Sonntag, 24. Januar 2016

Hallo Welt!

Wir schreiben das Jahr 2016 und ich lebe noch. Habe ja lange nichts von mir hören bzw lesen lassen und genauso lange ist es auch her, dass ich diesen Blog hier überhaupt aufgerufen habe. Es ist viel passiert die letzten drei Jahre: ich habe meine Selbständigkeit aufgegeben und eine neue Herausforderung im Handel angenommen. Hätte dabei nicht gedacht das ich es bis in die Marktleitung schaffen würde, schon gar nicht in so kurzer Zeit. Von daher kann ich mit Recht behaupten in den letzten Jahren viel Glück und Erfolg gehabt zu haben. Privat sieht es genauso aus: Meine Frau und ich sind noch immer zusammen, wir sind in eine größere und wesentlich schickere Wohnung gezogen, ein neuer Wagen ist bestellt und die nächsten Urlaubsreisen sind auch schon geplant. Alles etwas was mich mehr als glücklich macht. Wäre da nicht.., ja wäre da nicht das Wesen in mir das die ganzen Jahre zurückstecken musste: Christina.
Wer meine letzten Einträge noch verfolgt hat weiß, dass ich mich sehr verärgert und verbittert zurückgezogen habe. Es lag nicht daran, dass ich meinte auf dem falschen Weg zu sein. Es lag an dem Überfluss an externen Informationen und Geschichten die mich immer mehr daran hinderten ich selbst zu sein. Nachdem dieser Blog mir geholfen hatte zu Christina und damit zu meinen wahren Gefühlen zu stehen, überschüttete ich mich selbst aus lauter Euphorie mit Lebensgeschichten und Erfolgsstorys anderer Personen. Das Fatale dabei ist jedoch, dass Menschen und Gefühle, Erfüllungswünsche und Bedürfnisse bei jeder Person anders ausfallen und daher jeder seinen eigenen Weg finden muss den er gehen möchte. Doch genau dass ging bei mir unter, alles was ich noch lass oder sah waren Planvorgaben eines Weges der nicht der Meine sein konnte und dem ich mich auch überhaupt nicht hingeben wollte. Allerdings wollte ich mich auch nicht auf Ewig diesem Thema abwenden, denn sonst hätte ich diese Seiten hier mit Sicherheit gelöscht. Zwar gab es immer Mal Tage an denen mir dieser Gedanke in den Sinn kamen, aber alleine die Tatsache, dass ich überhaupt darüber nachgedacht hatte gab mir zu verstehen, dass für mich das Thema noch lange nicht ad acta gelegt werden durfte. Mir war klar: ich komme wieder und werde über Christinas Weg schreiben - auch wenn es vielleicht ein Weg sein wird der nie zu Ende gegangen wird weil dieses Thema es nie zu ende ist!

Wie ist also das werte Befinden liebe Christina?
Tja, wie soll ich es beschreiben? Christian und Christina leben ein nebeneinander wobei Christian nach außen hin sicherlich die stärkere Erscheinung ist. Der Job zehrt halt den größten Teil des Lebens auf und wenn man denn mal zu Hause ist, dann ist es einem einfach scheiß egal ob man Männlein oder Weiblein ist Hauptsache man kann ausspannen oder sich um die anderen notwendigen Dinge des Lebens kümmern. Das funktioniert zwar, ist aber kein wirkliches Langzeitrezept für ein gutes Leben. Dabei ist es nicht nur Christina die zu kurz kommt, es ist auch die Beziehung (vor allem wenn die Partnerin auch noch engagiert im Job ist) und die Freizeitbeschäftigungen zu denen bei mir ganz stark die Outdoor-Reisen gehören. Doch obwohl wir seit vielen Jahren schon in unmittelbarer Umgebung zur Schwäbischen Alb und zum Schwarzwald wohnen, kann man unsere Outdoor-Erlebnisse in dieser Region an einer Hand abzählen - das ist traurig.
Natürlich, ohne ´Moos nix los´ aber wie lange kann man das auf diese Art und Weise durchziehen?
Hinzu kommt dabei dann ja auch noch das Mädel in mir. Und dass fordert zumindest vom meinem Geist 100%. Und Körperlich? Sagen wir es so: Outfit Mann, Körper Frau (wenn wir den Bart und die Frisur mal außen vor lassen). Ich stecke also gerade Mittendrin und damit einer Entscheidung gegenüber zu der mir nur der dicke Kopf aber noch nicht die passende Strategie vorliegt. Und dass ist wohl auch der Grund warum ich heute wieder schreibe.

Übrigens verdanke ich es Svenja von mysvenja.blogspot.de dass ich überhaupt erst darüber nachgedacht habe wieder zu schreiben. Sie und Michaela sind die einzigen von denen ich regelmäßig etwas in Google+ lese und die mich weiterhin begeistern. Svenjas Erlebnisse rund ums Endurowandern wecken bei mir immer die Abenteuerlust (bei mir ist es zwar dann eher 4x4 aber egal..) und zeigt mir das beides geht: Abenteuerlust und Frausein und eine tolle Frau zu sein ohne anatomische Eingriffe über sich ergehen zu lassen. Toll!

Für heute war es zumindest mal ein Anfang! Christina lebt also noch und geht weiter ... ihren ganz eigenen Weg!

Falls noch jemand mit liest, ich habe Euch nicht vergessen und ich hoffe Ihr seid zufrieden mit dem Weg den ihr für Euch geht! LG Christina

Mittwoch, 13. März 2013

ES KOTZT MICH AN !!!


Ich habe keinen Bock mehr auf den ganzen Scheiß:

Das ewige rum geheule über unseren gesellschaftlichen Status, dieser ewige DiskriminierungsWahn.
Dieses "Weil ich mich als Frau empfinde müsst Ihr mich so ansehen auch wenn ich (noch) nicht (vielleicht sogar nie) so aussehe"
Dieses differenzieren zwischen "Frau sein", "Trans(e) sein", "Transgender" oder "transsexuell" sein.
Das ewig lamentierende "Geschlecht sitzt im Kopf nicht zwischen den Beinen - Prinzip".
Das beschwerende "Die Welt hat sich gegen mich verschworen weil ich erst zum Psychologen muss bevor ich Hormone bekomme". ...etc. ES KOTZ MICH AN! Und dass nicht erst seit heute. Nur heute muss es aus persönlichem Anlass mal raus.

Natürlich ist das scheiße wenn man "angefeindet" wird. Wobei man auch erst einmal festlegen muss wo Anfeindung anfängt und was es beinhaltet. Wenn ich "halbfertig" als "Frau verkleidet" auf die Straße gehe, dann muss ich damit rechnen blöd angemacht zu werden. Über einen Penner auf der Düsseldorfer Kö schauen wir auch herablassend oder mindestens ignorierend weil er nicht in das Gesamtbild der Kö passt. Mit welcher Berechtigung verlangen wir daher als "ganz normale Frauen" betrachtet zu werden, wenn man uns zum Teil noch als Männer wahr nimmt.

Dabei sollte es doch bei den letzten Hardliner angekommen sein, dass man eine festgefahrene Gesellschaft mit ihren überlieferten und gelebten Normen nicht ändert sondern nur deren Nachkommen. Und das auch nur wenn Akzeptanz und Verständnis geschaffen wird. Und Akzeptanz erfordert eben das Akzeptieren, gegenseitiges Akzeptieren; das habe ich hier ja schon einmal erörtert. Auch wir müssen akzeptieren, und zwar das es so ist wie es ist. Das wir geschlechtlich nicht so normal sind wie der Großteil der Menschen. Und das die Gesellschaft Zeit braucht. Geben wir Ihr die Zeit nicht, laufen wir Gefahr dass wir als ewige Nörgler angesehen werden. Und Nörgler mag man bekanntlich nicht, feindet man auch gerne mal an und versucht sie letztendlich auch mundtot zu bekommen. Wollen wir das? Und Verständnis zu bekommen funktioniert nicht indem wir uns über Wortwahlfehler aufregen, sondern nur indem wir uns Beweisen als ganz normale Menschen mit einem angeborenen Defizit. Und indem wir selbst Verständnis über diese schwer zu verstehende und zu vermittelnde Situation aufbringen.

Auch so eine Aussage:
"Es gibt doch tatsächlich transsexuelle Menschen die behaupten eine Frau sein zu wollen. Wissen die denn nicht das Sie eine Frau sind?!" - sorry, saublöde Ansicht, oder? Es gibt in den USA jemanden der fühlt sich als Wildkatze und versucht mit allen Mitteln auch so auszusehen. Ist er eine Wildkatze? Nee, nicht einmal ein Stubentiger. Ach so Entschuldigung, da habe ich wohl was falsch verstanden. Die Wissenschaft zeigt ja das das Geschlecht im Kopf sitzt nicht zwischen den Beinen, was man ja nicht auf einen Katzenmenschen übertragen kann. Aber wer außer ein paar informierten Menschen weiß das? Genau, kaum einer. Also nehme ich meine Entschuldigung wieder zurück! Daraus schlussfolgere ich: Es ist durchaus legitim von sich zu behaupten man möchte als transsexueller Mensch eine Frau sein, weil in unserer Gesellschaft das Bild einer Frau weiblich ist und ich in meiner Männergestalt da womöglich niemals hinkommen werde. Denn trotz Hormonen und OP fehlen dann weiterhin noch eine Menge Dinge in meinem Körper die mich so empfinden lassen wie ich empfinden möchte: als Frau! Also was soll diese ganze Wortklauberei? Fazit: Ich versuche meine Gefühle und mein Erscheinungsbild möglichst dem gewünschten Ideal anzupassen. Mehr geht in diesem Leben nicht. Der Rest liegt in den Sternen oder in der Akzeptanz meiner Mitbürger.

Und was das Thema "glückerfüllende GaOP" die so gerne als "Weisheit letzter Schluss" angesehen wird angeht, nur eins: Es können sogar schon Köpfe transplantiert werden (zumindest bei Affen und leider auch nur für kurze Zeit). Aber ist es das was wir wollen? Oder wollen wir einfach nur glücklich Leben? Dann kommen wir um Kompromisse nicht herum. Also hört auf von dem ewigen Märchen der perfekten Transition zu labern, die es nie geben wird.
Mir läuft es immer Eiskalt den Rücken runter wenn ich junge Tragsgender höre wie sie auf das erlösende Ziel der GaOP hinarbeiten. Und nur all zu gerne werden Sie darin auch noch bestätigt von den "Erfahreneren" unter uns? Das es auch schon welche von uns gab die dem Leben danach die kalte Schulter gezeigt haben weil die OP sie doch nicht so zur Erfüllung gebracht hat, bleibt dabei nur all zu gerne unerwähnt. Und das es hingegen auch positive und lebensfreudige Beispiele von uns gibt die das Glück auch ohne OP gefunden haben, davon spricht auch kaum jemand. Warum? Weil man sich selbst nicht ins negative Licht rücken möchte? Oder weil man genauso denkt wie jeder zweite Bürger auf der Straße: Männer haben einen Penis und Frauen eine Vagina?

Wer unter externen Einflüssen fehlentwickelt zur Welt kam kann vielleicht noch auf eine Entschädigung hoffen. Aber wer aufgrund unvollkommen und somit natürlicher Art fehlentwickelt zu Welt gekommen ist, muss sich mit der Tatsache abfinden. Und da gibt es auf der Welt wesentlich tragischere Fälle als uns! Viele von denen haben es gelernt trotz ihrer Situation glücklich zu leben. Und die wenigsten betreiben Begriffs-Wortklauberei, sie leben so wie es ihnen möglich ist.

Bei uns kommt es mir so vor, als verschanzen sich viele nur hinter einigen wenigen Schreihälsen und wiederholen Gebetsmühlenartig deren Forderungen und beweinen dabei noch selbst lähmend ihre Situation. Communities und Social Networks sind da ja der ideale Marktplatz für...... scheiße ich kann den ganzen Misst nicht mehr sehen! ES KOTZT MICH AN!!!

Kennt jemand den Film "Ideocracy"? Manch eine(r) dürfte sich dort wiedererkennen - wenn er dazu in der Lage ist. Aber darüber will ich mir jetzt kein öffentlichen Urteil erlauben.

Donnerstag, 21. Februar 2013

Was geht da ab? - Eine hormonelle Frage.

Nach längerer Zeit mal wieder etwas zum Nachdenken an dieser Stelle. Beginnend mit einer kleinen Geschichte:

Eine junge Frau möchte zwecks Empfängnisverhütung die Pille nehmen. Insgeheim wünscht sie sich auch, dass diese Pille zusätzlich einen kleinen Einfluss auf ihr Brustwachstum nehmen möge denn mit Körbchengröße A fühlt sie sich doch etwas schwach bestückt.
Und natürlich verändert die Einnahme der Pille in den nächsten Monaten sowohl ihr Gefühlsleben als auch ihre Brüste. Nur leider nicht mit dem gewünschten Maß an Erfolg. Es tut sich zwar etwas, aber leider nur ein wenig.
Nun ziehen die Jahre ins Land und die junge Frau (mittlerweile Mitte zwanzig) möchte die Pille absetzen. Zu riskant ist ihr einerseits die Einnahme dieser Mittel und zum Anderen hätte sie auch gegen Nachwuchs nichts mehr einzuwenden. Kurzum, die Pille wird abgesetzt.
Es vergeht gut ein Jahr bis sich Ihre Periode wieder einigermaßen normalisiert, was ein starkes Zeichen dafür ist, dass diese Medikamente schon einen sehr großen und gravierenden Einfluss auf den menschlichen Körper ausüben. Doch dann passiert etwas eigenartiges: die Brüste wachsen!

Soweit zur kleinen Geschichte die sich so wirklich zugetragen hat. Und ja, die junge Frau ist gesund, also nichts abnormales was hier stattfindet.

Frage: Wenn ein Hormon wie das Estradiol über Jahre dem Körper regelmäßig zugefügt wird, sich aber nur wenig verändert. Dann aber nach dem Absetzen dieses Hormons und Normalisierung des körpereigenen Hormonhaushaltes Veränderungen auftreten die eigentlich dem Estradiol zugeschrieben werden. Was hat dann diese Veränderungen bewirkt?
Sicherlich, Estradiol ist nicht das einzige Hormon, ja nicht einmal das einzige Geschlechtshormon. Fakt ist auch, dass auch das Testosteron einen wichtigen Einfluss auf die Weiblichkeit hat. Nur was trägt jetzt tatsächlich zum Frausein bei? Bei all den Debatten über viel oder wenig Estradiol, über Estradiol mit Androcur muss man sich doch auch die Frage stellen: Was brauche ich wirklich und sprechen wir diesen ganzen Mitteln nicht doch ein wenig zu viel Bedeutung zu?

Liebe Grüße
Chris

Dienstag, 1. Januar 2013

Einen guten Start ins neue Jahr!

Ich wünsche Euch allen einen guten und erfolgreichen Start ins neue Jahr 2013. Möge es ein gutes und gesundes Jahr für uns alle werden!

Dienstag, 3. April 2012

Augen auf beim Schaulauf...


... oder: Was habe ich mit Olivia zu tun?

Fernsehtipps zum Thema Trans* sind im Grunde genommen etwas sehr praktisches. Bin ich doch nicht immer in der Lage (und habe noch weniger Lust) mich durch die Programmvorschauen der Sender zu wühlen, nur um heraus zu finden ob da demnächst eine interessante Sendung zu meinem Lebensthema läuft. Doch was ist in diesem Zusammenhang interessant? Boulevard oder Wissenschaft? Doku oder Film?

Ich denke bei jedem wird es anders sein. Ich persönlich verabscheue Boulevard und bei Filmen gehe ich noch wesentlich selektiver vor. Nicht alles was so gesendet wird halte ich auch für sehenswert – es wird eben eine Menge Schrott produziert. Teilweise frage ich mich auch, ob so manches was in der Kiste über das Thema Trans* gezeigt wird für unsere Darstellung in der Öffentlichkeit überhaupt so gut ist. So auch bei dem kurzen WDR Bericht vor einiger Zeit, in dem über eine „Düsseldorfer Transsexuelle“ berichtet wurde, die versuchte vor Gericht den Namen einer bekannten Düsseldorfer Edelmeile anerkannt zu bekommen. Ist ja toll, dass sie es ins Fernsehen geschafft hat. Aber ob dass so toll für uns ist mit so einem dämlichen Quatsch in Verbindung gebracht zu werden, steht auf einem ganz anderen Blatt. Und dann treffe ich Tage später auf einen Facebook Fernsehtipp zu einem NDR Talk mit Olivia Jones, der (Achtung Zitat) „Kultur-Transe“ Hamburgs.

Ich kenne Olivia nicht persönlich, aber das was ich von ihr kenne reicht mir eigentlich, um mit ihr nicht in eine Schublade gesteckt werden zu wollen; ich bin weder TV geil noch sonst irgendwie Darstellungssüchtig. Außerdem ist das Klischee das sie vertritt, genau das, was ich als Image schädlich für die (ernsthafte!) Transgemeinde ansehe. Fragt doch jemanden mal auf der Straße nach Transsexualität und erschreckend viele denken dabei an Mary oder Olivia Jones. Das Olivia dabei als „Kultur-Transe“ bezeichnet wird ist gar nicht so schlimm. Auch nicht, dass man sie als Transe bezeichnet denn das stellt sie ja auch in meinen Augen da. Mich stört eher, dass ihr Auftreten als Fernsehtipp zum Thema Trans* deklariert wird. Als gäbe es da nichts passenderes!

Unabhängig davon ist mir im letzten Jahr mal extrem aufgefallen, wie viele Berichte über einige von uns so ausgestrahlt wurden. Mag sein, dass ich da etwas hinterm Mond lebe, aber ich habe noch nie von so vielen verschiedenen Berichten innerhalb kürzester Zeit erfahren. Es erschlug einen ja förmlich. Sicherlich trug die Eigenwerbung einiger Facebook-Vertreter(innen) sehr dazu bei, dass ich überhaupt erst auf die Filme aufmerksam wurde. Doch alleine schon das die Medien so ein Interesse an uns fanden, verblüffte mich. Nimmt man uns jetzt endlich für voll? Oder ist es wieder einmal nur der Verkaufsfaktor, der uns so Medienwirksam macht? Ich befürchte ja fast letzteres. Waren es in den vergangenen Jahren vor allem die privaten Sender, die in Ihren Dokus Trans* als Thema entdeckten (sehr wahrscheinlich weil es so schockierend anders ist), so sind es in letzter Zeit vor allem die Öffentlich Rechtlichen, denen das Thema auf einmal besonders wichtig zu sein scheint.

O.K., es ist unfair das Engagement der Sender so abzuwerten. Und auch die Protagonisten der Berichte haben es nicht verdient in solch ein Licht gestellt zu werden. Immerhin berichtet man über uns und in manchen Sendungen auch recht vernünftig (z.B. zuletzt bei Quarks & Co.). Dennoch bleibt bei vielen Berichten (die ja irgendwie alle gleich sind) der bittere Beigeschmack, dass es hier weniger ums Erklären, Aufklären oder Informieren geht als vielmehr um die Auswahl einer medienwirksamen Story. Zeitweise hatte ich sogar irgendwie den Eindruck, dass innerhalb der Trans*-Gruppen eine Art latenter Wettbewerb herrschte, wer es denn wohl als nächstes in die Medien schaffen würde, so offen blumig stellten sie ihre Lebensgeschichte ins Netz. Natürlich gibt es hier auch Ausnahmen wie jene, die bereits seit Jahren intensiv über sich schreiben und somit einer Menge von Leuten geholfen haben, mit sich selber klar zu kommen. Aber diese Personen meine ich auch nicht. Mir geht es eher um diejenigen, die sich ins Rampenlicht stellen, ohne dass sie selber irgend etwas bewirkt haben, und davon gibt es und gab es in letzter Zeit mehr als genug.

Von Seiten der Medien ist für mich das Interesse durchaus verständlich. Wann bekommt man schon einmal eine fertig zusammengefasste Story kostenlos auf den Tisch die sich auch noch gut verkaufen lässt – zur Not auch als nichtssagenden Lückenfüller. In den wenigsten Fällen wird doch noch von Seiten der Sender selber recherchiert. Man zitiert nur noch angebliche Experten oder berichtet über das was einem vor die Kamera gestellt wird – richtig in die Materie einzutauchen kann sich doch kaum noch jemand leisten; so etwas kommt nur noch bei „wirklich wichtigen Themen“ vor. Wenn das Drehbuch fertig ist und der Darsteller geschminkt, braucht man nur noch zu drehen und das Kurioseste heraus zustellen – aufwendig sieht anders aus.

Über den tieferen Nutzen so einer Berichterstattung lässt sich hingegen unverkrampfter streiten. Man muss sich nur vor Augen halten wie wir in der Öffentlichkeit betrachtet werden. Ganz aktuell sieht und merkt man es bei der immer öffentlicher werdenden Diskussion über das zwölfjährige Berliner Mädchen und ihrem Kampf gegen die Institutionen. Ihr Thema erreicht den Kern der Trans*-Problematik mit der wir wirklich zu kämpfen haben: die Anerkennung unseres Geschlechts!

Und es wird noch etwas bei diesem Thema deutlich: wir behaupten zwar immer die gleichen Interessen zu haben, nur zeigt sich das in keiner Weise in unserem Handeln und Auftreten. Klar, wir wollen Anerkennung, nur was tun wir dafür? In unserer Welt reicht es nicht einfach nur zu sagen man ist jemand, sondern man muss es auch beweisen. Nur weil ich mich als Frau kleide, muss ich nicht zwangsläufig von meiner Umwelt so aufgenommen werden. Schon gar nicht in einer Umwelt, die eine klare Definition von männlich und weiblich verinnerlicht hat. Ab einem gewissen Punkt ist es nicht mehr damit getan, sich einfach nur als Frau zu kleiden, man muss dann auch so handeln und sich so benehmen. Ansonsten enttarnen uns die noch übrigen männlichen Merkmale schneller als es uns recht ist. Da bringt es auch wenig wenn wir weiterhin behaupten eine Frau zu sein: Die Anerkennung als Transe ist uns sicher, die als Frau nicht unbedingt.

Wenn wir also eine geschlechtliche Anerkennung haben wollen, dann müssen wir andere Punkte als Beweis anführen und diese auch hervor heben. Am besten wissenschaftliche Beweise die es ja mittlerweile in vielfacher Art gibt. Sachliche Argumente, die sowohl logisch als auch verständlich ausgeführt sind. Menschliche Vergleiche die man nicht nur verstehen sondern auch nachvollziehen kann. Wenn wir Anerkennung haben wollen, dann sollten wir die Finger von Klischees lassen die uns nur in den Dreck ziehen. Auch sollten wir es tunlichst unterlassen uns zum Affen zu machen indem wir unser Leben darstellen als sein es eine Soap und benötige auf Teufel komm raus eine hohe Einschaltquote.

Das unser Geschlecht nichts mit äußerlichen Merkmalen zu tun haben muss, sondern (nach aktuellem Stand) mehr im Kopf festzumachen ist, muss einer körperlich fixierten Gesellschaft (von der wir auch ein Teil sind!) erst einmal verständlich gemacht werden. Ihnen das einfach nur vor den Latz zu knallen, wie es einige amtliche Vertreter von uns regelmäßig machen, bringt genauso wenig, wie der Olivia Jones gleiche Auftritt in einem Boulevard Medium. Das heißt, doch es bringt etwas: es macht uns alle schlimmstenfalls zum Deppen weil es falsch verstanden wird!

Übrigens bin ich bei der Berliner Geschichte mal gespannt wer sich als erstes dem Thema annehmen wird: die Boulevard-Medien oder die seriösen Nachrichten? Im gewissen Sinn gleicht es ein wenig dem Spiel zwischen Sieg oder Niederlage. Schafft es das Thema nicht in eine seriöse Nachrichtenebene, verlieren wir wieder einmal eine gute Chance zur objektiven Aufklärung. Platziert es sich in den Boulevardmedien, wird es eine Story von vielen werden, die so oder so ähnlich irgendwo auf der Welt passiert ohne dass sich jemand intensiver damit beschäftigen wird. Ob es im Endeffekt dem Mädel helfen wird, steht hingegen auf einem ganz anderen Blatt. Rein rechtlich wird sie vorerst zumindest den kürzeren ziehen müssen. Und gesellschaftlich kommt es auf jeden einzelnen von uns an, wie unser Bild in der Öffentlichkeit betrachtet wird. Oder um es konkreter zu sagen: ob wir Menschen sind oder Patienten!

Also, Augen auf beim Schaulauf da draußen!



Freitag, 20. Januar 2012

Nur mal eben Luft raus lassen...!


Eigentlich wollte ich etwas ganz anderes schreiben, doch dann lass ich Inkas Post. Ich muss daher erst einmal Luft ablassen:

Ich wusste es schon sehr früh, mit sechs oder sieben etwa: ich fühle und denke als Mädchen! Doch ich brauchte Jahrzehnte um zu verstehen was es war und wie ich damit umzugehen habe – das war keine schöne Zeit; und ist es mitunter heute auch noch nicht. Wie vielen Menschen habe ich Sorgen und Schmerzen bereitet, weil ich Dinge tat von denen keiner wusste, wie sie zuzuordnen seien. Aber wie denkt wohl eine Mutter deren kleiner Sohn immer wieder heimlich ihren Kleiderschrank plündert – heimlich, weil ich angst davor hatte das es raus kommt, mein ureigener und so irre klingender Gedanke ein Mädchen zu sein.
Dann waren da die Mädels auf die ich stand. Doch wie ich immer wieder feststellte, nicht weil ich mich in sie verliebt hatte, sondern weil ich mich in ihren Körper verliebt hatte, den ich nicht besaß.
Wie fühlt sich wohl ein Mensch der jemanden liebt aber feststellen muss, dass es beim anderen nicht um seine Person geht sondern um seinen Körper?!
Von meinen eigenen Problemen möchte ich gar nicht weiter reden: Selbstmordgedanken, übermäßiger Alkoholkonsum, regelmäßige Flüchte aus dem Alltag und Berufsleben, Neuanfänge, Resignation, Zusammenbrüche... . Und heute muss ich mich mit dem sehr üblen Problem herum quälen, meine dummerweise erworbenen männlichen Körpermerkmale los zu werden; was ja auch nur zu einem gerade noch erträglichen Teil funktioniert.

Ich hasse die Zeit die ich in der falschen Funktion verbracht habe. Und selbst heute noch muss ich Rechenschaft darüber ablegen warum ich mich so verhalte wie ich mich verhalte, und mittlerweile so lebe wie ich es für richtig erachte. Hätte es das Internet mit seinen sehr umfangreichen Informationen damals schon gegeben, ich hätte diesen Weg schon in der Pubertät eingeschlagen. Ich hätte mir einen großen Teil der Probleme erspart und anderen sicherlich auch. Ich hätte die Chance gehabt wesentlich unauffälliger mein Leben zu gestalten, anstatt es heute auf sehr bloßstellende Art umkrempeln zu müssen.

Doch wie mir scheint, bringt diese ganze Aufklärerei nur den betroffenen etwas, der Rest der Welt ignoriert es anscheinend – vor allem die, die es von ihrer Funktion her besser wissen sollten. Anders kann ich es mir nicht erklären, warum man ein Kind mit Gefühlen ähnlich den meinigen, in die geschlossene Psychiatrie einweisen will – von Amtswegen! (siehe Artikel in der taz vom 19.01.2012 „Wer wollte das rosa Einhorn?“)

Da bin ich ja mal gespannt, wie sich die offiziellen Seiten raus reden werden. Inka schreibt ja davon, dass ein Brief an Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit gegangen ist und dass sie selbst auch einen offenen Brief an ihn verfasst hat. Für die Sache wäre es ja schön, wenn man sie jetzt auch politisch ausgetragen würde. Für das Kind hoffe ich es jedoch nicht!

….. als wäre das Leben nicht schon schwer genug....!



Sonntag, 15. Januar 2012

Sonntag. Einfach nur Sonntag!

Ja es ist wieder einmal Sonntag. Doch an diesem Wochenende ist mir überhaupt nicht nach Ausruhen zu mute. Viel zu viel habe ich mir vorgenommen als dass ich auch nur ansatzweise an einen ruhigen und gelassenen Sonntag denken möchte. Immerhin hatte ich ja die letzten Wochen schon Ruhe genug; und viel zu viel gefaulenzt. Zudem bietet sich dieses Wochenende wunderbar an, um zu arbeiten - in Ruhe zu arbeiten! Meine Frau hat für dieses Wochenende die Messestandbetreuung auf der CMT-Messe in Stuttgart übernommen und mir damit die Chance gegeben, auch am Wochenende unentwegt meinen Computer zu bearbeiten. Obwohl, so wirklich unentwegt ist es natürlich wieder ein mal nicht. Das blöde ist, wenn du zuhause arbeiten kannst, wird dir auch gerne all die Hausarbeit aufgebrummt die zu erledigen ist, weil man ja nicht dumm rumsitzen sollte wenn man schon zu Hause ist. Klingt eigentlich genauso logisch wie es unlogisch ist, denn oftmals bedeutet dass für mich, dass ich genauso wenig zum Arbeiten kommen, wie an den Tagen an denen meine Frau auch hier ist. Tja, irgendwie schwebt ihr Geist halt immer irgendwo um mich herum...

Dabei ist das nicht einmal so schlimm. Viel schlimmer ist es doch, wenn man morgens aufwacht, ins Bad geht und in den Spiegel schaut und dann feststellt, dass der ganze Trott wieder von vorne anfängt. Ich weiß ja nicht wie es Euch geht, aber ich empfinde dieses alltägliche Schminken an manchen Tagen als absolut nervig. Aber was wäre wenn ich mich diesem Ritual nicht unterwerfen würde? Mich würde ein dunkler Bartansatz und die dazugehörigen noch immer ersichtlichen männlichen Gesichtszüge den ganzen Tag über erschlagen, würde ich auch nur einen einzigen kleinen Blick in den Spiegel wagen. Genau das habe ich in den letzten Wochen mehrfach versucht; der Versucht keine Männergestalt im Spiegel zu erspähen, über das offensichtliche hinweg zu sehen. Aber es gelingt mir nicht wirklich. Es sorgt eher dafür, dass ich mich innerlich verhärte, was dann irgendwann über ein Überdruckventil schlagartig nach außen getragen wird und für allerbeste Laune (vorsicht Ironie!) sorgt und unter Umständen auch zu trostloser Traurigkeit führt. Also bleibt doch wieder nur der allmorgendliche Griff in die Kosmetiktasche - genau wie an diesem Morgen.

Und nun sitze ich hier, vom Gesicht her gestylt, in gemütlichem Schlabberlook gekleidet, an einem Schreibtisch der nun endlich zur produktiven Arbeit aufruft mit einer Christina die eigentlich so gar keine Lust mehr hat zu arbeiten, da dort draußen die Sonne scheint und dazu einlädt, einen kleinen Sonntagsspaziergang zu machen - alleine dem aufgetragenen MakeUp wäre ich es schuldig. Wenn da nicht noch die aufgetragenen Hausarbeiten wären denen ich meiner Frau zuliebe (und des lieben Friedens willen) nachkommen möchte. Und wenn ich damit fertig bin ist garantiert Nachmittag und ich bin k.o. und weggearbeitet habe ich dann garantiert auch noch nichts. Man kommt eben doch zu nichts wenn man zuhause arbeiten darf, da ändern dann auch morgendliche Rituale nichts an der Situation. Na dann, einen schönen Sonntag noch!