt, ist meine Frau mit ihrer Akzeptanz die eigentliche Kraftquelle für mein jetziges Leben. Ich will sie nicht verlieren! Und das bedeutet, ich darf auf der anderen Seite den Bogen auch nicht überspannen. Es wäre also fatal mich jetzt in diese anfangs erwähnte krasse Rollenveränderung zu begeben, nur weil ich meine das ich das jetzt müsste. Nein, vielmehr denke ich, kommt es auf ein ausgeglichenes Verhalten an, nämlich kleine Schritte zu machen die auch naheliegend sind und keine abstrakten großen. Und das ist meiner Meinung nach auch nicht so schwierig. Beobachtet man Frauen im täglichen Leben, so unterscheidet sich nicht viel von ihnen zu den Männern. Sie sind halt in erster Linie weiblicher in ihrer Art aber deswegen nicht weniger dominant oder proletenhaft. Es ist meistens das Umfeld, das uns prägt und nicht alleine unsere Hormone. Es kommt ebenso darauf an wie wir fühlen und ob wir uns trauen dieses Gefühl nach außen zu zeigen. Natürlich immer mit dem passenden Bezug zu unserem Aussehen. Denn auch eine Frau die vielleicht O-Beine hat oder unter zu viel Speck leidet wird nicht zwangsläufig weil sie sich so toll weiblich fühlt im lolitahaften Mini und auf High-Heels durch die Gegend stolzieren. Das richtige Maß ist wichtig. Und da ich mich ja noch mit meinem Körper in einer späten „Pubertät“ befinde, werde auch ich alles weiterhin ruhig angehen lassen und vor allem nicht nur mir sondern auch meiner Umwelt die Gelegenheit geben, sich auf mich einzustellen.

    Das klingt alles so logisch. Mal sehen wie ich in ein paar Monaten darüber denken werde....

    Mittwoch, 21. April 2010

    The sweet brain

    Hallo an alle, die dieser Blog angesprochen hat bzw. die sich für dieses Thema interressieren!

    Ich habe mir lange überlegt, ob es überhaupt Sinnvoll ist bei all den vielen Blogs, Websites, Communities, etc. auch noch meinen Senf zum Thema Transsexualität als eigenständigen Blog zu veröffentlichen. Doch wie man sieht, konnte ich nicht davon ablassen und das hat folgende Gründe:

    Ich selbst sehe mich als Transsexuell und zwar genauer gesagt als Mann-zu-Frau (MzF) Transsexuelle. Und wie sicherlich viele andere in meiner Situation, so habe auch ich das Internet genutzt um mich über die Symtomatik meiner Gefühle zu informieren. Natürlich bietet das Web zu allen nur ansatzweise passenden Dingen eine mehr oder weniger vielversprechende Antwort. Doch beim Anklicken entpuppt es sich nicht selten als Entäuschung.

    Natürlich gibt es auch Literatur im größeren Umfang, aber auch hier meist eher aus einseitigen und persönlichen Perspektiven. Schlussfolgerungen auf die eigene Situation oder gar Empfehlungen für einen besseren Umgang mit expliziten Ereignissen lassen sich dabei leider nur mehr schlecht als recht entnehmen.

    In den meisten Fällen sieht sich jede(r) Transsexuelle doch eher alleine gelassen mit seinen Problemen und versucht für sich selbst Antworten und Lösungen zu finden. Nicht jeder ist gleich so offen, mit Freunden oder Familienangehörigen über seine Probleme zu reden. Und was den angeratenen Psychologen angeht, nun dieser muss sich ja selber erst einmal in die Personon seines gegenüber einfühlen. Wenn es ihm gelingt, kann er durchaus Hilfestellungen geben oder nach allgemein bekannter Praxis bzw. Erfahrungswerten vorgehen. Doch nur ganz selten wird er selber ein transsexuelles Leben gefühlt haben. Seine Hilfe ist wichtig aber kein Allheilmittel.

    Ich möchte mit diesem Blog meinen Werdegang weitestgehend chonologisch Verfolgen und meine eigenen Überlegungen und Erfahrungen einbringen. Da ich selbst langsam auf die vierzig zu gehe und zudem noch sehr stark nach Mann aussehe, halte ich die Darstellung meiner Situation für recht repräsentativ. Denn wer hat schon das Glück mit der Pubertät den Geschlechterwechsel vornehmen zu dürfen. Zudem bin ich mit einer biologischen Frau leiert, die von meiner Transsexualität nichts weiß; mich höchstens für sehr weiblich (vielleicht tuntig) hält. Auch das dürfte dem weitestgehenden Schnitt aller (zumindest MzF-) Transsexueller gleichen.

    Wie gesagt, mein gesamter "Senf" den ich hier abgebe, entspricht meiner eigenen Meinung. Sollte jemand anderer Meinung sein, Ergänzungen, Korrekturen oder Richtigstellung für nötig halten, möge er sich einbringen! Dieser Blog ist das schriftliche Bild eines Lebens. Möge er Leben!

    christina